Abgasaffäre Volkswagen-Aktionären droht Totalausfall bei Dividende

Die Anteilseigner von Volkswagen könnte die Abgasaffäre teurer zu stehen kommen als gedacht: Der Autokonzern streicht laut einem Aufsichtsrat die Gewinnausschüttung für 2015 möglicherweise komplett.

VW-Aktionär auf Hauptversammlung 2013
DPA

VW-Aktionär auf Hauptversammlung 2013


Volkswagen-Aktionäre müssen angesichts drohender Milliardenstrafen im Abgasskandal einen Totalausfall bei der Dividende fürchten. Es stehe noch nichts endgültig fest, "aber es gibt keinen Hinweis, dass es auch nur Hoffnung auf einen Cent gibt", sagte ein Aufsichtsratsmitglied der Nachrichtenagentur dpa. Ein VW-Konzernsprecher sagte lediglich: "Wir werden uns am 28. April im Rahmen unserer Bilanzpressekonferenz zu Details unserer Geschäftszahlen äußern."

Dass sich die erwarteten hohen Kosten der Abgasaffäre auf die Gewinnausschüttung auswirken würden, ist grundsätzlich keine Überraschung. Außer den hohen Strafen muss der Konzern voraussichtlich auch viel Geld für Rückrufe und Nachrüstung der betroffenen Autos sowie möglicherweise Entschädigungen an Käufer und Aktionäre einplanen. Mit einer Nulldividende rechneten die Analysten zuletzt jedoch nicht.

Für 2014 zahlte der Konzern für jede VW-Stammaktie 4,80 Euro, für jede Vorzugsaktie 4,86 Euro als Dividende. Insgesamt schüttete der Autobauer zuletzt rund 2,3 Milliarden Euro seines Gewinns an die Aktionäre aus. Größter Anteilseigner ist die Porsche SE, die von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert wird. Auch das Land Niedersachsen und der Staatsfonds des Emirats Katar halten große Aktienpakete.

Niedersachsen zeigt sich gelassen

Ob für das Geschäftsjahr 2015 überhaupt eine Dividende gezahlt wird oder nicht, dürfte entscheidend an der Höhe der Strafzahlungen hängen, die VW Chart zeigen wegen des Abgasskandals in den USA wird leisten müssen. "Wahrscheinlich wäre ein Wert zwischen 20 und eher 30 Milliarden Euro. Und dann wird es sehr eng für die Dividende", sagte ein VW-Aufsichtsrat. Der Konzern bräuchte in diesem Fall viel Geld, um die Strafen zu begleichen und das laufende Geschäft weiter zu finanzieren.

Der zweitgrößte VW-Aktionär Niedersachsen reagierte gelassen auf einen möglichen Ausfall bei der Dividende. "Es gäbe keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Landeshaushalt", teilte die Staatskanzlei mit. Vor einem Jahr hatte Niedersachsen noch 285 Millionen Euro Dividende eingestrichen.

Die landeseigene Beteiligungsgesellschaft HanBG, bei der der Großteil des VW-Besitzes liegt, parkte die Dividenden zuletzt. Daher könnte das Land auch einen Totalausfall bei der Gewinnbeteiligung verkraften. Schon beschlossene Projekte seien für die Folgejahre durch die vorherigen Dividendenzahlungen "komplett ausfinanziert", teilte die Staatskanzlei mit.

Dass Niedersachsen betont entspannt reagiert, ist auch mit der Interessenlage der Landesregierung zu erklären. Sie dürfte wie die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat vorrangig am Erhalt der Arbeitsplätze bei VW interessiert sein.

Dennoch könnte es im Kontrollgremium zum Streit über die Ausschüttung kommen. Denn ob die Vertreter der Kapitalseite im Kontrollgremium eine Nulldividende ebenso gelassen hinnehmen würden, ist nicht ganz so sicher. Sie haben naturgemäß ein stärkeres Interesse an Rendite und damit an der Ausschüttung einer Dividende. Sprecher beider Seiten wollten sich auf Anfrage nicht dazu äußern.

fdi/dpa

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