Wirtschaft


Volksbank ABC: China startet Weltrekord-Börsengang

Von Andreas Lorenz

Aktien für das Volk: Die chinesische Mega-Bank ABC will mit dem weltgrößten Börsengang mindestens 23 Milliarden Dollar einsammeln. Der Geldgigant hat mehr Kunden als die USA Einwohner - doch Finanzexperten sind skeptisch. Denn die Macht im Unternehmen behält die kommunistische Führung.

Top 10: Größte Börsengänge der Welt
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REUTERS

Am Anfang stand Mao Zedong persönlich. Der Revolutionär und Staatschef ließ in den fünfziger Jahren in China eine Landwirtschaftsbank gründen. Die Idee dahinter: Die Volkskommunen brauchten "Volksgeld", zum Beispiel für Saatgut und Traktoren.

Die Volkskommunen sind längst abgeschafft, das "Volksgeld" gibt es immer noch: Jeder Geldschein, von der Ein-Yuan-Note aufwärts, trägt das Konterfei Maos. Und auch die Landwirtschaftsbank gibt es immer noch. Nur sieht sie heute ganz anders aus als damals.

Die Bank, mehrfach umstrukturiert, folgt den modernen Zeiten: Sie geht in den kommenden Tagen an die Börse. Läuft alles nach Plan der Funktionäre, wird es der größte Börsengang aller Zeiten - Kommunismus auf Chinesisch.

Chinas Landwirtschaftsbank (auch Agricultural Bank of China, ABC) ist das letzte der vier großen staatlichen Geldhäuser, das sich in eine Aktiengesellschaft umwandelt. Gleich an zwei Börsenplätzen soll das Institut notiert werden, in Shanghai und Hongkong. Seit diesem Donnerstag können Interessenten ihre Anträge ausfüllen.

"Das Börsenumfeld ist schwieriger geworden"

Insgesamt will die Bank mindestens 23 Milliarden Dollar einsammeln. Den bisherigen Rekord hält Chinas Industrie- und Handelsbank seit 2006 mit 22 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom Chart zeigen schaffte 1996 umgerechnet 12,5 Milliarden Dollar (siehe Tabelle).

Allerdings sind Makler mittlerweile skeptisch, ob das große Vorhaben tatsächlich gelingt. "Nach der Finanzkrise ist das Börsenumfeld schwieriger geworden", sagt ein Finanzexperte. Und Kleinanleger riskieren ihr Geld während der Fußball-Weltmeisterschaft lieber für Wetten als an der Börse zu spekulieren.

Die größten Börsengänge
Unternehmen Land Jahr Volumen in Mrd. Dollar
Industrial & Commercial Bank China 2006 22,0
Visa USA 2008 19,7
NTT Japan 1998 18,1
Enel Italien 1999 16,6
Nippon Telegraph Japan 1986 13,7
Deutsche Telekom Deutschland 1996 12,5
Bank of China China 2006 11,2
Dai-ichi Japan 2010 11,2
Rosneft Russland 2006 10,7
AT&T Wireless USA 2000 10,6
Quelle: "Börsenzeitung"

Immerhin haben mehrere Großinvestoren in den vergangenen Wochen signalisiert, bei der ABC einzusteigen. Darunter sind die Staatsfonds von Kuwait, Katar und Singapur. Die Araber, so heißt es, wollen jeweils Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar kaufen. Als Investoren sind auch die Deutsche Bank Chart zeigen und der chinesische Staatskonzern PetroChina im Gespräch.

Die kommunistischen Finanzmakler wollen 15 Prozent der ABC verkaufen, der Rest bleibt im Staatsbesitz - und damit den geheimen Regeln der KP unterworfen. Gleichwohl erscheint der Aktienkauf für Privatanleger attraktiv, zumindest auf den ersten Blick: Bisher sind die Kurse chinesischer Banken nach dem Börsengang steil nach oben geschossen.

Bei näherem Hinsehen ist nicht alles rosig

Die Landwirtschaftsbank ist ein Mega-Unternehmen. Sie hat über 320 Millionen Kunden, das sind mehr, als die USA Einwohner haben. Im vorigen Jahr machte das Institut nach eigenen Angaben 65 Milliarden Yuan Gewinn (rund 6,5 Milliarden Euro), in diesem Jahr sollen es umgerechnet sogar knapp 9,9 Milliarden Euro werden. Über 24.000 Filialen besitzt das Unternehmen, mehr als 30.000 Geldautomaten hat es aufgestellt.

"ABC strebt danach, sich in eine moderne universelle Bank mit Blick auf nachhaltige Entwicklung zu wandeln", heißt es in der Eigenwerbung. Man biete "Erste-Klasse-Finanzdienstleistungen" für städtische und ländliche Kunden.

Bei näherem Hinsehen jedoch ist bei der ABC nicht alles rosig. Um die Bilanz vor dem Börsengang aufzufrischen, hat die chinesische Regierung der Bauernbank jüngst 19 Milliarden Dollar Steuergelder überwiesen. Denn das Geldhaus litt, wie auch die Konkurrenz, an faulen Krediten. Inzwischen gibt es die Höhe der nicht zurückgezahlten Gelder mit 4,32 Prozent an - ein nach Aussagen von Fachleuten akzeptabler Wert. Allerdings muss man berücksichtigen, dass Chinas Geldinstitute in den vergangenen Jahren nicht zurückgezahlte Kredite an sogenannte Auffanggesellschaften übertragen und damit aus der Bilanz herausgerechnet haben.

