Konzernumbau Diess greift bei VW nach der ganzen Macht

Herbert Diess wird der neue Chef des Autokonzerns VW, und er will seine Macht noch weiter ausbauen - mit einem Konzept, das von Martin Winterkorn stammen könnte. Gibt der Aufsichtsrat dafür grünes Licht?

VW-Markenchef Herbert Diess
DPA

VW-Markenchef Herbert Diess

Von


Der bisherige VW-Markenchef Herbert Diess soll zum Chef des Autokonzerns aufsteigen - und könnte dabei mächtiger werden als seine Vorgänger. Nach SPIEGEL-Informationen will er zugleich mit dem Konzern auch die wichtige Marke VW weiter leiten. Eigentlich sind Konzern- und Markenführung bei Volkswagen bisher getrennt.

Nun dürfte Diess' Machtfülle sogar noch weiter wachsen, denn er will auch eine alte Idee wieder aufgreifen und VWs Marken in Gruppen bündeln.

Dass Diess so viel Macht bekommen könnte, ist überraschend. Noch vor einigen Monaten führte der Manager einen gravierenden Streit mit Volkswagens mächtigem Arbeitnehmerführer Bernd Osterloh über den Sanierungskurs der Kernmarke VW.

Die Idee, Europas führenden Autohersteller und quasi im Nebenjob dessen wichtigste Marke VW zu führen, hatte bereits der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn einmal umgesetzt - und war dafür heftig kritisiert worden. Winterkorn verschliss sich tatsächlich bei der Aufgabe, so viele Aufgaben zugleich bewältigen zu müssen. Daher überließ sein Nachfolger Matthias Müller den Job bei der VW-Marke im Jahr 2015 dem ehemaligen BMW-Manager Herbert Diess. Der will nun - da Müller ausgelaugt von den Querelen um den Dieselskandal den Konzern verlassen wird, - wieder die ganze Macht, allerdings etwas cleverer.

"Diess möchte beides machen, Konzern und VW-Marke. So will er die wichtige Marke direkt weiterentwickeln können", heißt es aus Aufsichtsratskreisen. "Er will dafür jedoch einen operativen Vorstand auf Markenseite, der ihm im Tagesgeschäft den Rücken frei hält."

Dass der Plan so durchgeht, ist keineswegs sicher. Noch fehlt die Zustimmung des Aufsichtsrats, der am Freitag tagt.

Vier neue Markengruppen geplant

Gelingt dem einstigen BMW-Manager sein Coup, gewinnt er wohl sogar mehr Durchgriffsmacht, als auf den ersten Blick zu erkennen. Denn zugleich will der Aufsichtsrat auch über eine völlig neue Konzernstruktur sprechen: VWs Marken sollen in vier Gruppen aufgeteilt werden, erfuhr der SPIEGEL aus dem Konzern. Das stehe nun auch zur Debatte und könne kurzfristig entschieden werden, wenn die Personalien nicht zu viel Diskussionsbedarf mit sich brächten.

  • Eine Volumengruppe solle die Marken VW, Skoda und Seat bündeln
  • in einer Premiumgruppe soll Audi stehen,
  • eine Sportwagengruppe mit dem Projektnamen "Super-Premium" soll Porsche, Bugatti, Bentley und Lamborghini umfassen,
  • eine Nutzfahrzeugholding die Lkw und kleineren Nutzfahrzeuge des Konzerns.

Ein solches Modell hatten vor Jahren schon Winterkorn und Betriebsratschef Osterloh überlegt. Sie wollten so den Weltkonzern mit seinem Dutzend Marken und rund 600.000 Mitarbeitern besser steuern können. Realität wurde es bisher aber nie. Auch jetzt dürfte es noch für Diskussion sorgen, heißt es - zumal eben auch Diess' Zugriff auf die VW-Marke Konfliktstoff berge.

"Das Ansinnen von Diess wird kontrovers diskutiert werden", verlautet aus dem Aufsichtsrat. Wichtige Unterstützer aber hat Diess bereits: Der mächtige Betriebsratschef Bernd Osterloh und die Eigentümerclans der Porsches und Piëchs stützten die Pläne, heißt es aus dem Konzern. Die Sprecher von VW, des Eigentümerclans und des Betriebsrats wollten zu den Informationen allerdings keine Stellung nehmen.

Wenn Diess die Landesvertreter von Niedersachsen nun noch auf seine Seite ziehen kann, steht seinem Plan nichts mehr im Wege. Im Aufsichtsrat kann sich derzeit keine Seite allein durchsetzen, weder der Porsche-Piëch-Clan noch Osterloh, noch Niedersachsen. Sie müssten Bündnisse schmieden.

Die Mächtigen: Wolfgang Porsche (l.), Sprecher der Eigentümerfamilie, Niedersachsens Landeschef Stephan Weil (2.v.r.), Betriebsratschef Bernd Osterloh (r.) - mit VW-Chef Matthias Müller in ihrer Mitte.
DPA

Die Mächtigen: Wolfgang Porsche (l.), Sprecher der Eigentümerfamilie, Niedersachsens Landeschef Stephan Weil (2.v.r.), Betriebsratschef Bernd Osterloh (r.) - mit VW-Chef Matthias Müller in ihrer Mitte.

