VW-Chef zur Abgasaffäre Müller bis wolkig

Bei seiner ersten Quartalsbilanz als neuer Volkswagen-Chef muss Matthias Müller einen Verlust präsentieren und sich für den Abgasskandal entschuldigen. Der Manager kündigt einen Fünf-Punkte-Plan an - doch was ist mit den Details?

VW-Chef Müller: Nicht mehr so viel "Höher, Schneller, Weiter"
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VW-Chef Müller: Nicht mehr so viel "Höher, Schneller, Weiter"

Von manager-magazin.de-Redakteur


Erst vor fünfeinhalb Wochen wurde der Abgasskandal bei Volkswagen öffentlich bekannt. Doch seitdem hat sich in Wolfsburg Grundlegendes getan: Der Konzern schreibt erstmals seit Jahren rote Zahlen - und ein neuer Chef muss sie erklären.

Wie sehr der Skandal VW erschüttert, zeigt das Auftreten des neuen Vorstandschefs Matthias Müller. Während sein Vorgänger Martin Winterkorn stets mit breiter Brust vor Journalisten und Analysten Erfolge verkündete, muss Müller nun für die Fehler der Vergangenheit um Entschuldigung bitten.

Zu Beginn der Telefonkonferenz gab es von ihm erst einmal einen verbalen Kniefall. Die Abgasmanipulationen seien "absolut inakzeptabel und verabscheuungswürdig für unsere Unternehmensgrundsätze", erklärte Müller. So etwas dürfe nie wieder vorkommen. Volkswagen Chart zeigen habe bereits schnell und entschlossen gehandelt - und werde in dieser Art und Weise weitermachen. So weit, so wenig überraschend: Ähnlich hatte sich Müller bereits gegenüber der VW-Belegschaft geäußert.

Investoren aber warten auf konkrete Vorschläge, wie VW die Affäre abarbeiten will. Ihnen präsentierte Müller nun einen Fünf-Punkte-Plan:

  • Erstens: Hilfe für die Besitzer manipulierter Dieselfahrzeuge
  • Zweitens: Aufklärung der Manipulationen
  • Drittens: ein Konzernumbau mit Sparprogramm
  • Viertens: eine Unternehmenskultur mit neuem Führungsverständnis
  • Fünftens: eine "Strategie 2025" - Profitabilität und Kundenzufriedenheit statt "Höher, Schneller, Weiter"
  • Doch als es dann um Details dieses Fünf-Punkte-Plans ging, hielt sich Müller zurück.

    Immerhin erklärte VW-Finanzvorstand Frank Witter, wofür die Milliardenrückstellungen verwendet werden, die VW einen Quartalsverlust eingebrockt haben. Vor Zinsen und Steuern verzeichnete der Konzern im dritten Quartal ein Minus von rund 3,5 Milliarden Euro. Nach Steuern blieb ein Verlust von 1,7 Milliarden Euro übrig.

    Denn VW musste im dritten Quartal 6,7 Milliarden Euro zurücklegen, um Reparaturen und Umrüstungen der manipulierten Fahrzeuge zu finanzieren. Elf Millionen Dieselfahrzeuge weltweit ruft Volkswagen wegen der Schummel-Software zurück. Bei drei Millionen Fahrzeugen müssen sogar neue Teile eingebaut werden.

    Die Rückstellung in Höhe von 6,7 Milliarden decke die Kosten für die weltweiten Sofware-Updates und den Einbau neuer Teile ab, erklärte Witter. Zudem seien mögliche Wertverluste der Leasing-Autos der VW-Finanztochter und finanzielle Unterstützungsmaßnahmen an Händler miteinberechnet.

    Wenigstens einen positiven Ausblick gab es

    Nicht enthalten in der Rückstellung seien aber Kosten für Anwälte, mögliche Schadensersatzzahlungen, Strafen oder Kompensationszahlungen an Kunden. "Wir wissen, dass dieser Betrag noch steigen wird", sagte Witter. Immerhin: Volkswagen geht davon aus, dass die Beträge für die Rückstellungen steuerlich absetzbar sind - anders als die Strafzahlungen und Bußgelder, die dem Konzern in Europa und den USA drohen.

    Aussagen zu den möglichen Gesamtkosten ließen sich die Volkswagen-Manager trotz mehrfacher Nachfrage von Analysten nicht entlocken. "Es ist noch viel zu früh, um irgendwelche Kosten für Rechtsstreits zu berechnen", ließ sie Konzernchef Müller abblitzen.

