Abgastests mit Affen Cheflobbyist Steg kehrt zu VW zurück

Er wurde wegen der umstrittenen Abgastests mit Affen beurlaubt. Nun nimmt der VW-Cheflobbyist Thomas Steg seine Arbeit wieder auf. 

VW-Lobbyist Thomas Steg
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VW-Lobbyist Thomas Steg


Mit sofortiger Wirkung holt der Volkswagen-Konzern seinen nach umstrittenen Abgastests mit Affen beurlaubten Cheflobbyisten Thomas Steg zurück. Steg übernehme wieder seine Funktion als Leiter der Konzern-Außenbeziehungen, teilte VW mit. Der SPIEGEL hatte vor zwei Wochen über entsprechende Pläne berichtet.

Steg war Ende Januar nach dem Bekanntwerden von Labortests mit Dieselabgasen an Affen von Volkswagen als Generalbevollmächtigter beurlaubt worden. Der Vorstand hatte das entsprechende Angebot des Leiters des Bereichs Konzern-Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit angenommen.

Die Sonderprüfung der Konzernrevision sei jetzt zu dem Ergebnis gekommen, "dass Thomas Steg keine persönlichen rechtlichen Verfehlungen vorzuwerfen sind", sagte Rechtsvorstand Hiltrud Werner. Steg habe sich dennoch sowohl intern als auch in der Öffentlichkeit für sein Nichteingreifen in der Angelegenheit entschuldigt.

Kein pflichtwidriges Verhalten

Außerdem hätten sich weder pflichtwidriges Verhalten noch arbeitsrechtliche Verstöße von Mitarbeitern bei Studien gezeigt, die von der Lobby-Organisation EUGT in Auftrag gegeben worden sei.

Steg erklärte, er sei weder für die Planung noch für die Beauftragung und Genehmigung der Studie zuständig gewesen. "Die Studie war überflüssig und hatte keinen wissenschaftlichen Nutzen, sie hätte nicht stattfinden dürfen", sagte er. Er mache sich den Vorwurf, moralisch-ethische Aspekte vernachlässigt zu haben.

Der Lobbyverein EUGT - der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor - wollte 2014 mit Versuchen an Affen offenbar nachweisen, dass Dieselabgase weit weniger gefährlich sind, als von der Weltgesundheitsorganisation WHO festgestellt. Der Lobbyverein förderte auch ein Experiment, bei dem sich in Deutschland mehrere Probanden an einem Institut der Uniklinik RWTH Aachen dem Reizgas Stickstoffoxid aussetzten. Die EUGT wurde 2017 aufgelöst.

Personelle Konsequenzen auch bei Daimler und BMW

Auch Daimler und BMW haben personelle Konsequenzen gezogen. Die Stuttgarter stellten einen Mitarbeiter frei, der im Vorstand der für die Versuche verantwortlichen Forschungseinrichtung EUGT den Autokonzern vertrat. Ein Daimler-Sprecher sagte, der Mitarbeiter habe das Unternehmen inzwischen verlassen.

BMW hatte einen Konzernvertreter im EUGT-Vorstand in den Innendienst versetzt. Inzwischen sind die internen Untersuchungen auch hier abgeschlossen. Dem Mitarbeiter sei kein rechtswidriges Verhalten vorzuwerfen, er habe seine Aufgaben inzwischen wieder vollständig übernommen, teilte BMW mit.

brt/dpa/Reuters

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Seite 1
Mieze Schindler 06.06.2018
1. Nach einer gewissen Schamfrist
wird er wieder eingestellt und möglicherweise sogar befördert. Viele werden eben die Sache vergessen haben, wird man im Vorstand des Konzerns denken. Ich nicht, meinen nächsten Kleinwagen kaufe ich bei der Konkurrenz, versprochen.
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