Betriebsratschef Osterloh zeigt seine Macht

Osterloh allerdings gewinnt nun in der neuen Konstellation an Macht hinzu. Denn sein langjähriger Mitstreiter Gunnar Kilian, derzeit Generalsekretär des Betriebsratschefs, soll zum neuen Personalvorstand aufsteigen und den mit Osterloh hart aneinandergeratenen Karlheinz Blessing ablösen. Dann hätte der Arbeitnehmerführer bei Volkswagen ebenfalls eine nie dagewesene Machtfülle - denn fortan verhandelt er über Jobs im Konzern mit einem Getreuen.

Schon jetzt kommt allerdings auch so niemand im Konzern an Osterloh vorbei. "Hier installiert keiner einen Vorstand, wenn der Betriebsrat ihm nicht wohlgesonnen ist", berichtet ein Eingeweihter, der schon viele Debatten an der Konzernspitze erlebt hat.

Das dürfte sich bald auch auf eine weitere Personalie auswirken. Ein neuer China-Chef muss gesucht werden. Der bisherige Manager auf dem Posten, Jochem Heizmann, soll demnächst ausscheiden, erfuhr der SPIEGEL aus Konzernkreisen. Schon länger wird darüber intern diskutiert, denn Heizmann wurde zu Jahresanfang 66 Jahre alt und sein Vertrag läuft aus.

China-Chef Jochem Heizmann
imago/Susanne Hübner

China-Chef Jochem Heizmann

Doch der chinesische VW-Partner FAW habe darauf gepocht, dass der Manager China-Vorstand bei VW bleibe, da es vor allem bei Getrieben Probleme und Rückrufe gab, sagt ein Ingenieur. Nun sei das Gröbste ausgestanden. Heizmann werde abgelöst, bestätigte eine Person aus dem Aufsichtsratsumfeld. Ein Nachfolger sei noch nicht gefunden, könnte aber aus dem kaufmännischen Bereich stammen.

insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
werder11 11.04.2018
1. aufgaben?
sie wollen doch dem normalbürger und steuerzahler, der am ende für die fehler wieder zahlen muß, nicht suggerieren, daß diese herrschaften arbeiten und es etwas sinnvolles daraus entsteht - die einzige erinnerung an hr winterkorn sind seine horrenden pensionsansprüche!
laberbacke08/15 11.04.2018
2.
In einer Premium”gruppe” soll also Audi stehen. Das erinnert mich an das Gerücht, dass man bei VW vielen Nachwuchsführungskräften Personalverantwortung zugesichert hatte und um das einzuhalten hat man Ihnen dann „einen“ Mitarbeiter gegeben, also viele kleine zweierteams. Vielleicht sollte Herr Diess sich mal bei wirklich erfolgreichen Managern umgucken, meist sind das die, die ihr Ego hinter das Wohl der Firma stellen oder zumindest im Sinne der Firma einsetzen. Das was bisher durchgesickert ist, lässt eher auf „FC Hollywood“ schließen und erinnert an die Zeit mit Herrn Lopez
Freidenker10 11.04.2018
3.
Habe Herrn Diess mal in einer Talkshow gesehen und war entsetzt! Der versteht die Aufregung um den Dieselbetrug ja noch weniger als Herr Müller! Aber wahrscheinlich hat er einen besseren Draht in die Politik, denn darauf wird es für VW in der nächsten Zeit ankommen. Auf das der Steuerzahler für den Betrug geradesteht....!
EckhardSchönknecht 11.04.2018
4. Nett
dass so manche in Management und Aufsichtsräten etwas abgehoben (oder völlig verrückt?) sind, sieht man schon an der Aufteilung: Mehr in der Super Premium Gruppe als in der Volumen Gruppe. Und da Audi im "Normal Premium Bereich" so ganz alleine da steht, wird man das wohl auch noch aufbohren muessen. Und dass man sich bei all dem Premium hier und Premium da nicht mehr um den einfachen deutschen (Ex-) Diesel Kunden und seine Vertriebspartner kümmern kann, dürfte einleuchten. Stress mit Arbeitnehmern ist wohl auch inklusive und vemutlich an der Börse schon eingepreist oder wie das heisst. Und mittendrin dick und fett und rund: die SPD, es gibt Tage, da sollte man besser im Bett bleiben als sowas zu lesen :-(
SteveCrj 11.04.2018
5. Viel Spaß mit Herrn Diess!
Als äußerst leidgeprüfter Kunde einiger von Herrn Diess bei BMW völlig kaputtgesparter Modelle (F3x) wünsche ich VW viel Vergnügen in der Zukunft. Seine Sparideen sind dort wohl auch besser aufgehoben. Immerhin sah der von Herrn Diess maßgeblich mit "verbrochene" noch aktuelle BMW 3er und 4er anfangs innen auch tatsächlich bereits wie ein künftiger "Hartplastik VW" aus. Die Verarbeitungsqualität war ebenfalls entsprechend. Talent ist also vorhanden und seit der Herr bei BMW weg ist, erfüllen die dortigen Fahrzeuge, v.a. die komplett neuen Modelle, auch langsam wieder den Anspruch eines Premiumproduktes. Also viel Erfolg in Niedersachsen! Und bei Audi wird man wohl auch schon ganz langsam damit beginnen um die Zukunft des "Innenraum-Blingblings" zu bangen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.