Machtkampf bei VW Piëch versucht laut Medienberichten Winterkorn abzusetzen

Der Machtkampf bei VW wird immer dramatischer: Ferdinand Piëch will offenbar eine Absprache des Aufsichtsrats unterwandern. Vorstandschef Winterkorn soll noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai abgesetzt werden.

VW-Größen Winterkorn, Piëch: Nächste Runde im Machtkampf
REUTERS

VW-Größen Winterkorn, Piëch: Nächste Runde im Machtkampf


Sein erster Putschversuch scheiterte spektakulär - nun legt Ferdinand Piëch offenbar nach. Laut übereinstimmenden Berichten der Nachrichtenagentur dpa und des NDR will der Aufsichtsratsboss von VW Konzernchef Martin Winterkorn im Eilverfahren loswerden.

Piëch mache sich stark für Porsche-Chef Matthias Müller oder Skoda-Chef Winfried Vahland als mögliche Nachfolger, hieß es am Donnerstag. Es gebe Versuche, wonach der Beschluss der Aufsichtsratsspitze von vergangener Woche "unterlaufen werden solle".

Dem NDR-Bericht zufolge möchte Piëch noch vor der VW-Hauptversammlung den Aufsichtsrat über seinen Kandidaten abstimmen lassen und VW-Chef Winterkorn kurzfristig ablösen. Es sei offen, ob Piëch dabei Müller oder Vahland durchsetzen möchte, hieß es.

Laut dpa trafen sich am Mittwoch auf Drängen von Piëch die Familien Piëch und Porsche in Stuttgart. Dort soll VW-Patriarch Piëch um Unterstützung für seinen Plan geworben haben, Vahland oder Müller als Nachfolger von Winterkorn durchzusetzen. Ob er damit Erfolg hatte, ist unklar. Letztlich wolle Piëch verhindern, erneut den Machtpoker im Präsidium des VW-Aufsichtsrats zu verlieren.

Der VW Betriebsrat hält - zumindest vorerst - an Winterkorn fest. "Für uns steht der Beschluss aus der vergangenen Woche", zitierte die "Bild"-Zeitung Betriebsratschef Bernd Osterloh. Zugleich ließ er jedoch Möglichkeiten für eine Veränderung an der Konzernspitze ausdrücklich offen. "Sollte es weiteren Beratungsbedarf geben, dann müssen interne Gespräche geführt werden", wird Osterloh weiter zitiert.

Vergangenen Donnerstag hatte der VW-Aufsichtsratschef nach dem Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums eine für ihn ungewöhnliche Schlappe. Piëch hatte sich vor knapp 14 Tagen mit einem Zitat im SPIEGEL vom Vorstandsvorsitzenden abgewendet. Doch trotz der öffentlichen Attacke blieb Winterkorn als VW-Chef im Amt. Bei einem Krisentreffen des Aufsichtsrats-Präsidiums am vergangenen Donnerstag in Salzburg stand es 5:1 gegen Piëch.

Das Präsidium hatte festgestellt, Winterkorn sei der "bestmögliche" Vorstandschef. Das Präsidium werde dem Aufsichtsrat vorschlagen, Winterkorns Vertrag in seiner Februar-Sitzung nächstes Jahr zu verlängern, hieß es. Das war eine Niederlage für Piëch, der in dem Führungsgremium isoliert sei, wie mehrere mit den Vorgängen in Salzburg vertraute Personen der dpa bestätigten. Allerdings betonten sie schon damals, dass das letzte Wort in der Sache noch nicht gesprochen sein dürfte.

pad/ssu/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 73 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hans_wurt 23.04.2015
1. Warum???
Warum versucht Piech diesem Mann auf biegen und brechen rauszuhauen ? Der Grund ist auch jeden Fall nicht geschäftlicher Natur, denn das was jetzt gerade passiert schadet VW. Entweder ist es etwas ganz persönliches, mit wirklicher Verachtung verbundenes oder, dies ist bei der harte unwahrscheinlich, Piech will einfach Winterkorns Posten
analyse 23.04.2015
2. Immerhin wird Piech nun auch von G.Schröder untestützt!
Gibts noch mehr Quervrerbindungen ? Wer hat eigentlich "in der Sache" recht ? Wär doch mal was für einen investigativen Journalisten !
widter 23.04.2015
3. Publicity stunt?
Eigenartig, was da abgeht. Man möchte fast meinen, den VW-Leute gehe es darum, ohne Kostenaufwand in die Schlagzeilen zu kommen. "There is only good PR"... Unprofessioneller Stoff für eine Kurzzeit-Soapopera made in Germany.
alfonsjohannes 23.04.2015
4. nichts neues
kann aus dem Artikel keine neue Situation ableiten
nicco13 23.04.2015
5. Das war zu erwarten
Hat jemand etwas anderes erwartet? Das Piëch geschlagen sich in die Ecke trollt und da schmollt. Der Mann verantwortet einen erheblichen Teil von Europas grösstem Automobilhersteller. Der Mann kämpft um das Erbe seiner Frau und Kinder. Wer will ihm das verdenken. Am Ende wird Piëch seinen Willen bekommen. So wie letztes Mal und vorletztes Mal und jedes Mal zuvor. Man stellt sich ihm besser nicht in den Weg denn am Ende hat er fast immer Recht mit seinen Forderungen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.