Dieselskandal Ex-Chefentwickler belastet Audi-Chef Stadler

Der Druck auf Audi-Chef Rupert Stadler nimmt zu: Ein ehemaliger Audi-Ingenieur hat vor Gericht ausgesagt, er sei "für den Vorstand und Aufsichtsrat geopfert worden."

Audi-Chef Rupert Stadler
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Audi-Chef Rupert Stadler


Ulrich Weiß, ehemaliger Chefentwickler von Dieselmotoren bei Audi, macht Vorstandschef Rupert Stadler in der Dieselaffäre schwere Vorwürfe und wehrt sich gegen seine Kündigung. Der Anwalt von Weiß zitierte am Dienstag am Arbeitsgericht Heilbronn aus einem Gespräch, das zwischen dem 48-Jährigen und Stadler stattgefunden haben soll. "Stadler betont, dass alles auf Druck von VW und dem VW-Aufsichtsrat geschehen ist", las der Anwalt des Ingenieurs aus dem Protokoll vor. Demnach sagte Weiß daraufhin, man habe ihn für Vorstand und Aufsichtsrat geopfert. Stadler habe geantwortet: "Da ist was Wahres dran."

Zuvor legte der Anwalt des ehemaligen Chefentwicklers Dokumente vor, die belegen sollen, dass Audi-Chef Stadler schon im Jahr 2012 von dem Dieselbetrug erfahren habe. (Lesen Sie hier die Hintergründe auf SPIEGEL Plus.)

Der Entwickler wehrt sich vor Gericht gegen seine Freistellung im Zuge des Dieselskandals bei Volkswagen. Er war nach der Aufdeckung der Betrugssoftware bei Dieselmotoren von Audi im November 2015 zunächst bezahlt freigestellt worden. Inzwischen hat die VW-Tochter ihm gekündigt. Er hält auch die Kündigung vom 15. Februar für unwirksam.

Offiziell will Audi-Chef Rupert Stadler nichts von der Manipulation von 80.000 Dieselmotoren gewusst haben. Im September 2015 war in den USA bekannt geworden, dass VW über Jahre ein Programm zur Manipulation von Diesel-Abgaswerten einsetzte. Neben der Kernmarke VW sind Modelle etwa der Töchter Audi, Seat und Skoda betroffen. Der "Dieselgate" stürzte den Konzern in eine schwere Krise.

hej/dpa



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Röntgen 21.02.2017
1. Kaum einer wird glauben
dass ein untergeordneter Ingenieur auf die Idee des Fake-Programmes gekommen ist und sich dann im Alleingang oder nur mit Hilfe seiner Kollegen an die Umsetzung gemacht hat. Der Mechanismus läuft anders: Von ganz oben (und das heißt hier Vorstand) wird ultimativ nach Lösungen verlangt, die dem Problem abhelfen. In der Not kommt ein Entwickler auf die Idee, es mit Fake zu probieren, da sich keine andere Möglichkeit abzeichnet. Diese Idee wird in jedem Fall dem Vorstand zur Entscheidung vorgelegt und zwar vor der Umsetzung. Wenn hier insinuiert wird, es habe sich umgekehrt verhalten, dann ist das eine reine Schutzbehauptung. Dies gilt übrigens für alle betroffenen Automobilfirmen und -Marken.
Deddie 21.02.2017
2. Vorsprung durch Technik - Nun wissen wir was das bei Audi heißt.
Die kleinen Berichten immer nach oben um sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen. Und in einem so wichtigen Fall wie diesem Betrug von ganzer Völkerschaften mussten auch die ganz oben dazu nicken. Und nun sollen sie dafür zu recht büßen
Ludwigsburger 21.02.2017
3. Mal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet .....
AUDI und VW sind doch tolle Arbeitgeber. Von ganz oben lässt man den Ingenieuren maximal freie Hand, alles zu entwickeln, was sie gerne möchten. Legal, illegal? Ganz egal! Hauptsache, es funktioniert! Der Traum jedes Hinterhoftuners! Und Rückmeldungen oder Berichte an die Vorgesetzten sind auch nicht nötig. Erstellen und Lesen von Texten sind überflüssig. Spart massig Zeit und Geld. Jetzt frage ich mich allerdings: was ist dann konkret die Aufgabe der Chefetage?
paula_f 21.02.2017
4. schade eigentlich - Hybridantriebe wurde schon vor Toyota entwickelt - aber verworfen
Es geht immer ums Geld zu Lasten der Gesundheit und der Umwelt. Feinstpartikel aus Diesel und Benzindirekteinspritzern gehen direkt in die Blutbahn. Abgesehen davon ist ein elektrische Antrieb selbst dann effizienter als ein "hocheffizienter" Dieselmotor wenn der Strom für den elektrischen Antrieb aus einem Kohlekraftwerk kommt. Hier hat jemand mit viel Mühe das mal verständlich zusammengefasst: https://www.youtube.com/watch?v=5V7DvFFBLJg Es ist aber nicht nur aus gesundheitlichen Gründen (Krebsursache) sondern aus wirtschaftlichen Gründen falsch nicht oder zu spät auf elektrische oder Hybridantriebe umzustellen. In den USA und in China geht man diesen Weg - auch ohne Deutschland.
rainer_daeschler 21.02.2017
5. Aufgabe der Chefetage?
Zitat von LudwigsburgerAUDI und VW sind doch tolle Arbeitgeber. Von ganz oben lässt man den Ingenieuren maximal freie Hand, alles zu entwickeln, was sie gerne möchten. Legal, illegal? Ganz egal! Hauptsache, es funktioniert! Der Traum jedes Hinterhoftuners! Und Rückmeldungen oder Berichte an die Vorgesetzten sind auch nicht nötig. Erstellen und Lesen von Texten sind überflüssig. Spart massig Zeit und Geld. Jetzt frage ich mich allerdings: was ist dann konkret die Aufgabe der Chefetage?
Sich dem eigentlichen Geschäftszweck des Unternehmens zu widmen, der Vorstandsvermögensbildung.
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