Volkswagen Piëch und Ehefrau legen Aufsichtsratsmandate nieder

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch tritt von seinem Amt mit sofortiger Wirkung zurück. Auch seine Frau Ursula gibt ihr Mandat in dem Kontrollgremium ab, teilt der Autokonzern mit. Bei der Suche nach einem Nachfolger will man sich Zeit lassen.


Der Druck auf Ferdinand Piëch war zuletzt immer größer geworden - nun zieht der VW-Aufsichtsratschef die Konsequenz. Piëch lege sein Mandat in dem Kontrollgremium mit sofortiger Wirkung nieder, teilte Deutschlands größter Autokonzern am Samstagnachmittag in einer Pflichtmitteilung mit. Auch Piëchs Frau Ursula lege ihr Amt nieder.

Der stellvertretende Aufsichtsratschef Berthold Huber werde bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden kommissarisch die Leitung des Gremiums übernehmen, hieß es in der Mitteilung von VW weiter.

Dem Rücktritt des Ehepaars war ein Streit um die künftige strategische Ausrichtung des VW-Vorstands vorausgegangen. Aufsichtsratsboss Piëch, 78, war mit der Leistung seines Vorstandschefs Martin Winterkorn, 67, offenbar unzufrieden. Er sei "auf Distanz zu Winterkorn", hatte er vor gut zwei Wochen dem SPIEGEL gesagt - und damit einen Machtkampf in der VW-Spitze ausgelöst.

Das sechsköpfige Präsidium des VW-Aufsichtsrats, das die wichtigsten Entscheidungen in dem Dax-Konzern vorbereitet, hatte sich am 17. April gegen Piëch gestellt und erklärt, Winterkorn sei der "bestmögliche" Konzernchef, sein Vertrag solle im Februar 2016 noch einmal verlängert werden.

Chronologie des Machtkampfs
"Vertrauen nicht mehr gegeben"

Schon wenige Tage nach dieser Erklärung soll Piëch weiter an der Ablösung des VW-Chefs gearbeitet haben. Nach Informationen des SPIEGEL bat er Anfang dieser Woche Porsche-Chef Matthias Müller, sich für einen Wechsel auf die Position des Vorstandsvorsitzenden bereitzuhalten.

Am Mittwoch trafen sich dann Vertreter der Familien Porsche und Piëch zu einer Aussprache. Nach dem Treffen meldeten die Nachrichtenagentur dpa und der NDR, Piëch habe bei den Familienmitgliedern ausloten wollen, ob man Winterkorn noch vor der Hauptversammlung des Konzerns am 5. Mai ablösen könne. Piëch selbst dementierte dies mit den Worten "Ich betreibe seine Ablösung nicht".

Am Freitag schließlich sagten mehrere Mitglieder des Kontrollgremiums dem SPIEGEL, Piëch sei als Aufsichtsratschef des VW-Konzerns nicht mehr tragbar. Am Samstag nun erklärte auch das Präsidium des Aufsichtsrats, die Mitglieder hätten "einvernehmlich festgestellt, dass das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist".

Keine schnelle Lösung für Piëch-Nachfolger

Fragt sich, wie es jetzt weitergeht bei VW. Mit der Suche nach einem Nachfolger für Piëch will sich der Aufsichtsrat jedenfalls Zeit lassen. "Der Aufsichtsrat ist arbeitsfähig, das Management ist voll funktionsfähig", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Man werde nun "in Ruhe und Umsicht beraten", wer den Posten des zuvor zurückgetretenen VW-Patriarchen Piëch übernehmen solle. Es gebe keinen Grund zur Eile - Ziel sei es, dass das Gremium einen einstimmigen Vorschlag unterbreite.

Ob Winterkorn dabei eine Rolle spiele, wollten weder Weil noch der kommissarische Aufsichtsratschef Berthold Huber kommentieren. "Wir werden dazu keine Aussagen machen", sagte Weil. "Wir wollen keine Personaldebatte mit einer anderen ablösen." Winterkorn war bis zum Bruch mit Piëch lange als dessen Nachfolger gehandelt worden.

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Der Patriarch geht

Ferdinand Piëch tritt bei VW als Aufsichtsratschef zurück. Wie finden Sie das?

ssu/dpa/Reuters

insgesamt 107 Beiträge
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BorisBombastic 25.04.2015
1. Herber Verlust
...der Konzern wird den Verlust dieses Strategen bald zu spüren bekommen. Piëch ist ein ganz Grosser der deutschen Automobilgeschichte
alotusian 25.04.2015
2. Schade Herr Piech,
genausowenig wie Sie glaube ich an die restlichen Scherzkekse des Konzerns. Morgen gehen wahrscheinlich nicht nur meine stocks in cash über...
londonpaule 25.04.2015
3. wurde auch zeit...
alles andere waere absurd gewesen. egomanen koennen halt nicht ohne riesen knall abgehen... zuruecklehnen und auf das erreichte zurueckschauen im alter von 78 ist wohl keine loesung. was meint nun der universal-auto-"experte" dudenhoeffer der sich seiner nicht eingetretenen meinung so sicher war?
alius007 25.04.2015
4. Eine souveräne Entscheidung
Am Rücktritt der Piechs werden seine Gegner Freude empfinden, wenn nicht gar ein Gefühl des Triumphes. Doch das ist ein Pyrrhussieg, der VW nicht aus der Führungskrise führen wird. Die Botschaft Piechs ist nachvollziehbar: Macht doch euren Mist allein. Er hat es wirklich nicht nötig, sich unter Druck setzen zu lassen. In ein paar Jahren wird man es bedauern, das die Piechs hingeschmissen haben. Piechs Weitsicht und seine technischen Fähigkeiten hören nicht beim Spaltmaß und beim Qualitäts-Fetischismus auf. Hoffentlich zieht er sich nicht ganz zurück.
thunderstorm305 25.04.2015
5. Schlecht für Volkswagen!
Und wie soll das nun weitergehen? Piech und Porsche haben immerhin die Mehrheit bei Volkswagen. Es ist nicht auszuschließen, dass Piech sein Aktienpaket an der Börse veräußert, was nicht absehbare Folgen haben kann.
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