Finanzexperten bemängeln geringe Effizienz

Unklar ist noch, wie hoch die Verluste der ABC wirklich sein werden. Ein Problem könnte eine Weisung aus Peking sein. Denn die KP-Führung hat für ihr 400-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket die Banken ermahnt, großzügiger als bisher Geld zu verleihen - ein Beleg dafür, wie sehr chinesische Staatsbanken unter dem starken Einfluss von Funktionären stehen. Gerade in den Provinzen können Parteiführer oft bestimmen, wer einen Kredit in welcher Höhe bekommt - und wer nicht.

Doch das ist nicht das einzige Manko chinesischer Geldverleiher: Die ABC sei mit ihren 480.000 Angestellten nicht sehr effizient, sagen Finanzexperten. Tatsächlich sind viele Kunden mit dem Service unzufrieden: Er sei nur "schwer zu ertragen", beschwert sich einer im Internet: "Stundenlang lassen die Mitarbeiter einen warten, die Angestellten stehen in den Ecken und schwätzen."

Ein anderer bemängelt: "Das Telefon-Banking ist quasi unerreichbar - die Leitungen sind andauernd besetzt." Mitarbeiter grummeln über Korruption, ungerechte Löhne und unfähige Filialleiter, die wirtschaften wie zu "Zeiten der Kulturrevolution".

"Wer kann die ABC retten?", fragt einer verzweifelt im Internet. Die Antwort der Banker ist klar: Investoren mit sehr viel Geld.

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insgesamt 14 Beiträge
jimi hendrix 01.07.2010
...wurde mir schon versichert, der Kommunismus ist besiegt und am Ende? Für ein gescheitertetes System sind die Roten aber erstaunlich aktiv. Noch erstaunlicher ist, das die Sieger schon so lange und so fleissig bei den Kommis [...]
...wurde mir schon versichert, der Kommunismus ist besiegt und am Ende? Für ein gescheitertetes System sind die Roten aber erstaunlich aktiv. Noch erstaunlicher ist, das die Sieger schon so lange und so fleissig bei den Kommis investieren und unbedingt in deren Märkten mitmischen wollen. Ausgerechnet die rote Mangelwirtschaft versorgt mittlerweile die Welt mit Geld und Waren. Naja, kein Problem...die sind ja besiegt. Die Bank in der Hand des Staates zu lassen ist doch nur Konsequent. Zumindest nach allem was wir in den letzten Jahren über Finanzwirtschaft und Geldschöpfung gelernt haben. Warum wird das als Risiko betrachtet? Hätten die westlichen Staaten zuletzt gesagt, sie hätten mit ihren Banken nix zu tun; das wäre doch das echte Problem gewesen.
berner_bär 01.07.2010
[QUOTE=jimi hendrix;5788282Die Bank in der Hand des Staates zu lassen ist doch nur Konsequent. Zumindest nach allem was wir in den letzten Jahren über Finanzwirtschaft und Geldschöpfung gelernt haben...[/QUOTE] ... Sie meinen [...]
[QUOTE=jimi hendrix;5788282Die Bank in der Hand des Staates zu lassen ist doch nur Konsequent. Zumindest nach allem was wir in den letzten Jahren über Finanzwirtschaft und Geldschöpfung gelernt haben...[/QUOTE] ... Sie meinen die Deutschen Landesbanken?
egils 01.07.2010
Die grösste Volkswirtschaf(sblas) der Welt schlaegt mal wieder zu... Wie westliche firmen und Laender ei so etwas einsteigen können ist mir schleierhaft! Eine Bank, kontroliert von einer Diktatur. Wie die sich nennt ist ja [...]
Die grösste Volkswirtschaf(sblas) der Welt schlaegt mal wieder zu... Wie westliche firmen und Laender ei so etwas einsteigen können ist mir schleierhaft! Eine Bank, kontroliert von einer Diktatur. Wie die sich nennt ist ja egal..Kommunisitsch ist China schon sehr lange nicht mehr, wie ueberhaupt kein Land der Erde jemals kommunistsich war oder ist. Das sind und waren alles Diktaturen und fertig! China's Wirtschaft ist nicht natuerlich, ökonomisch gewachsen und stark, sie ist kuenstlich stark gemacht und gehalten. Ein Witz, aber leider ein teurer und ernstzunehmender, solange im Westen das geldmachen heiliger ist als die eigene Zivilisation zu schuetzen oder voranzubringen. Was macht es schon aus in einer Diktatur geld zu verdienen solange man nicht in dieser leben muss... Das herumschwaenzeln um China (genause wie Saudi-Arabien u.ae.)ist eine Schande fuer jede Demokratie.
KRabba 01.07.2010
...und das ist gut so!
Zitat von sysopDer Geldgigant hat mehr Kunden als die USA Einwohner - doch Finanzexperten sind skeptisch. Denn die Macht im Unternehmen behält die kommunistische Führung...
...und das ist gut so!
fessi1 01.07.2010
Darf ich fragen, wie eine Wirtschaft natürlich ökonomisch wächst? Manche Treads lohnen die Anschläge nicht, mit denen sie geschrieben wurden. Die Energie hätte man besser verwenden können.
Zitat von egilsChina's Wirtschaft ist nicht natuerlich, ökonomisch gewachsen und stark, sie ist kuenstlich stark gemacht und gehalten.
Darf ich fragen, wie eine Wirtschaft natürlich ökonomisch wächst? Manche Treads lohnen die Anschläge nicht, mit denen sie geschrieben wurden. Die Energie hätte man besser verwenden können.
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  • Donnerstag, 01.07.2010 – 15:26 Uhr
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