Neue Vergütungen für Vorstände Eklat im VW-Aufsichtsrat

Bei einer Sitzung des VW-Aufsichtsrates sollen laut "Handelsblatt" Änderungen am Entlohnungssystem für Vorstände an die Wand gebeamt worden sein. Ein Konzernwächter protestierte demnach heftig. VW weist den Bericht als falsch zurück.

Bernd Althusmann
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Im Aufsichtsrat von Volkswagen ist offenbar ein heftiger Disput über das Entlohnungssystem für Vorstände entbrannt. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Insider.

Auf der Sitzung vor vier Wochen hatte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch demnach über Nachjustierungen an dem Modell abstimmen lassen wollen, das in Grundzügen schon 2017 beschlossen worden war. Allerdings habe er die Mitglieder des Gremiums nicht vorab über die geplanten Änderungen informiert. Auf der Sitzung sei lediglich per Beamer die neue Systematik an die Wand geworfen worden, berichtet die Zeitung weiter. Darauf habe sich Unmut geregt.

Volkswagen dementiert, dass der Eklat überhaupt stattgefunden habe: "Der Aufsichtsrat hat sich in diesem Jahr mit keiner Neuordnung und keinen Veränderungen des Systems zur Vorstandsvergütung befasst. Und auch die Hauptversammlung wird dies nicht tun. Anderslautende Behauptungen sind schlicht falsch", hieß es aus der Kommunikationsabteilung.

Laut den Angaben des "Handelsblatts" habe sich vor allem der gerade erst in den Aufsichtsrat berufene Bernd Althusmann von der Art und Weise, mit der das Thema behandelt werden sollte, überfahren gefühlt. Althusmann habe es letztlich abgelehnt, auf der Sitzung über das neue System abzustimmen, schreibt die

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Althusmann ist auch Wirtschaftsminister in Niedersachsen. Er ist neben Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) einer von zwei Vertretern des Großaktionärs Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat.

Die Anpassung der Vorstandsbezüge soll final von den VW-Aktionären auf der Hauptversammlung im Mai beschlossen werden. Bis dahin wolle Althusmann die Abgabe seiner Stimme nachholen, hieß es.

Für Althusmann wie auch für den niedersächsischen Ministerpräsidenten Weil sind die Vorstandsbezüge bei Volkswagen ein brisantes Thema. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder heftige Kritik an der Höhe der Bezüge gegeben. Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn hatte einmal eine Rekordvergütung von 17 Millionen Euro bezogen.

Weder Althusmann noch Volkswagen wollten sich auf Anfrage zu dem Sachverhalt äußern.

Weil kritisierte derweil Äußerungen von VW-Chef Matthias Müller zur Regulierung von Managergehältern. "Eine Begrenzung von Managergehältern auf fünf Millionen Euro pro Jahr mit den Verhältnissen in der DDR zu vergleichen, ist komplett abwegig", sagte Weil der "Welt".

Müller hatte im SPIEGEL auf die Frage nach einer Gehaltsobergrenze von beispielsweise fünf Millionen Euro geantwortet: "In Deutschland besteht der Drang, alles politisch regeln zu wollen. Aber wo soll das enden? Wir hatten so was bereits einmal in Form der DDR. Da ist auch alles geregelt worden."

Weil sagte, mit diesen Äußerungen werde Müller "den Verhältnissen in Deutschland nicht einmal von Ferne gerecht". In der DDR hätten die Menschen "sicher andere Probleme als Spitzengehälter von Managern" gehabt.

Kritik äußerte der SPD-Politiker auch an Müllers genereller Begründung für Gehälter von Spitzenmanagern. Müllers Argument, nach dem ein VW-Vorstandschef schließlich auch eine sehr große Verantwortung trage, könnten Weil zufolge auch ganz andere Berufsgruppen für sich in Anspruch nehmen, die wesentlich weniger verdienten.

Müller hatte im SPIEGEL zwei Gründe für ein hohes Gehalt genannt: Die Relevanz des Unternehmens für die Volkswirtschaft sowie das Risiko, das man als Konzernchef trage: "Als solcher steht man immer mit einem Fuß im Gefängnis."

Zuvor hatte sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) "erstaunt" über die Gehaltszuwächse von VW-Top-Managern gezeigt. Die Vergütung der Mitglieder des Konzernvorstands stieg 2017 auf rund 50,3 Millionen Euro - nach 39,5 Millionen Euro im Jahr zuvor.

ssu/dpa



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lesheinen 25.03.2018
1.
Gut, dass das Wort "Entlohnungssystem" und nicht das Wort "Verdienstsystem" benutzt wird. Der Abgasskandal scheint doch seine Spuren zu hinterlassen.
matti99 25.03.2018
2. Selbstbedienungsladen?
Die hier gehandelten Vorstandsgehälter sind ein Skandal. Hier wird das Unternehmen als Selbstbedienungsladen betrachtet und die Höhe der Gehälter steht in keinem annehmbaren Verhältnis anderer Gehälter und Monatslöhne. Eine Obergrenze wird dringend - auch steuerliche Grenzen kann man für diesen Wildwuchs einsetzen.
götzvonberlichingen_2 25.03.2018
3. Die Politik soll sich raushalten
Die Politik sol sich raushalten. Das sagt ausgerechnet einer, dessen Konzern gerne bei der Politik Druck aufbaut um VW Wünsche umzusetzen. Die Politik darf sich immer dann raushalten, wenn es nicht auf die Agenda des Konzerns passt - ansonsten darf sich die Politik natürlich gerne einmischen um die Wünsche von VW umzusetzen. Vorschlag Herr Müller - Abzug aller VW Lobbyisten und Einstellung der Parteispenden. Das wäre ein Anfang. Eine konkrete Antwort ob der sein Gehalt wert ist - hat Müller natürlich nicht gegeben. Die (ehrliche) Antwort wäre interessant gewesen...
didlon 25.03.2018
4. Mit einem Fuß im Gefängnis?
Schön wär's. Zum Beispiel ein paar Jahre wegen Betrug an Kunden und der Volkswirtschaft. Und dann Schadenersatz einklagen, bis der letzte Cent weg ist.
Newspeak 25.03.2018
5. ...
"Müller hatte im SPIEGEL zwei Gründe für ein hohes Gehalt genannt: Die Relevanz des Unternehmens für die Volkswirtschaft sowie das Risiko, das man als Konzernchef trage: "Als solcher steht man immer mit einem Fuß im Gefängnis." " Wenn es denn so waere. Aber vielleicht weiss Mueller mehr. Welcher Manager, ausser Middelhoff, ist in den letzten Jahren angeklagt und verurteilt worden? Ackermann etwa fuer die nachgewiesene organisierte Kriminalitaet der Deutschen Bank waehrend seiner Amtszeit? Winterkorn fuer den Abgasbetrug? Welcher?
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