Kartell der deutschen Autobauer Einmal Schrottpresse

Bislang waren Daimler, Volkswagen, Porsche, Audi und BMW der Stolz der deutschen Industrie. Dann kamen der Dieselskandal und nun der Kartellskandal. Die Branche riskiert nicht nur Milliardenstrafen - sie zerstört die Basis ihrer Geschäfte.

Autobosse Zetsche (Daimler), Krüger (BMW), Müller (Volkswagen)
DPA

Autobosse Zetsche (Daimler), Krüger (BMW), Müller (Volkswagen)


Der Kauf eines Autos stellt für die meisten Menschen eine der größten Investitionen ihres Lebens dar, gleich nach dem Kauf einer Wohnung oder eines Hauses. Nicht wenige nehmen dafür Kredite in Höhe eines Jahresgehalts auf. Sie vertrauen vor allem einem: Dem guten Ruf, über den gerade die deutschen Hersteller lange verfügten. Doch diesen zerstören Daimler, Volkswagen und Co. gerade in atemberaubender Geschwindigkeit.

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Heft 30/2017
Audi, BMW, Mercedes, Porsche, VW - Enthüllt: Die heimlichen Absprachen der Autokonzerne

Das Image, das jahrzehntelang mit guten Autos aufgebaut wurde, wird zerstört wie eine alte Karrosse, die mal eben in die Schrottpresse geschickt wird. Die Grundlage des Geschäfts der Autoindustrie ist ein Wert: die Glaubwürdigkeit. Wenn Kunden dem Versprechen der deutschen Marken nicht mehr glauben, dass diese vielleicht etwas teurer, aber gewiss auch besser als die ausländische Konkurrenz sind, fällt einer der wichtigsten Kaufgründe weg.

Noch hat der Dieselskandal nicht dazu geführt, dass weniger Kunden einen Volkswagen kaufen. Aber immer weniger kaufen einen Diesel. Und sie bringen damit die Hersteller, die so lange mit ihren Abgasen getrickst haben, in ernste Schwierigkeiten. Denn der Diesel stößt weniger CO2 aus als Benziner. Die deutschen Hersteller werden die neuen EU-Vorschriften für den Flottenverbrauch wohl nicht einhalten können. Ihnen drohen deshalb weitere Milliardenstrafen.

Glaubwürdigkeit lässt sich in Euro beziffern

Wenn Hersteller glaubten, mit Sparmaßnahmen bei der Abgasreinigung den Gewinn steigern zu können, zeigt sich nun, dass dies ein sehr kurzfristiges und falsches Kalkül war. Glaubwürdigkeit ist zwar ein schwammiger Begriff. Manchmal lässt sich der Wert der Glaubwürdigkeit aber in Euro beziffern. Spätestens, wenn die Strafen der EU zu bezahlen sind.

Das Geschäft der Autoindustrie ist auch deshalb so stark von ihrer Glaubwürdigkeit abhängig, weil sie ständig mit Politikern verhandeln muss, welche Regeln für die Branche künftig gelten, welche Abgasvorschriften beispielsweise.

Politiker bekommen jetzt vorgeführt, dass auf das Wort dieser Industrie kein Verlass ist. Warum sollten sie den Bossen von Volkswagen, Daimler und BMW noch Glauben schenken, wenn diese argumentieren, noch schärfere Abgasgrenzwerte könne man technisch nicht erreichen?

Auch hier wird der Verlust an Glaubwürdigkeit zum großen Problem für die Branche, von der in Deutschland fast jeder siebte Arbeitsplatz abhängt.

Video: Wie funktionierte das Auto-Kartell?

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insgesamt 743 Beiträge
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B!ld 22.07.2017
1. Schöne Überschrift
Das Problem ist ja, dass man auch den etablierten Politikern nichts mehr glauben darf. Berliner Reichstag bitte auch mit in die Schrottpresse, komplett. Kann ich jetzt bitte mein Atemluft zurück haben? Mit dem Fahrrad durch Hamburg geht für einige inzwischen nur noch Nachts.
Der_zu_spät_geborene 22.07.2017
2. Tschjaja...
....sowas kommt von sowas her. Die Frage die kein Journalist stellt, bewegt mich aber doch: sind die Grenzwerte der EU überhaupt zu schaffen ? Nach Jahrzehnten (etwas mehr als 3 um genau zu sein) wird mein derzeitiger Benz das letzte Auto aus Deutscher Produktion gewesen sein. Bin mal gespannt, was die Damen und Herren Minister sich einfallen lassen werden, wie wir Steuerzahler jetzt dann demnächst auch noch diese Firmen retten können
hans.wurstxxl 22.07.2017
3. Tatbestand
Bildung einer kriminellen Vereinigung zum vorsätzlichen fortgesetzten hunderttausendfachen Betrug. Allesamt in Untersuchungshaft wegen Verdunklungsgefahr. Aber auch hier wird Merkel ihre schützende Hand darüber halten. Deshalb grinsen die auch so selbstsicher. Was ist aus Deutschland unter Merkel geworden. Danke, Frau Merkel. Ich hoffe, Sie bleiben noch eine Legislaturperiode, damit man Sie noch verantwortlich machen kann.
grommeck 22.07.2017
4. So ist das mit der Überheblichkeit und Wachstum ohne Ende....
Wir wollen die größten sein, wir sind die führende Automobilnation, wir...wir...wirrrr. Kunden besch.... ? Machen doch andere auch, der Mensch will belogen werden. Und so sieht es dann aus in einer Gesellschaft ohne Moral und ethische Grenzen, das betrifft nicht nur diese Wirtschaftssparte. Bei den Energieerzeugern, Lebensmittelherstellern, der Agrarindustrie, Banken .... überall die gleiche Denke. Profite für die Aktionäre sind systemrelevant, der Rest zweitrangig. Die Politik ist willig und - leider - oft auch dumm genug, diese "Spielchen" mitzutragen, denn Rücktritt wegen Fehlverhaltens, Fehlentscheidungen, versteckter Korruption muß heute niemand mehr befürchten, da. Haralter nicht mehr erwartet wird. Unsere leuchtenden Vorbilder Kohl und Schröder haben den Weg geebnet für eine andere Art der Demokratie, die dankend als marktkonforme angenommen und propagiert- das Wort mag der Herr Seibert überhaupt nicht- wurde. Also ist diese Entwicklung voraussehbar.
adolfo1 22.07.2017
5. Made in Germany - für immer beschädigt
Die für die Trickserei genannten Firmen mit den dafür verantwortlichen Führungskräften haben Made in Germany immens und für immer geschädigt. Dies betrifft natürlich auch die nachgewiesenen Zinsmanipulationen der Deutschen Bank. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und nicht irgendwelche Manager aus der 3. Reihe als Bauernopfer dran glauben müssen. PS: wäre man in Frankreich, hätte man sie vermutlich schon des Landes verjagt. Dies ist meine persönliche Meinung.
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