Sammelklage Australische Autofahrer treiben VW in die Enge

"Sehr signifikante Manipulation und Täuschung": Eine Sammelklage gegen Volkswagen in Australien könnte ungeahnte Folgen haben - auch für deutsche Autofahrer.

DPA

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Ein Prozess vor dem höchsten Bundesgericht in Australien bringt Volkswagen im Dieselskandal in Bedrängnis. In einer Sammelklage wird dem Konzern und seinen Töchtern Audi und ŠSkoda nach SPIEGEL-Informationen vorgeworfen, etwa 100.000 Fahrzeuge mit einer Betrugssoftware ausgestattet zu haben. Wie in anderen Ländern verfügte die Motorsteuerung der Autos über zwei verschiedene Stufen: einen sauberen "Testmodus" für den Prüfstand und einen "Kundenmodus" für die Straße, in dem die Abgasreinigung zurückgefahren wurde. Klägeranwalt Jason Geisker spricht von einer "sehr signifikanten Manipulation und Täuschung".

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Das Besondere an dem Prozess in Australien, der im März begonnen hat: VW hat nach Darstellung der Kläger erstmals eingeräumt, dass die Fahrzeuge die Zulassungstests im schmutzigeren Straßenmodus, also ohne Schummelfunktion, nicht bestanden hätten. Dies sei ein "Eingeständnis von globaler Bedeutung", sagt Geisker, bislang habe der Konzern lediglich in den USA Betrug zugegeben. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

VW sieht das anders und bestreitet vor Gericht weiterhin, gegen Landesgesetze verstoßen zu haben. Auch wehrt sich der Konzern gegen die Forderung der Kläger, die Namen der Mitarbeiter zu nennen, die an der Abschalteinrichtung beteiligt waren. Gleichzeitig gibt es bei VW Überlegungen, den Prozess nicht weiter auszufechten, sondern mit einem Vergleich zu beenden. Auf diese Weise könnte der Konzern verhindern, einen Präzedenzfall zu schaffen. Denn ein Urteil gegen VW in Sydney hätte auch Signalwirkung für Kläger in Deutschland: Australien folgt denselben Emissionsstandards wie Europa.

VW selber weist die Anschuldigungen auf Anfrage zurück. Die Fahrzeuge entsprächen den Abgasvorschriften "gemäß derer sie zertifiziert wurden". Für die Sammelklage gebe es keine Rechtsgrundlage.

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insgesamt 110 Beiträge
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Seite 1
Michael 1234567 05.05.2018
1. Vorteile Verschafft
VW hat sich durch die Manipulation Vorteile verschafft, warum erst ein Urteil in Australien deutschen VW-Dieselfahrer eine Chance bietet bzw. ihnen verhilft zu ihren Recht zu kommen verstehe ich nicht. Ist der deutsche Bürger nicht mündig oder in der Lage sich sein Recht zu verschaffen!? Oder ist der deutsche Staat einfach auf der Seite des Mächtigen??? Für mich bleibt die Sache wie es in Deutschland abgelaufen ist ein Skandal, neue Software drauf und fertig das grenzt an Hohn!!!
musorki 05.05.2018
2. läuft wie geschmiert...
...für die autobauer aus wolfsburg. hier zeigt es sich, wie zukunftsweisend die investition in die deutsche politik in den vergangenen jahrzehnten war. denn in deutschland gibt es nicht das instrument der sammelklage. auch hat sich die politik in der aufarbeitung der diesel-betrugsaffäre nicht mit ruhm bekleckert und nur die interessen der industrie vertreten. danke für nichts, frau merkel (gilt auch für die genossen der bosse aus der SPD)
andreasm.bn 05.05.2018
3. lächerlich, das Verhalten von VW!
Wer glaubt denen noch ein einziges Wort? Ich hoffe, die werden wenigstens im Ausland so richtig schön verknackt. Hier bei uns kungeln ja die Politik und die Wirtschaftsmaf.. miteinander dass sich die Balken biegen.
Draw2001 05.05.2018
4. Das ist der Anfang vom Ende....
Und als allererstes sollten wir uns alle zu den Realitäten bekennen: Wörter wie hier im Text „Schummelsoftware“ sollte von der Redaktion durch „Täuschunssoftware“ ersetzt werden. Die Lage ist für eine Verniedlichung inzwischen zu ernst. Schummeln tun Kleinkinder bei Gesellschaftsspielen. Und das ist jetzt kein Spiel mehr. Hier haben erwachsene Menschen aus Geldgier bewußt Gesetze übertreten, die uns alle zum Schutz dienen sollten. Erst wenn diese Vorgänge durch Leistung der Betrugsverursacher wieder gerichtet sind, ist die Gerechtigkeit wieder hergestellt. Unsere Bundesregierung hat sich zum Helfer dieses kriminellen Vorgehens gemacht und sollte sofort mit der Aufarbeitung durch Strafanträge beginnen. Gleichzeitig ist ein umfangreiches Schadenersatzprogramm zu entwerfen. Dies sind die Endkonsequenzen aus Entscheidungen der Vorstände von Großkonzernen, die sich über geltendes Recht erhoben haben.
dirk1962 05.05.2018
5. Was muss noch passieren,
bis bei uns die Staatsanwälte ihre Angst verlieren und ernsthaft und im Interesse der Geschädigten tätig werden? Bei der Gelegenheit kann auch gleich geklärt werden, inwieweit sich der Korruptionsverdacht gegen Desaster Merkel und die Blau-Weißen Amtsversager zu beweisen ist. Deutschland verliert gerade international seine Reputation. Legt diesen Sumpf aus Betrug und Korruption endlich trocken.
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