Vorstandsumbau VW-Aufsichtsrat kürt Diess zum neuen Konzernchef

Der bisherige Volkswagen-Markenchef Herbert Diess wird neuer Konzernchef. Damit löst er Vorgänger Matthias Müller ab, wie der VW-Aufsichtsrat beschloss.

Herbert Diess
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Herbert Diess


Herbert Diess ist neuer Vorstandschef des Volkswagen-Konzerns. Der Aufsichtsrat berief den 59-jährigen VW-Markenchef am Donnerstag an die Spitze des weltgrößten Autokonzerns mit mehr als 600.000 Beschäftigten. Der bisherige Vorstandschef Matthias Müller scheide mit sofortiger Wirkung als Vorstandsvorsitzender aus, aber nicht aus dem Unternehmen aus, teilte VW mit. Demnach wird er seinen Vertrag bis 2020 erfüllen.

Dem seit Herbst 2015 - seit "Dieselgate" mit Millionen manipulierter Dieselfahrzeuge - amtierenden bisherigen Konzernchef Müller soll intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen worden sein. Erst am Dienstag hatte VW überraschend angekündigt, die Führungsetage umbauen zu wollen.

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch dankte dem bisherigen Konzernchef Müller. Dieser habe das Unternehmen im Herbst 2015 übernommen, als der Konzern durch den Abgasbetrug vor der größten Herausforderung seiner Geschichte gestanden habe.

Neuorganisation der Marke

Der Konzern wird in sechs Geschäftsfelder und die Region China gegliedert. Dadurch soll Volkswagen übersichtlicher und besser steuerbar werden.

Die für die Markengruppen verantwortlichen Vorstandsvorsitzenden übernehmen zusätzliche Führungsaufgaben im Konzern. Dadurch soll Konzernchef Diess entlastet werden. Mit dem größten Umbau in der Unternehmensgeschichte geht ein Stühlerücken im Vorstand einher. Neben Einkaufschef Francisco Garcia Sanz muss Personalvorstand Karlheinz Blessing seinen Hut nehmen. Für ihn rückt der bisherige Generalsekretär und Vertraute von Betriebsratschef Bernd Osterloh, Gunnar Kilian, in den Vorstand ein.

Bisher war Diess Markenchef

Herbert Diess kam als Markenchef zu VW - nur drei Monate nach dem Bekanntwerden des Dieselskandals im Herbst 2015. Der Neue musste sich öffentlich immer wieder für seinen Arbeitgeber entschuldigen, die Staatsanwaltschaft leitete 2016 finanzrechtliche Ermittlungen im Zusammenhang mit der Affäre auch gegen Diess ein.

Der Dieselskandal hat bei VW schon viele Manager den Kopf gekostet und so Platz geschaffen für neue Gesichter.

Winterkorn war es, der Diess zu Volkswagen holte, um die Profitabilität bei der Kernmarke zu steigern. Das ist dem Manager seitdem eindrucksvoll gelungen. Er hat die hohen Kosten gesenkt und die schwache Gewinnmarge gesteigert.

Zuvor Konzernvorstand bei BMW

Dass er das kann, hatte Diess bereits vorher beim Münchner Konkurrenten BMW gezeigt. Dort leitete er zunächst verschiedene Werke, bevor der Motorrad-Fan 2003 Chef der BMW-Motorradsparte wurde. Seit 2007 saß er im Konzernvorstand, zunächst für den Einkauf. Hier setzte er Milliardenkürzungen gegenüber den Lieferanten durch. Später als Entwicklungsvorstand setzte er sich für den Ausbau des Hybridauto-Angebots ein.

Diess scheut Konflikte mit dem Betriebsrat nicht und lag mit Betriebsratsboss Bernd Osterloh wegen des "Zukunftspakt" genannten Sparprogramms im Clinch. Er gilt in Teilen der Belegschaft aber auch als umstritten.

Gern wäre der Vater dreier Kinder damals Chef von BMW geworden, zog aber gegenüber dem heutigen Chef Harald Krüger den Kürzeren. Beim ungleich größeren Volkswagenkonzern hat sich sein Ehrgeiz nun ausgezahlt.

An der Spitze des Gesamtkonzerns erwarten Diess nun zahlreiche Herausforderungen. Der Aufbau eines breiten Angebots an Elektroautos wird den Konzern viel Geld und Mühe kosten. Die Interessen des mächtigen Betriebsrats und der wichtigsten Aktionäre - den Gründerfamilien Porsche und Piëch, dem Emirat Katar und dem Bundesland Niedersachsen - wollen balanciert werden. Um ihr Vertrauen wird Diess kämpfen müssen, genau wie um das Vertrauen der von den Dieselmanipulationen enttäuschten Kunden.

cop/Reuters/dpa/AFP

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