Aufklärung des Abgasskandals Fondsgesellschaft fordert Rücktritt von VW-Chef Müller

Nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt gibt es Rücktrittsforderungen gegen VW-Chef Müller. Einer der größten Investoren des Konzerns will einen externen Manager - und kritisiert das Krisenmanagement der Spitze.

VW-Chef Matthias Müller: Kritik am Krisenmanagement
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VW-Chef Matthias Müller: Kritik am Krisenmanagement


Volkswagen kann mit seiner Aufklärungsarbeit im Abgasskandal wichtige Aktionäre nicht überzeugen. Die Fondsgesellschaft Union Investment sprach sich öffentlich für einen erneuten Wechsel an der Konzernspitze aus. "Ein externer Kandidat für den Posten des Vorstandsvorsitzenden wäre besser", sagte Fondsmanager Ingo Speich. Union Investment ist die drittgrößte Fondsgesellschaft in Deutschland.

Es gehe nicht darum, VW-Chef Matthias Müller zu beschuldigen, für ihn gelte die Unschuldsvermutung. Er habe als ehemaliger Chef der Volkswagen-Konzerntochter Porsche aber ein Glaubwürdigkeitsproblem, sagte Speich. Volkswagen müsse am Kapitalmarkt wieder Vertrauen herstellen, dafür sei die gegenwärtige Führung kontraproduktiv.

Müller wurde erst im September nach dem Rücktritt von Martin Winterkorn zum neuen VW-Chef berufen. Zuvor war er Chef des Sportwagenbauers Porsche. Der Manager ist seit fast 40 Jahren im VW-Konzern tätig.

"Herr Müller war schon vorher Teil von VW", sagte Speich der "Financial Times" mit Blick auf die Berufung des Managers zum Konzernchef. "Noch dazu war er Chef von Porsche und Porsche nutzte ebenfalls Dieselmotoren. Natürlich kamen diese aus dem VW-Regal, aber Müller ist ebenfalls in diese Sache verwickelt", erklärte Speich mit Bezug auf den Abgasskandal.

Die aktuelle VW-Spitze sei durch ihre lange Zeit im Unternehmen vorbelastet. Der Konzern habe bei seinen Krisen in den vergangenen zehn Jahren nie drastische Maßnahmen ergriffen, sagte Speich. Dies sei nun die Chance, endlich die richtigen Schritte einzuleiten.

Fondsmanager fordert auch Ablösung des Aufsichtsratschefs

Union Investment ist die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken und gehört nach Angaben der "Financial Times" zu den 15 größten Investoren bei den VW-Vorzugsaktien Chart zeigen.

Speich kritisierte auch die Kommunikationspolitik des Konzerns, diese sei "schlecht". Das Unternehmen müsse offen kommunizieren und die Schuldigen für den Skandal identifizieren, damit das Vertrauen am Kapitalmarkt zurückkehren könne.

Speich hatte bereits die Berufung von Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zum Aufsichtsratschef kritisiert. Dieser war zuvor mehr als zehn Jahre lang Finanzchef von VW. Seit Oktober ist Pötsch Vorsitzender des Aufsichtsrats. Fondsmanager Speich forderte in der "Financial Times" erneut auch "frische Leute" im Aufsichtsrat.

mmq/Reuters/dpa



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insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
dd1962 13.11.2015
1. Nachvollziehbar
Die Forderung nach der Ablösung von Herrn Müller ist nachvollziehbar. Ein echter Neuanfang bei VW ist nur mit einem Management möglich, dass eben nicht aus den Reihen des VW Konzerns kommt. Mich Überraschung, dass es erst jetzt zum Thema wird und nicht schon beim Rücktritt von Winterkorn.
quark2@mailinator.com 13.11.2015
2.
Was geht ab ? Wenn da jemand was zu fordern hat, dann die Familien Piech & Porsche und Niedersachsen. Die Spitzenposition an jemanden von außerhalb zu vergeben ... super Idee, wo dieses Riesengeschäft selbst für lebenslange Insider eine Herausforderung sein dürfte. Nun haben sie von den Topleuten schon die Hälfte verloren und der Investor beschädigt nun einen weiteren wichtigen Mann dort. Alles, was man so schaffen kann ist, die Aktie noch schlechter zu reden. Ausgerechnet in so einer Lage muß man ja nun wirklich alle Resourcen aktivieren, die man hat. Jemand von außen müßte ja erstmal Peilung bekommen ... aber wie gesagt, es gibt außer den 3 o.g. niemanden, der sowas durchsetzen könnte.
naeggha 13.11.2015
3. absolut richtig!
ich wundere mich allerdings, dass diese Nachricht 3 Wochen zu spät kommt! Der Spiegel deckt zwar den Fifa Skandal auf, aber hier hat der Journalismus bisher versagt! Wie soll Müller denn alles aufdecken? Er hat jahrelang die gleichen Teile verbaut, er müsste sich ja zunächst selbst anklagen. Sagen wird er das offiziell nie, weil er vermutlich genauso verantwortlich sein könnte wie seine Vorgänger. Herr Diess wäre der, meiner Meinung nach, richtige Mann für den Job! Der Kerl ist professionell und auch ein Mann für die Zukunft.
wll 13.11.2015
4. Kein Titel
"Union Investment ist die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken und gehört nach Angaben der "Financial Times" zu den 15 größten Investoren bei den VW-Vorzugsaktien" Dumm nur, dass die Vorzugsaktien kein Stimmrecht in der Hauptversammlung haben. Interessanter wäre deren Besitz an stimmberechtigten Stammaktien. Wenn Union Investment da nichts oder nur wenig vorzuweisen hat, haben sie effektiv nichts zu melden...
roughneckgermany 13.11.2015
5.
Seltsam, dass wir Foristen das bereits vor Wochen als ein Problem erachtet haben. Man kann nur hoffen, dass Pötsch und Müller gehen. Einen externen Manager, ähnlich einem Insolvenzverwalter, kann man nur begrüßen.
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