Brief an die Mitarbeiter VW-Betriebsratschef Osterloh lobt Konzernumbau

Ein enger Vertrauter von Betriebsratschef Bernd Osterloh zieht in den Vorstand von Volkswagen ein. Der Gewerkschafter begrüßt den Konzernumbau: Konflikte mit dem neuen Vorstandschef Herbert Diess seien ausgeräumt.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh
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VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh


Volkswagen muss bei seinem großangelegten Konzernumbau keinen Widerstand des mächtigen Betriebsrats fürchten. Dessen Chef Bernd Osterloh hat die volle Unterstützung der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat angekündigt.

Das Aufsichtsgremium habe eine "wegweisende Neugestaltung für die Führungsstruktur" beschlossen, schrieb Osterloh in einem Brief an die Mitarbeiter. Dazu kämen die personellen Wechsel im Vorstand. "Beides hat die volle Unterstützung der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat", heißt es in dem Schreiben.

Er begrüße, dass künftig der Konzern und die Marke Volkswagen Pkw wieder in Personalunion geführt würden, teilte Osterloh mit. Gleichzeitig sei dies aber keine Rückkehr zu einem alten System. Zuletzt hatte Ex-Konzernchef Martin Winterkorn sowohl Marke als auch Konzern geführt. Neu wird laut Osterloh sein, dass es bei der Marke VW künftig einen "Chief Operating Officer" (COO) geben soll, der das operative Tagesgeschäft führt. Dieser werde nun gesucht. Mit diesem Posten soll wohl der neue Konzernchef Herbert Diess entlastet werden.

Osterloh räumte in dem Brief ein, dass es zwischen Betriebsrat und Diess vor etwa einem Jahr bei der Umsetzung des Zukunftspaktes Auseinandersetzungen gegeben habe. Dabei ging es um ein großangelegtes Sparpaket. "Wie aber auch bekannt ist, ist dieser Umstand längst ausgeräumt", schreibt Osterloh. Zudem sicherte der Betriebsratschef dem Konzern die Unterstützung der Arbeitnehmer beim Umbau der Nutzfahrzeugsparte zu.

Neuer VW-Chef Herbert Diess
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Neuer VW-Chef Herbert Diess

VW hat am Donnerstag den Startschuss zu einem großangelegten Konzernumbau gegeben. Der bisherige VW-Markenchef Herbert Diess wurde vom Aufsichtsrat offiziell zum Konzernchef befördert und löst damit Matthias Müller ab.

Die Aufseher beschlossen auch weitere Personalien: Gunnar Kilian, bisher Generalsekretär im Betriebsrat und ein enger Vertrauter des mächtigen VW-Betriebsratsbosses Osterloh, wird Personalvorstand. Zugleich rückt Porsche-Chef Oliver Blume in den Konzernvorstand auf.

Betriebsrat profitiert vom Umbau

Besonders durch die Berufung von Kilian sieht der einflussreiche Betriebsrat bei VW seine Machtposition gesichert. Bei den Beschäftigten sorgte jedoch die unvermittelte Kommunikation des Führungsumbaus für Verärgerung. Sie wurden am Dienstag von einer Pflichtmitteilung des Konzerns überrascht, die VW herausgeben musste, weil eine Zeitung den Plan erfahren hatte. Vor allem die mangelnde Kommunikation des Aufsichtsrats wurde kritisiert.

Neben den personellen Veränderungen hat VW auch eine Neuorganisation der Marken beschlossen: Eingeführt werden die Markengruppen "Volumen" (VW, Skoda und Seat), "Premium" (Audi) und "Super Premium" (Porsche, Bentley, Bugatti und Lamborghini). Für die Nutzfahrzeugeinheit Truck & Bus sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, diese an die Börse zu bringen.

Kritik an den Strukturen seien nicht zwangsläufig Kritik an den handelnden Führungskräften, schrieb Osterloh in dem Brief an die Mitarbeiter. Der bisherige Konzernchef Müller habe das Unternehmen erfolgreich durch die schwerste Krise seiner Geschichte gesteuert. Zudem habe er Arbeitsplatzsicherheit und Rentabilität als zwei Seiten derselben Medaille gesehen.

Ex-VW-Chef wünscht Nachfolger "viel Erfolg und das nötige Glück"

Auch Müller meldete sich in einem Brief an die Mitarbeiter zu Wort. Er selbst habe in den vergangenen zweieinhalb Jahren an der Spitze viel gelernt "über unsere Industrie, den Konzern und auch über mich selbst", schrieb Müller laut der Zeitschrift "Automobilwoche".

"Unsere Industrie ist im Umbruch - wenig wird bleiben, wie es war", wird der Manager zitiert. "Aber Volkswagen beweist, dass dieser Konzern bereit ist, den Wandel mutig und konsequent zu gestalten." Dazu seinen Teil beigetragen zu haben, mache ihn "dankbar und stolz".

Er habe dezentralere Strukturen eingeführt, den Wandel zu mehr Elektroautos und Effizienz eingeleitet. Außerdem habe er an einer "offeneren, weniger hierarchiegläubigen Kultur" gearbeitet, schrieb Müller mit Blick auf die internen Veränderungen im Zuge der Aufarbeitung des Dieselskandals. Seinem Nachfolger Herbert Diess und dem ganzen Team wünsche er "viel Erfolg und das nötige Glück".

mmq/dpa/Reuters

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Knossos 13.04.2018
1. "Macht" auf Arbeitnehmerseite?
Sollte es tatsächlich Dezentralisierung und Verflachung von Hierarchie gegeben haben, wäre es zweifellos im Sinne von Konzern und Belegschaft. Doch zugleich klingt die Darstellung insgesamt nach einer ziemlichen Show, mit ach so autonomer Arbeitnehmervertretung, als ob nicht bekannt wäre, wie man sich bei VW und anderswo Betriebsräte geschmeidig und zu allzugut gestellten Verrätern ihrer Kollegen macht. Nachdem Sie anscheinend als Sprachrohr der Arbeitgeberseite in mehreren Artikeln immer wieder von der "Macht" des Betriebsrates schreiben, können Sie ja eventuell konkret darstellen, woran sich das effektiv ausmacht.
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