Hauptversammlung des VW-Konzerns "Volkswagen muss anständiger werden"

Schneller, härter - und demütiger: Herbert Diess, gerade erst an die VW-Spitze gerückt, will den Kulturwandel im Konzern vorantreiben und dieses Jahr 70 neue Modelle auf den Markt bringen.

imago/ Sven Simon

VW will seinen viel beschworenen Kulturwandel - nach einem holprigen Start - endlich entschlossener umsetzen. Dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg sei nur mit einer gesunden Unternehmenskultur möglich, sagte der neue Konzernchef Herbert Diess am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Berlin. "Volkswagen muss in diesem Sinne noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden."

Zudem erklärte der Manager, für nicht zum Kerngeschäft zählende Unternehmensteile wie den Motorradbauer Ducati oder den Getriebehersteller Renk würden "belastbare Zukunftsperspektiven" erarbeitet. Volkswagen gehe die großen automobilen Zukunftsthemen konsequent an, sagte Diess mit Blick auf E-Mobilität und Vernetzung. "Aber der größte Teil der Wegstrecke liegt noch vor uns."

Der Vorstand habe unter dem Namen "Together4Integrity" ein Programm zum Kulturwandel auf den Weg gebracht. Ein internes Hinweisgeber-System soll demnach ausgebaut und Fehlverhalten kompromisslos geahndet werden.

Zuvor hatte der von den US-Behörden nach dem Abgasskandal eingesetzte Aufpasser Larry Thompson in einem Bericht an das US-Justizministerium die interne Aufarbeitung der Affäre kritisiert. Thompson soll nach dem Abgasbetrug und Schuldeingeständnis des Konzerns in den USA sicherstellen, dass sich solches Verhalten nicht wiederholt.

Nicht nur reden, sondern auch handeln

Der schon von Ex-Konzernchef Matthias Müller ausgerufene Kulturwandel für mehr Kritikfähigkeit und ethisches Verhalten ließ bislang viele Fragen offen. Mitte April verlautete aus dem Aufsichtsrat, die entsprechenden Ziele müssten mutig und offen angegangen werden.

Nötig seien belastbare Strukturen und Prozesse - "vor allem aber müssen wir auch danach handeln", verlangte Diess. "Mir ist es ein Anliegen, dass Volkswagen offen und transparent ist." Nicht nur schön reden, sondern auch entsprechend handeln, soll das heißen.

Dazu gehöre es auch, unbequeme Wahrheiten auszusprechen: Den Weg zu einer offeneren Unternehmenskultur, in der Widerspruch belohnt statt erstickt werde, habe man unterschätzt. Werteverstöße gebe es in jeder größeren Organisation. Bei Volkswagen allerdings sei dies bis in die jüngere Vergangenheit hinein "eindeutig zu viel" geschehen. Diess forderte überdies "eine Portion Demut" ein.

Zugleich konkretisierte der neue Vorstandschef, was er sich unter der neuen Konzernstruktur vorstellt - dabei schließt er auch Ausgliederungen von Nichtkerngeschäften nicht aus. Dies sei etwa bei Ducati oder Renk denkbar. Jedoch hatten Arbeitnehmervertreter einen Verkauf von Renk, an dem die VW-Tochter MAN 76 Prozent der Anteile hält, strikt abgelehnt. Die Sparte der schweren Nutzfahrzeuge - Volkswagen Truck & Bus - solle weitgehend unabhängig von der Steuerung durch den Konzern aufgestellt und "in absehbarer Zeit" fit für die Börse werden.

Fotostrecke

12  Bilder
Das VW-Imperium: Zwölf Marken sollt ihr sein

Diess sagte, Volkswagen müsse bei Entscheidungen und deren Umsetzung schneller werden. Die Wege seien zu lang, zudem gebe es an vielen Stellen Doppelarbeit. Das solle mit der neuen Konzernstruktur anders werden. Die neuen Markengruppen heißen "Volumen" (VW, Skoda, Seat, leichte Nutzfahrzeuge, Mobilitätsdienstleister Moia), "Premium" (Audi , Porsche Holding Salzburg, Lamborghini, Ducati) und "Super Premium" (Porsche, Bentley, Bugatti).

