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VW-Abgas-Affäre: "Wir ermitteln auf Hochtouren"

VW hinter Sicherheitszaun: Rückrufaktion geplant Zur Großansicht
AP/dpa

VW hinter Sicherheitszaun: Rückrufaktion geplant

Volkswagen plant in den kommenden Wochen eine Rückrufaktion für die von den Abgas-Manipulationen betroffenen Autos. Aus Italien, Belgien und der Schweiz droht unterdessen weiteres Ungemach.

Im Skandal um die Manipulation der Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen will Volkswagen nach Angaben eines Sprechers in den nächsten Wochen aktiv werden. "Es läuft auf eine Rückrufaktion hinaus, die für den Kunden kostenlos sein wird", sagte der Konzernsprecher am Sonntag. In der kommenden Woche wolle VW erste Erkenntnisse präsentieren. Dazu würden auch Gespräche mit den Behörden geführt.

Die umstrittene Software müsse mit einem Update "in den Zustand versetzt werden, dass sie der Gesetzgebung entspricht", sagte der Sprecher. "Die meisten Fahrzeuge werden mit einem solchen Update den Regularien entsprechen." Ob noch weitere Änderungen vorgenommen werden müssten, kläre das Unternehmen gerade. "Sollten wir mehr machen müssen als ein Software-Update, werden wir das machen".

Kunden drohen höherer Verbrauch und weniger PS

Für die Kunden könnte der Rückruf ärgerliche Folgen haben. So dürfte das Software-Update den Verbrauch erhöhen oder die Leistung beeinträchtigen oder gleich beides. Was Besitzer von VW-Dieselautos jetzt wissen müssen, steht hier.

Eine Frist des Kraftfahrtbundesamtes für den Volkswagen-Konzern, über die die "Bild am Sonntag" ("BamS") berichtete, konnte der Sprecher dagegen nicht bestätigen. Die "Dringlichkeit" sei dem Unternehmen aber "mehr als bewusst", sagte er. "Wir ermitteln auf Hochtouren und werden die Ergebnisse, sobald wir sie haben, bekannt geben". In einem von der "BamS" veröffentlichten Brief des Kraftfahrtbundesamtes heißt es, Volkswagen solle bis spätestens zum 7. Oktober einen "verbindlichen Maßnahmen- und Zeitplan" vorlegen.

Wegen des Verdachts, dass VW Abschalteinrichtungen verbaut und unzulässig verwendet habe, wird zudem der Status der erteilten Typengenehmigungen geprüft. Die Behörde könnte diese entziehen, wenn VW nicht handelt. Dann dürften die betroffenen Autos nicht mehr verkauft und gefahren werden.

Italien will 1000 Autos testen

Die italienische Regierung will im Zuge des Skandals landesweit 1000 VW-Fahrzeuge stichprobenartig untersuchen lassen. "Jeder Test kostet rund 8000 Euro, aber das ist es uns wert. Wir werden die Ergebnisse in zwei bis drei Monaten haben", sagte Verkehrsminister Graziano Delrio der Zeitung "La Stampa". Man werde nicht warten, bis man die von VW und dem deutschen Kraftfahrtbundesamt erbetenen Daten erhalten habe.

Das Schweizer Bundesamt für Straßen hatte am Freitag sogar ein vorübergehendes Zulassungsverbot für Fahrzeuge mit dem betroffenen Motor angekündigt. Es soll am Montag in Kraft treten. Allerdings ist laut Importeursverband unklar, wie viele Autos mit der älteren Abgasnorm Euro 5 überhaupt noch im Handel sind. Bereits zugelassene Fahrzeuge sind nicht betroffen.

In Belgien hat ein VW-Importeur 3200 Diesel mit dem fraglichen Motor EA 189 vorsorglich vom Markt genommen. Der Verkauf sei gestoppt, bis es von Volkswagen weitere Informationen gebe, hieß es am Samstag. Dann könnten auch die Besitzer informiert werden, die ein Auto mit der betrügerischen Software fahren. Das belgische Wirtschaftsministerium schätzt, dass dies im Land etwa 500.000 Autos betrifft.

Erklärvideo: Wie konnte VW beim Abgastest betrügen?

SPIEGEL ONLINE

nck/dpa/AFP

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insgesamt 333 Beiträge
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1. Wie sieht es denn mit der Erfüllung der Abgasnormen aus? erfüllt.
marcnu, 27.09.2015
Das hat ja mit dem Update nichts zu tun.
2. Lächerlich
cm1 27.09.2015
Mit Hochdruck ermitteln hieße, Druck ausüben auf leitende (Ex) Angestellte. Dann wüssten wir endlich, wer den "Einbau" der verbotenen Technik angeordnet hat. Der VW Konzern ist leider momentan nur gut darin, "heiße Luft" zu verbreiten.
3. Bärendienst für die Umwelt
Ein_denkender_Querulant 27.09.2015
Die Fahrzeuge werden mit dem neuen Update zwar den Abgastest gut bestehen,m aber durch weniger Leistung im unteren Drehzahlbereich für die selber Fahrleistung höhere Drehzahlen benötigen. Dazu sinkt der Wirkungsgrad bei tiefen Drehzahlen. Ab mittleren Drehzallen ist es nicht mehr relevant, weil diese im Abgastest nicht benötigt werden, der Test simuliert Stadtverkehr mit Stadtautobahnen. Stickoxide sind nichts schönes, aber jeder vor einem fahrende Oltimer produziert die tausendfache Menge eine heutigen. Klagt dort jemand auf Körperverletzung?
4. Konsequenzen?
ruebenkatze 27.09.2015
Solche Skandale werden sich in regelmässigen Abständen wiederholen, wenn es keine persönlich haftenden Menschen gibt, die mit ihrem persönlichen Vermögen bis zur Grundversorgung haften. Die Angst vor den persönlichen Konsequenzen von Betrug muss grösser sein als die Angst vor einem Karriereknick in einem Multikonzern. Wenn sich z. B. herausstellen sollte, dass Professor Winterkorn involviert war, sollten seine ganzen Millionenansprüche zur Schadensregulierung verwendet werden. Und so lange nicht die Personen, die diesen Betrug zu verantworten haben, öffentlich benannt werden, halte ich das ganze Wiedergutmachungs- und Erneuerungsgerede von VW für blosses Marketinggeschwätz. So wie bei ADAC und FIFA.
5. Zitat:
go-west 27.09.2015
"So dürfte das Software-Update den Verbrauch erhöhen oder die Leistung beeinträchtigen oder gleich beides.". Und genau deswegen werde ich definitiv nicht an der Rückrufaktion teilnehmen. Ganz im Gegenteil, ich denke aktiv über Chiptuning nach. Ich werde mich definitiv nicht diesen Blödsinn unterwerfen, der unter dem Strich die Umwelt so gut wie gar nichts bringt. Kleiner Hinweis: der Automobile Individualverkehr hat in Deutschland einen Anzahl von 13 % am gesamten CO2 Ausstoß, weltweit gesehen sage und schreibe 0,4. Was den CO2-Ausstoß anbetrifft, war diw deutsche Entscheidung zum Atomausstieg wesentlich schwerwiegender als alle Emissionsreduzierungen zusammengenommen jemals werden erreichen können. Und Fahrspaß ist mir definitiv wichtiger als reine Gewissensberuhigung. Schönen Gruß an die Fraktion der Träumer und Weltverbesserer.
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