Abgasaffäre Europäer kaufen mehr Autos - außer bei Volkswagen

Die Abgasaffäre hat offenbar immer deutlichere Auswirkungen auf den Absatz des VW-Konzerns: Während Konkurrenten wie BMW und Daimler zuletzt deutlich mehr Autos in der EU verkauften, ging der Absatz bei Volkswagen zurück.

VW-Zentrale in Wolfsburg: Absatzrückgang gegen den Trend
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VW-Zentrale in Wolfsburg: Absatzrückgang gegen den Trend


Mitten in der Aufarbeitung des Abgasskandals muss Volkswagen Absatzrückgänge hinnehmen. Im Oktober sanken die Auslieferungen des Marktführers in der EU um 0,5 Prozent auf knapp 277.000 Fahrzeuge. Die anderen deutschen Autobauer gewannen hingegen deutlich hinzu, wie der Branchenverband Acea mitteilte: BMW steigerte die Auslieferungen um 13,4 Prozent, Daimler sogar um 21 Prozent.

Im Einzelnen ging der Absatz der Kernmarke VW im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozent zurück. Die spanische Tochter Seat verzeichnete ein Minus von 11,4 Prozent, Skoda lag bei minus 2,6 Prozent. Dagegen gab es für Audi einen Zuwachs von 4,1 Prozent, für Porsche sogar ein Plus von 13,9 Prozent. Weil zwischen der Bestellung und Auslieferung in Deutschland oft Monate liegen, könnte sich die VW-Affäre in den kommenden Monaten noch deutlicher in den Zahlen niederschlagen.

Volkswagen Chart zeigen selbst hatte bereits am vergangenen Freitag Absatzzahlen vorgelegt. Demnach wurden im Oktober weltweit 5,3 Prozent weniger Wagen der Kernmarke VW verkauft als ein Jahr zuvor. "In Westeuropa wirkten sich die in einigen Ländern ausgesprochenen vorübergehenden Verkaufsstopps für von der Dieselthematik betroffene Fahrzeuge in den Verkäufen aus", hatte VW-Markenvorstand Jürgen Stackmann gesagt. Bei allen Konzernmarken betrug das Minus 1,7 Prozent auf knapp 8,26 Millionen Fahrzeuge.

Insgesamt stieg die Zahl der neu zugelassenen Pkw in der Europäischen Union im Oktober um 2,9 Prozent auf rund 1,1 Millionen Autos. Besonders stark stiegen die Absätze in Spanien und Italien, während die Verkäufe in Großbritannien schrumpften.

Verbraucherzentralen fordern Kostenübernahme für Kunden

Am Montag hatte VW bekannt gegeben, dass vor allem die neuesten Autos des Konzerns mehr CO2 ausstoßen, als offiziell angegeben. Mit rund 430.000 Wagen gehören mehr als die Hälfte der etwa 800.000 Fälle falscher Daten zur Emission des klimaschädlichen Gases zum Modelljahr 2016. Viele dieser Fahrzeuge sind schon im Handel. Anfang November hatte Volkswagen - nach den im September bekannt gewordenen Fälschungen von Stickoxid-Werten - auch bei CO2-Angaben Unregelmäßigkeiten eingeräumt.

Zur Bewältigung der ab Januar 2016 anstehenden Rückrufe und drohender Zusatzkosten hat VW 6,7 Milliarden Euro zurückgelegt, zwei Milliarden Euro veranschlagen die Wolfsburger allein für den CO2-Komplex. Die Verbraucherzentralen pochen darauf, dass der Konzern alle Kosten wegen des Abgasskandals für Autobesitzer übernimmt. Der Chef des Bundesverbands vzbv, Klaus Müller, forderte von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in einem Brief eine entsprechende Weisung an das Kraftfahrt-Bundesamt.

Auch die Abgastests selbst stehen nach wie vor in der Kritik. Der TÜV Nord setzt sich für weltweit einheitliche Prüfstandards unter Volllast ein. "Es müssen mehr Tests im realen Straßenverkehr stattfinden", sagte Verbandschef Guido Rettig der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". "Außerdem setze ich mich dafür ein, dass künftig das Kraftfahrt-Bundesamt - und nicht die Autohersteller selbst - den Prüfdienstleister beauftragt."

VW-Konzernmanager wollen offenbar Ende dieser Woche in den USA mit Vertretern der US-Umweltbehörden über Folgen aus der Abgasaffäre sprechen. Entsprechende Medienberichte wurden am Dienstag aus Konzernkreisen bestätigt. Bei den Gesprächen sollen demnach Vorschläge vorgestellt werden, wie die Manipulationen behoben werden können.

mxw/dpa



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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
zick-zack 17.11.2015
1. Sieh an!
Ich kaufe lieber eine Katze im Sack als einen VW. Da weiß ich, daß ich eine Katze im Sack bekomme. Was bekomme ich bei VW? Bestenfalls eine Mogelpackung. Das ist mir zu riskant. VW, von mir aus könnt ihr zusperren!
kenterziege 17.11.2015
2. Gemessen an dem Skandal ist der...
... Rückgang der Verkaufszahlen noch mäßig! Die Leute gehen mehr ins Pemium-Segment - siehe Audi und Porsche, die ja auch zum VW-Konzern gehören. Ja und Mercedes und BMW gehören da auch hin. Dienstwagen eben!
raber 17.11.2015
3. Gesetzesänderungen nötig um Bevölkerung und Umwelt gegen solche Betrugsmanager zu schützen
Wird bei Audi/VW nur mehr CO2 in die Welt gepustet als angegeben oder auch andere Giftstoffe? Der Absatzrückgang ist die logische Folge dieses Riesenbetrugs. Es fehlt, dass Audi/VW deutliche und unmissverständliche Aussagen macht und dass die Gesetze so abgeändert werden um Manager auch zu bestrafen und sie sich nicht hinter einem Firmenschild verstecken können.
ChrisQa 17.11.2015
4. Selbsterkenntnis
Zitat von zick-zackIch kaufe lieber eine Katze im Sack als einen VW. Da weiß ich, daß ich eine Katze im Sack bekomme. Was bekomme ich bei VW? Bestenfalls eine Mogelpackung. Das ist mir zu riskant. VW, von mir aus könnt ihr zusperren!
Deswegen bietet VW jetzt eine Rücknahmeversicherung an. Naja, nur optional. ;-) Aber immerhin hat VW schon verstanden, dass die Kunden erstmal das Vertrauen in sie verloren haben. Wobei ich mich schon immer gefragt habe, wie man sich so 'ne uninspirierte Kiste kaufen sollte.
t59755 17.11.2015
5.
Da nehme lieber den VW. Da weiß ich nämlich, dass ich Qualität bekomme. Was mir nicht in den Kopf will ist, dass nur Fahrzeuge des VW Konzerns genannt werden. Wo bleiben Vergleichslisten was Mitbewerber z.B eines 1,6er Golfs in die Umwelt abgeben. Kann man eigentlich ausschließen, dass das nicht eine gezielte Attacke von wem auch immer ist. Mit einem einzigen Ziel. Den VW Kurs zu ruinieren um dann günstig zu kaufen. Eins ist nämlich auch Fakt. In der heutigen Zeit (Hochgeschindigkeitshandel, usw) bildet ein Aktienkurs nicht mehr den wahren Unternehmenswert ab.
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