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Michael Horn: Volkswagen-Chef in USA tritt zurück

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DPA

Michael Horn

Er war der Top-Manager von Volkswagen in den USA, jetzt stellt Michael Horn seinen Posten zur Verfügung. Nachfolger wird vorerst Ex-BMW-Manager Hinrich Woebcken.

Der US-Vorstandschef von VW, Michael Horn, tritt knapp sechs Monate nach Bekanntwerden des Abgasskandals zurück. Im gegenseitigen Einverständnis mit der Volkswagen AG verlasse Horn das Unternehmen mit sofortiger Wirkung, teilte die US-Tochter Volkswagen Group of America mit.

Horn, der das US-Geschäft seit 2014 geleitet hat und über 25 Jahre bei Volkswagen beschäftigt war, verlasse das Unternehmen, "um sich anderen Aufgaben zuzuwenden", hieß es in der Erklärung. Herbert Diess, Vorsitzender des Markenvorstands von Volkswagen, sprach dem 54-Jährigen seinen persönlichen Dank für dessen großartige Arbeit aus.

Den Posten übernimmt vorerst der langjährige BMW-Manager Hinrich Woebcken, der im Januar zum neuen Nordamerika-Chef ernannt wurde. Woebcken hatte zuletzt die Nutzfahrzeugsparte des Münchner Zulieferers KnorrBremse geleitet.

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte war in den USA durch die Umweltbehörde EPA öffentlich gemacht worden. VW hatte daraufhin den Einsatz einer illegalen Software zugegeben, durch die Stickoxidwerte von Dieselautos nur auf dem Prüfstand eingehalten werden.

"Was werden Sie im Gefängnis lesen?"

Horn hatte im Oktober als erster aktiver VW-Manager vor dem US-Kongress ausführlich und öffentlich Frage und Antwort zu dem Skandal stehen müssen. Obgleich Horn vor allem gekommen war, um sich zu entschuldigen, schonte manch Abgeordneter ihn nicht. "Wir lassen uns nicht als Crash-Test-Dummies behandeln." Und: "Was werden Sie im Gefängnis lesen?", waren nur einige der Zurufe aus dem Parlament.

Von dem Abgasbetrug sind weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Der ehemalige Konzernchef Martin Winterkorn war bereits im September, wenige Tage nachdem der Skandal publik wurde, zurückgetreten.

In den USA verhandelt VW noch mit den Behörden über die Reparatur beziehungsweise den Austausch der Fahrzeuge, in Europa ist der Rückruf bereits angelaufen.

Vor dem Rücktritt Horns hatten Insider berichtet, dass das US-Justizministerium seine Ermittlungen gegen VW ausweite und nun auch dem Verdacht des Bankbetrugs und möglichen Verstößen gegen Steuergesetze nachgehe. Dem Konzern droht durch eine Zivilklage der US-Regierung bereits eine Strafe in zweistelliger Milliardenhöhe.

Im Video: Michael Horns Anhörung vor dem US-Kongress

AP

sun/Reuters/dpa

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1. Die Kapitäne...
ruebenkatze 09.03.2016
...verlassen heutzutage als erste das Schiff mit vergoldeten Rettungsbooten. VW ist sowas von am Ende, und zu verantworten hat das genau das Management, das sich jetzt noch als Opfer und Sachwalter der Interessen von Mitarbeitern und Kunden inszeniert. Schäbig.
2. infos gefällig
andros0813 09.03.2016
die nsa wird da gerne mit infos aushelfen...dafür wurde sie schliesslich eingerichtet...der wenn d-land nicht spurt, wird es in grund und boden geklagt..material liegt genug vor, vermutlich auch von anderen autobauern...wer kommt als nächstes? ttip lässt grüssen.. da kommt noch einiges auf uns zu..die doofen schafe, suchen sich ihren schlachter selber aus..
3. Das Problem ist Müller selbst
delta120 09.03.2016
Müller selbst scheint nicht integer und die Ermittlungen und Lösungen kommen im solchen Schneckentempo voran, so dass vermutlich keiner der Beteiligten je das Ende zu Lebzeiten erleben würde. Da nun aus Deutschland keine aufrichtige Aufarbeitung zu erwarten ist, lösen es die Amerikaner auf Ihre Art und Weise.
4. Vielleicht sollte man sich hierzulande ...
J.Corey 10.03.2016
... mal die GM-Tochter Opel und Ford vornehmen und sie in gleicher Art und Weise behandeln. Ist doch komisch was die Merkel-Freunde von der anderen Reichweite da betreiben wenn jemand mit dem Abgassystem betrügt, während man gleichzeitig Coal-Roaler für eine lustige Zeitrechnung hält und US-Fehler gemacht und verschwiegen haben, an deren Ende Unfälle mit Toten stehen. Und mit so jemanden schließen unsere angeblichen Vertreter TTIP-Verträge??? Gute Nacht, der letzte soll dann bitte noch das Licht ausschalten.
5. Mehr dahinter
bmvjr 10.03.2016
Volkswagen hat Mist gebaut und diesen durch Verheimlichung auch noch ausgeweitet. Seit das durch Tester in den USA herauskam, ist VW ungedeckt in der Schusslinie der amerikanischen (!) Justiz. Dahinter steckt jedoch mehr als nur der Wunsch der USA seine Verbraucher zu schuetzen und geltendes Recht anzuwenden. Es dient der amerikanischen Autoindustrie durchaus, eine Firma wie VW, die im letzten Jahr noch vor Toyota als Weltspitzenreiter galt hart anzugehen. Mit eigenen US Autofirmen wuerde man im Vergleichsfalle nicht so gnadenlos umgehen, schon der Sorge um Arbeitsplaetze in Detroit wegen. Hier findet eben eine kleine Wirtschaftsschlacht statt, mit der Absicht eines der staerksten deutschen Kernunternehmen zu schwaechen - zum eigenen Vorteil versteht sich. Wuerden die Amerikaner ihre eigenen Autofirmen derartig unter die Lupe und dann an die Kandare nehmen, gaebe es fuer die Demokraten mindestens in Michigan erhebliche Probleme mit Hinsicht auf die kommenden Wahlen.
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