VW setzt im laufenden Jahr auf Dutzende weitere Modelle. 2018 werde der Konzern mehr als 70 neue Fahrzeuge auf den Markt bringen, sagte Diess. Gleichzeitig warnte er, der neue Prüfzyklus zur Bestimmung von Verbrauch sowie Schadstoff- und CO2-Emissionen (WLTP) könne zu Lieferengpässen führen.

beb/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
c.PAF 03.05.2018
1.
"Volkswagen muss anständiger werden" Das setzt aber voraus, das Volkswagen anständig wäre. Vielleicht klein anfangen? "Volkswagen muß anständig werden"?
genugistgenug 03.05.2018
2. 1. Schritt: Entschädigung ALLER Betrugsopfer, auch der Deutschen
Doch es wird wie immer laufen - man redet viel, blendet die Vergangenheit aus und quasselt von Änderungen um doch alles beim alten zu lassen. Träumt gleichzeitig von einer großen Zukunft und konfabuliert sich eine heile Welt zusammen. Vor allem wie wollen die Täter was ändern ohne ersetzt zu werden? Oder hat VV nicht genug Geld um alle in Rente zu schicken, wie Winterkorn, mit 3.100,- EUR/täglich.
Rubyconacer 03.05.2018
3. 599978 Mitarbeiter sind anständig
Klar doch, eine neuer Vorstandsvorsitzender kommt ins Amt und beschließt mal eben 70 Fahrzeugmodelle im selben Jahr herauszubringen. Dass ist genauso vermessen, wie Journalisten und die Öffentlichkeit glauben, dass nach einer neuen Erkenntnis, die Industrie Monate später die Lösung in Massenproduktion hat. Ein wenig mehr Recherche, Wahrhaftigkeit und Demut über und vor den jahrelangen Entwicklungsprozessen täte denen gut. Die öffentliche Meinung wird auch zu oft von denen angeheizt, die die geringste Ahnung vom geäußerten besitzen.
c.PAF 03.05.2018
4.
Zitat von RubyconacerKlar doch, eine neuer Vorstandsvorsitzender kommt ins Amt und beschließt mal eben 70 Fahrzeugmodelle im selben Jahr herauszubringen. Dass ist genauso vermessen, wie Journalisten und die Öffentlichkeit glauben, dass nach einer neuen Erkenntnis, die Industrie Monate später die Lösung in Massenproduktion hat. Ein wenig mehr Recherche, Wahrhaftigkeit und Demut über und vor den jahrelangen Entwicklungsprozessen täte denen gut. Die öffentliche Meinung wird auch zu oft von denen angeheizt, die die geringste Ahnung vom geäußerten besitzen.
Bringt aber nichts, wenn der Konzern an sich unanständig agiert. ;-) Aber er möchte ja nun wohl anständig werden...
Andalusier 03.05.2018
5. anständiger werden ?
anständiger werden ? oder nur nicht so extrem unanständig bleiben? Anstand kann bei VW nur glaubhaft vermitteln, wenn alle vom Konzern betrogenen Kunden so gut entschädigt werden, dass alle ihnen entstandenen Nachteile des Betruges beseitig werden und noch "Schmerzensgeld" an sie ausgezahlt wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass VW dies tatsächlich tut. Von daher halte ich dies erst einmal für "leeres Geschwätz" bis VW mich durch sein handeln davon überzeug, dass sie wirklich anständig geworden sind. Das VW alleine schon in Deutschland dafür ein Dutzend Milliarden Euro in die Hand nimmt halte ich für äußerst unwahrscheinlich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.