Abgasaffäre Landesregierung "sehr verärgert" über VW-Kommunikation

Im Abgasskandal zeichnen sich schwere Verstimmungen zwischen VW und dem Land Niedersachsen als zweitgrößtem Aktionär ab. Knackpunkt ist die Kommunikation über einen angeblichen Stellenabbau.

VW-Tower in Hannover
DPA

VW-Tower in Hannover


Der VW-Abgasskandal ist noch lange nicht aufgearbeitet, jetzt zeigen sich Spannungen im Verhältnis zwischen dem Autokonzern und seinem zweitgrößten Anteilseigner, dem Land Niedersachsen. Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies ließ am Freitag über seinen Sprecher erklären: "Der Minister ist sehr verärgert über die Kommunikation bei VW; da werden spekulativ Zahlen in die Welt gesetzt, die offiziell nicht kommuniziert wurden."

Lies war am Vorabend von der Opposition im niedersächsischen Landtag scharf attackiert worden, weil dem SPD-Politiker der geplante Abbau Tausender Stellen bei Volkswagen nicht bekannt war. Demnach sollte die Zahl der Büroarbeitsplätze in Deutschland bis Ende 2017 um etwa 3000 Stellen sinken. Wegen der bei VW geltenden Beschäftigungssicherung solle aber niemand entlassen werden, hieß es, das Personal solle stattdessen durch Altersteilzeit, die Nichtbesetzung freiwerdender Stellen sowie die Versetzung in andere Abteilungen reduziert werden.

Auch Regierungschef Stephan Weil äußerte scharfe Kritik. "Der Landesregierung liegen keinerlei Pläne in dieser Hinsicht bei VW vor", ließ er erklären. "Maßgeblich für Reaktionen der Landesregierung müssen offizielle Maßnahmen sein, keine Presseveröffentlichungen."

Lies hatte mehrere Gespräche mit der VW-Spitze, ohne eine Bestätigung der Medieninformationen zu bekommen. "Es gibt immer noch keine Klarheit", sagte sein Sprecher. "Volkswagen - und ausdrücklich der Markenvorstand - hat nicht nur Verantwortung für die Rendite, sondern auch für die Mitarbeiter."

nck/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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Maenneken 11.03.2016
1. Ach, es geht gar nicht um den Kundenbetrug?
Die Landesregierung wird vielmehr erst nervös und ungehalten, wenn Arbeitsplätze gefährdet sind. Ob Produkt und Kundenservice stimmen ist denen weiterhin völlig schnuppe. Normalerweise ist das bei Aktionären anders: Da muss das Produkt stimmen und zukunftsweisend sein. Arbeitsplätze sollten möglichst wenige dafür erforderlich sein.
eishockeyoma 11.03.2016
2. Ich habe langsam die Nase voll...
Dort sind hochbezahlte Führungskräfte damit beschäftigt, T-Shirt Sparpläne umzusetzen...Wirklich??? Vielleicht sollten sich diese Herren (zum größten Teil) mal an den Effizienzordner der ihnen durch den Betriebsrat überreicht wurde, ransetzen und alles, was an Sparpotenzialen sich finden läßt, umsetzen. Bitte auch die Sachen, die im Führungskräfte Bereich Schmerz zufügen. Als dann wäre es schön, wenn man nicht nur über die Installation einer neuen Führungs- und Unternehmenskultur redet oder schreibt, sondern tatsächlich handelt...und diese vorlebt...
werjor 12.03.2016
3. Wenn die Sammelklagewellen in den USA,Brasilien etc. durch sind,
wird es kein VW mehr geben....denn auch andere Staaten werden diesen Prozess verfolgen und sich ranhalten. VW sollte Insolvenz anmelden. Die Zerschlagung des Konzerns ist Alternativlos geworden. Jahrelang wurde versucht den STAATSkonzern (Sperrminorität von Niedersachsen) zu einem normalen Konzern zu machen, wo die Aktionäre das sagen haben, durch Druck der EU..., man wollte nicht hören, nun muss man fühlen.
aurichter 12.03.2016
4. #1
Sie machen Ihrem Namen alle Ehre. Ganz sicher geht der Landesregierung diese Entwicklung nicht am A.... vorbei, weil gerade bei der Niedersächsischen Landesregierung, und da ist es völlig egal wer am Ruder sitzt, der Druck durch zukünftige Landtagswahlen automatisch größer ist, als bei manch anderer Landesregierung der Fall wäre. Es ist, davon können Sie mal ausgehen, der Landesregierung nun mal nicht anzulasten, wenn aus irgendeiner Manager-Kaffeehalle in WOB irgendeiner Pressebude etwas gesteckt wird und in Hannover jetzt wieder Einige den Kopf hinhalten müssen. Auch wenn Ihnen der Glaube fehlt, so sein Sie versichert, daß sich manche Köpfe etwas dabei gedacht haben, als seinerzeit das sogenannte VW Gesetz bis auf's Blut verteidigt wurde. Wäre dem nicht so, darauf können Sie Gift nehmen, dann hätte es bei Volkswagen jetzt andere Anteilsverteilungen, die mit absoluter Wahrscheinlichkeit auch schon früher gravierende Auswirkungen auf die Belegschaftsstruktur gehabt hätten. Monatelang wird hier auf Betrügereien aus dem obersten Managment verwiesen, liegen Beweislasten vor, wird dahingehend nachgeschoben und nun soll die Landesregierung daran auch noch beteiligt sein ?? Warum, weil es eine SPD Beteiligung gibt ? Die Landesregierung hat keine Funktion in der F&E von VW und auch keine Entscheidungsbefugnis hinsichtlich von Zulassungen bei Umweltverordnungen !! Also was soll jetzt diese unüberlegte, grundlose Spitze in diese Richtung. Da wird etwas gelesen und anschliessend irgendein Dummfug konstruiert nur weil die Buchstaben VW darin vorkommen. Lassen Sie das, es bringt nichts.
Sixpack, Joe 12.03.2016
5. #4 und #1
#4 Sie haben es glaube ich wirklich nicht verstanden wie es in Wirtschaft gehen sollte. Wenn es VW gut geht, geht es Niedersachsen gut, Anteilseigner (Warum um Himmelswillen???) oder nicht. VW hat Mist gebaut, und soll aufräumen, so schnell wie möglich. Warum tut das Management nix, ausser dumme Aussagen machen? Man kann nur hoffen das so eine Firma völlig auseinandergenommen wird, und verkauft wird an andere Firmen, die wohl besser mit Mitarbeitern umgeht! Dann wird für Niedersachsen auch wieder attraktiv. Jetzt sollen die nur eins machen: raus aus der Sache und mit dem Geld etwas sinnvolles tun. Einem E-Auto Hersteller ein attraktives angebot machen vielleicht?
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