VW-Skandal Die Affäre weitet sich aus

Drohende Strafzahlungen, strafrechtliche Ermittlungen, ein massiver Imageschaden: Die Affäre um manipulierte Abgaswerte hat VW in den USA einen schweren Schlag versetzt. Welche Folgen hat der Skandal in anderen Ländern? Der Überblick.

Zum Kunstobjekt umfunktionierter VW-Käfer (Archiv): Welche Folgen hat die Affäre für den Konzern?
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Zum Kunstobjekt umfunktionierter VW-Käfer (Archiv): Welche Folgen hat die Affäre für den Konzern?


Der Skandal um manipulierte Abgaswerte ist ein Desaster für Volkswagen in den USA. Kunden sind enttäuscht, die Behörden alarmiert. Noch betrifft die Affäre lediglich Autos in den USA - doch auch in anderen Ländern haben die US-Ermittlungen bereits Folgen.

USA - Ermittlungen und eine Entschuldigung

Die Ermittlungen der Umweltbehörde EPA könnten teuer für VW werden. Insgesamt drohen Bußgelder von bis zu 18 Milliarden Euro. Erste Sammelklagen gingen bereits am Montag ein. Außerdem drohen offenbar auch strafrechtliche Konsequenzen. Medienberichten zufolge ermittelt das US-Justizministerium, ob Volkswagen kriminelle Machenschaften vorzuwerfen sind. Doch auch andere deutsche Hersteller sind ins Visier der US-Umweltbehörde geraten: Die EPA will nun auch andere Dieselfahrzeuge genau prüfen. Welche genau, ließ sie offen - außer VW sind auch Daimler und BMW mit Dieselfahrzeugen auf dem US-Markt vertreten. Außerdem ist eine Anhörung vor dem US-Kongressausschuss geplant.

Der US-Chef von Volkswagen räumte ein, das Unternehmen habe es mit den gefälschten Abgasuntersuchungen "total verbockt". "Wir waren unehrlich zur Umweltbehörde EPA, wir waren unehrlich zu den Behörden in Kalifornien und, am schlimmsten von allem, wir waren unehrlich zu unseren Kunden", sagte Michael Horn bei der Präsentation eines neuen Passat-Modells in New York.

US-Volkswagen-Chef Michael Horn im Video: "We screwed it up"

Deutschland - Kursrutsch und Vorwürfe

Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat das Kraftfahrtbundesamt angewiesen, die deutschen Dieselmodelle von VW zu überprüfen. Dabei habe ihm VW-Chef Martin Winterkorn volle Unterstützung zugesichert, sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte vor massiven Folgewirkungen des Skandals für die deutsche Wirtschaft. Damit werden auch Jobs bei VW und vielen Zulieferern in Deutschland gefährdet sein", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der "Bild". Der Auto Club Europa (ACE) rechnet damit, dass auch in Deutschland Manipulationen bei der Abgasmessung entdeckt werden. "Das ist systematische Verbrauchertäuschung, die weit verbreitet ist und schon lange praktiziert wird", sagte ACE-Sprecher Klaus-Michael Schaal.

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Abgas-Skandal: Acht für VW gefährliche Folgen der Manipulationen
Bei VW dürfte die Affäre zudem personelle Konsequenzen haben. Wenn klar sei, welche Personen verantwortlich seien, könne man auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen, sagte Aufsichtsratsmitglied Olaf Lies. "Wir werden jetzt, glaube ich, in den nächsten Tagen und Wochen die Details erfahren: Wer, wann, wo welche Entscheidungen getroffen hat, wer dafür verantwortlich ist", so der niedersächsische Wirtschaftsminister im Deutschlandfunk.

An der Börse zeigte sich das Ausmaß des Skandals bereits am Montag: Die VW-Aktie verlor zeitweise bis zu 22 Prozent. Auch die anderen deutschen Autobauer mussten Verluste hinnehmen.

