London - In Zeiten der Krise sparen die Menschen in Südeuropa offenbar auch am Telefonieren. Das bekam nun der britische Telekommunikationskonzern Vodafone zu spüren. Der Mobilfunkumsatz des Unternehmens in Südeuropa brach um etwa zehn Prozent ein. Wegen des schwierigen Umfeldes in Spanien und Italien schreibt Vodafone auf dieses Geschäft 5,9 Milliarden Pfund ab.
Unternehmenschef Vittorio Colao begründete den Schritt am Dienstag als Vorsichtsmaßnahme. "Wir wollten keine Kristallkugel verwenden", sagte er. "Wir sagten uns, vielleicht wird sich die Lage im zweiten Halbjahr nicht verbessern."
Der Gesamtumsatz des Konzerns sank im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent auf 21,78 Milliarden Pfund. Wegen der Abschreibungen verzeichnete Vodafone
einen Verlust von zwei Milliarden Pfund. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte der Konzern noch einen Gewinn von 6,7 Milliarden Pfund gemacht.
An der Londoner Börse zählte die Aktie am Vormittag zu den schwächsten Werten. Ihr Kurs fiel um 3,8 Prozent auf 160,28 Pence. Die Umsatz- und Gewinnkennziffern hätten in so ziemlich jeder Region enttäuscht, schrieb Analystin Robin Bienenstock von Bernstein Research.
Eine schwache Region ist für Vodafone auch der Heimatmarkt in Großbritannien. Dort hat das Unternehmen künftig seine Spitzenstellung an den Konkurrenten Everything Everywhere verloren, der zur Hälfte der Deutschen Telekom
gehört. Deutschland zählt für Vodafone dagegen zu den Wachstumsmärkten.
Angesichts der düsteren Zukunftsperspektive Europas versucht Vodafone-Chef Colao das Geschäft auf anderen Kontinenten auszubauen. So kaufte er jüngst in Neuseeland den Anbieter TelstraClear. In Afrika wächst Vodafone, in Südafrika sind die Briten sogar Marktführer.
stk/dpa/Reuters
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