Abgasaffäre Anwälte wollen VW vor den EuGH bringen

Überraschender Vorstoß im Abgasskandal: Eine amerikanische Kanzlei will mit einer Klage gegen Volkswagen die deutschen Gerichte umgehen - und direkt ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs erwirken.

VW-Werk in Wolfsburg
DPA

VW-Werk in Wolfsburg


Die US-Anwaltskanzlei Hausfeld fährt im Streit mit VW schwere Geschütze auf. Laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" haben die Anwälte das Landgericht Braunschweig aufgefordert, die Klage eines durch die Abgasaffäre geschädigten VW-Kunden auszusetzen und das Verfahren direkt an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg abzugeben.

Es gebe in dem Fall wichtige europarechtliche Fragen zu klären, argumentiert Hausfeld. Unter anderem ob VW Dieselfahrzeuge in EU-Mitgliedstaaten überhaupt verkaufen und zulassen durfte, wenn in dem Motor eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet wird - und ob VW diese beim Antrag einer EG-Genehmigung hätte angeben müssen.

Hausfeld will vor dem EuGH durchsetzen, dass VW die betroffenen Autos gegen Erstattung des Kaufpreises zurücknehmen muss. Falls der Europäische Gerichtshof den Fall übernimmt, würde Hausfeld mit Blick auf das Urteil viel Zeit sparen - da sich so ein langwieriger Gang durch die Instanzen in Deutschland umgehen ließe. Zudem wäre ein EuGH-Entscheid für alle weiteren Urteile nationaler Gerichte bindend.

VW hat zu dem Vorgang bislang nicht Stellung bezogen.

ssu

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insgesamt 55 Beiträge
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wpeitze 27.06.2017
1. Geld machen
bleibt die Devise für Trumpianer, aber bleiben alle anderen Marken verschont und man kann Forddieseln?
rathat 27.06.2017
2. Genau der richtige Umgang
VW hat nicht nur massenhaft Kunden betrogen, sondern auch die Allgemeinheit vertreten durch den Staat. Mehrere Fahrzeugtypen bis hinein in die jüngste Vergangenheit hätten nie zugelassen werden dürfen und auch die nachträgliche Genehmigung durch den Bundesverkehrsminister steht auf sehr wackligen Füßen und ist mehr der guten Lobbyarbeit von Volkswagen zu verdanken, als dem Interesse nach Gesundheit der Bevölkerung und der im Grundgesetz garantierten körperlichen Unversehrtheit des Einzelnen. Es ist schon bezeichnend, dass erst eine US Kanzlei kommen muss, um sowohl die Interessen der VW Käufer, als auch die der Personen, welche noch immer tagtäglich durch VW Betrugsdiesel geschädigt werden - denn auch nach dem 'Update' hat sich der reale Schadstoff nicht geändert. Hoffentlich wird vor dem EuGH entschieden, dass VW sämtliche mit Betrugssoftware ausgestatteten Fahrzeuge zurückkaufen - zum Neupreis, denn Strafe muss sein - und verschrotten muss. Andere Fahrzeughersteller werden es sich danach zweimal überlegen, ob sie auch in Europa widerrechtliche Fahrzeuge auf den Markt bringen. Bis jetzt ist das Zeichen, welches man der Automobilindustrie sendet eher das Gegenteil.
hassowa 27.06.2017
3. Sehr gut !!!
Ständig erklärt man uns, wie schädlich die Abgase von Dieselfahrzeugen sind. Wenn aber ein Autohersteller die Käufer mit Autos betrügt, die deutlich mehr Schadstoffe ausstoßen, als angegeben, soll er in Europa straffrei ausgehen. Ein Schlag ins Gesicht aller Käufer von VW-Dieselfahrzeugen. Insofern ist es sehr zu begrüßen, dass amerikanische Anwälte dieses Schmierentheater in Deutschland und der EU nicht akzeptieren.
sven19692017 27.06.2017
4. Naiv
Wie immer wieder so einige Blogger mit dem Thema VW umgehen. Hier geht es nur um Wirtschaftskrieg, sonst nichts. Wer sich gegen VW stellt, der stellt sich gegen deutsche Interessen und unterstützt geldgierige Amerikaner, die sich unliebsame Konkurrenz vom Hals schaffen wollen.
go-west 27.06.2017
5. Handelskrieg
Genau das, was Trump und seine Leute wollen. Europa muss sich dieser neuen Realität stellen und geeignete Gegenmaßnahmen finden.
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