Kurs der VW-Aktie: seit vergangenem Mittwoch: Im freien Fall
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Großbritannien - Konsequent gegen Verstöße

Auch in Großbritannien hat der Skandal erste Folgen. Das Verkehrsministerium kündigte laut "Telegraph" ein konsequentes Vorgehen gegen Fahrzeuge mit manipulierten Abgaswerten an. Alle Autos, die gegen die EU-Vorschriften verstoßen, würden aus dem Verkehr gezogen, sagte ein Sprecher.

Schweiz - Behörden sind alarmiert

Wurde derselbe Typ von Diesel-Fahrzeugen auch in der Schweiz verkauft? Die Behörden sind alarmiert und haben Untersuchungen eingeleitet. Die Ergebnisse sollen in einigen Tagen vorliegen.

Südkorea - Umfassende Untersuchungen

Die südkoreanische Umweltministerin will Dieselfahrzeuge von VW und Audi überprüfen lassen. Untersucht werden soll der Schadstoffausstoß von 4000 bis 5000 Autos der VW-Modelle Jetta und Golf sowie des Audi A3. "Sollten die südkoreanischen Behörden Probleme in den VW-Dieselwagen finden, könnte die Untersuchung auf alle deutschen Dieselwagen ausgeweitet werden", sagte ein Ministeriumsvertreter.

Australien - Aufklärung und Hilferuf nach Deutschland

Das verantwortliche Ministerium für Infrastruktur (DOI) in Australien beobachtet die Entwicklungen in der Affäre genau: "Das Ministerium verlangt Aufklärung von VW, ob in Australien verkaufte Modelle eine ähnliche Software nutzen wie die Modelle in den USA", teilte das DOI mit.

VW in Australien suchte indes schon einmal den Kontakt mit Wolfsburg. Man habe VW in Deutschland gefragt, wie man vorgehen solle und ob möglich wäre, dass auch in Australien verkaufte Fahrzeuge betroffen sind.

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brk/AFP/Reuters/dpa

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insgesamt 229 Beiträge
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Seite 1
espet3 22.09.2015
1.
Es muss ja nicht sein, dass die Schummelei den Amis selbst aufgefallen ist. Jedes Autowerk zerlegt Konkurrenzprodukte in ihre Einzelteile, sodass die Anschwärzer über der ganzen Welt verteilt sein könnten.
Banause_1971 22.09.2015
2. Was mir bei solchen Dingen immer unangenehm auffällt
sobald die USA sich in irgendeiner Weise hintergangen fühlen, kommen sie mit der ganz großen Keule. Wenn sich jedoch rausstellt, dass die USA Freunde ausspionieren, Wirtschaftsspionage im ganz großen Stil betreiben, dann halten wir schön die Füße still. Fast so, als hätten unsere Kanzler ein Papier unterschrieben, welches den USA sämtliche Rechte zugesteht, Deutschland im Gegenzug jedoch nichts unternehmen darf.
vorschau 22.09.2015
3.
Trotzdem: Der Herr Winterkorn ist seine 16 Millionen Jahresgehalt wert.
dollenschmiere 22.09.2015
4. Heuchelei
was jetzt von Seiten der Regierungen gefordert wird ist doch alles Heuchelei. Das die Messwerte zur Erfüllung der EU-Norm praxisfern ermittelt werden sollte auch jedem Politiker bekannt sein. Mehr noch, man hat die kfz-Steuer an den Schadstoffausstoß gekoppelt. Wenn man also zulässt, das die Automobilfirmen die Werte nach unten "optimieren", so ist das in meinen Augen eine versteckte Subventionierung
crimesceneunit 22.09.2015
5. interessant...
Herr Winterkorn sichert den Behörden vollste Unterstützung zu. Warum nicht auch den Kunden? Bei meinem VW ließ man mich wegen der ständigen Reparaturen (Standheizung, Wegfahrsperre, etc.) im Regen stehen. In Sachen Kulanz zog man sich jeweils auf die Laufleistung und das Baujahr des Fahrzeugs zurück. Wobei 5 Jahre und am Schluß 70.000 KM ja nicht die Welt sind und die Reparaturen schon kurz nach Ablauf der Garantie losgingen. Mir kommt kein VW mehr ins Haus und bei dieser Affäre hält sich mein MITLEID in GRENZEN...
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