    Auch zu den Zeitplänen für die weltweiten Rückrufe gab es kaum Neues. In Deutschland sollen die Rückrufe im Januar 2016 mit Software-Updates für Fahrzeuge der Marke VW starten. Ab September 2016 bauen VW-Werkstätten dann auch wo notwendig neue Teile ein. Diese Zeitvorgaben sollen als Blaupause für weitere EU-Länder dienen. Doch wie die Rückruf-Pläne für die USA aussehen, ist weiterhin offen.

    Eines konnten die Analysten den Managern dann doch noch entlocken: Der Verkauf von Unternehmensteilen sei nicht geplant, erklärte Finanzchef Witter knapp. Er sei zuversichtlich, dass VW die Gesamtkosten des Skandals aus eigener Kraft schultern könne - auch wenn diese noch nicht bekannt seien. Schätzungen schwanken zwischen 20 und 80 Milliarden Euro.

    Die "Dieselthematik", wie Volkswagen-Manager die Affäre nennen, wird den Konzern noch lange beschäftigen. Und Konzernchef Müller wird noch oft "Entschuldigung" sagen müssen. Er plant mit hochrangigen VW-Managern eine Reise in die USA, wo der Abgasskandal seinen Ausgang nahm.

    Doch erst einmal steht eine Reise nach China an. Kurz nach der Telefonkonferenz stieg Müller gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Flieger. Kritische Fragen dürften garantiert sein.



    insgesamt 14 Beiträge
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    Seite 1
    rexsayer 28.10.2015
    1. Frage 1: Wer sind die Täter ???
    Frage 2: Wann werden sie der Justiz übergeben ? Frage 3: Wie lange kann sich VW‘s graue Eminenz noch in Salzburg Parsch verstecken? Wann endlich kommt er vor den Staatsanwalt ? Hat man ihm schon den Reisepass abgenommen ? http://virtualglobetrotting.com/map/ferdinand-pia-chs-house/
    joG 28.10.2015
    2. Ich würde gerne zwei Dinge....
    .....wissen. - Was ist mit der Vergiftung der Bevölkerung, die durch die falsch eingestellten Autos auftrat. - wie soll es möglich sein, dass in einem deutschen Unternehmen eine so grundlegende und für Ingenieure offensichtliche Sache wie die ungeheure Besserung der abgaswerte und der Betrug einem leitenden Manager des Konzerns verborgen geblieben ist und diese Manager nun befördert werden konnten
    helro56 28.10.2015
    3. Müller oder was?? natürlich muß immer....
    wenn etwas schiefgeht, ein neuer Vorstand an die Spitze berufen werden! das kennt man zur genüge von der Deutschen Bahn, Air Berlin oder eben vom BER, dem Flughafen der in die Geschichte eingehen wird!! Ich will damit sagen, dass keiner dieser sogenannten, ihre eigenen Taschen füllenden MANAGER ihr Geld wert sind !! Im Vergleich mit der Belegschaft sind Sie Betrüger!
    ludwig49 28.10.2015
    4. Es ist erstaunlich...
    ...wenn hochbezahlte Manager sich nicht vorstellen können oder wollen, dass Manipulationen eines Tages ans Licht kommen. Da ist schon eine erhebliche kriminelle Energie vorhanden, und wenn man den Schaden bedenkt, waren selbst die legendären englischen Posträuber nur Eierdiebe. Hat eigentlich die Justiz sich schon irgendwie bemüht ?
    Spiegelleserin57 28.10.2015
    5. das wird gerade der Prsse mitgeteilt :)
    Zitat von rexsayerFrage 2: Wann werden sie der Justiz übergeben ? Frage 3: Wie lange kann sich VW‘s graue Eminenz noch in Salzburg Parsch verstecken? Wann endlich kommt er vor den Staatsanwalt ? Hat man ihm schon den Reisepass abgenommen ? http://virtualglobetrotting.com/map/ferdinand-pia-chs-house/
    wie witzig! Warum sollten sie der Justiz übergeben werden? Das ist doch wohl nicht ernst gemeint. Piechs verstecken sich nicht in Salzburg sondern wohne n vielleicht dort. Es wäre sinnvoll vor einem Kommentar sich mal über VW und deren Konzernleitung zu informieren. Die obengenannten Fragen sind doch nicht ernst zu nehmen oder?
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