Abgasskandal VW-Vorstände müssen zunächst auf 30 Prozent ihrer Boni verzichten

Der Autohersteller Volkswagen schließt das Jahr 2015 mit einem riesigen Verlust ab. Grund sind die Rückstellungen für den Abgasskandal. Für die Vorstände macht sich das jetzt auch finanziell bemerkbar.

Volkswagen-Logo in Wolfsburg
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Volkswagen muss wegen des Skandals um manipulierte Abgaswerte einen Milliardenverlust hinnehmen. Die Wolfsburger weisen für 2015 einen Betriebsverlust von 4,1 Milliarden Euro aus. Der Konzern will im Zuge der Affäre die Vorstandsboni um 30 Prozent kappen. Das sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Der Vorstand des VW-Konzerns stellt seinen Anspruch auf Bonuszahlungen allerdings nur in Teilen zurück und muss keinen endgültigen Verzicht in Kauf nehmen.

Zwar behalte der Konzern etwa 30 Prozent der variablen Vergütung der Vorstände ein. Das Geld werde aber in Aktien umgewandelt und geparkt, teilte Weil weiter mit. Nach drei Jahren werde geprüft, wie sich der Aktienkurs entwickelt hat. Liege der um ein Viertel über dem jüngsten Niveau, werde das Geld ausbezahlt, liege er darüber, gebe es sogar entsprechend mehr Geld zurück. Nur wenn der Kurs darunter liege, bekämen die betroffenen Vorstände das Geld nicht.

Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch darf sich in jedem Fall über einen riesigen Bonus freuen: Er hat sich bei seinem Wechsel vom VW-Vorstand im Oktober 2015 nach SPIEGEL-Informationen deutlich mehr Geld garantieren lassen als bislang bekannt: insgesamt knapp 20 Millionen Euro . Ob auch er vorerst auf einen Teil davon verzichtet, wurde zunächst nicht bekannt.

Volkswagen hatte mit einer illegalen Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert. Dabei ging es um Werte des gesundheitsschädlichen Stickoxids. Dies hatte den Konzern in eine schwere Krise gestürzt. Weltweit sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen. VW drohen neben den hohen Rückstellungen in der Bilanz noch immense Risiken wegen Strafzahlungen und Klagen in Milliardenhöhe.

Rückstellungen von 16,2 Milliarden Euro

Hauptgrund für den 2015 angefallenen Betriebsverlust seien Rückstellungen von 16,2 Milliarden Euro , um die Lasten des Skandals zu schultern, teilte Volkswagen im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung mit. 2014 hatte noch ein operativer Gewinn von 12,7 Milliarden Euro zu Buche gestanden. Unter dem Strich fiel 2015 ein Verlust von 1,6 Milliarden Euro an, nach dem deutschen HGB-Bilanzstandard sogar von 5,5 Milliarden Euro.

Europas größter Autobauer hatte sich am Donnerstag mit den US-Behörden auf Grundzüge eines milliardenschweren Entschädigungsplans verständigt . Dieser sieht in den USA den Rückkauf von bis zu einer halben Million Dieselfahrzeugen mit manipulierten Abgaswerten und eine signifikante Entschädigung der Autobesitzer vor.

Der Umsatz des Konzerns stieg im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent auf 213 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr stellte das Management um Konzernchef Matthias Müller einen Umsatzrückgang bis zu fünf Prozent und eine operative Rendite von fünf bis sechs Prozent in Aussicht.

Zwischenbericht zur Schuldfrage verschoben

Der für Ende April angekündigte Zwischenbericht zur Schuldfrage im Abgasskandal wird auf unbestimmte Zeit verschoben, teilte der Konzern weiter mit. Die Verzögerung hänge mit "unvertretbaren Risiken" zusammen, weil sich mögliche Strafen gegen das Unternehmen mit einer Veröffentlichung erhöhen könnten.

Als Gründe für die Entscheidung nannte Volkswagen sowohl mögliche finanzielle Risiken bei den drohenden Strafzahlungen in den USA als auch negative Effekte bei der Ermittlungsarbeit der amerikanischen Behörden. "Volkswagen bedauert, von seinem ursprünglichen Vorhaben, Zwischenergebnisse der Untersuchung bis Ende April zu veröffentlichen, abweichen zu müssen", hieß es weiter.

Wann der Bericht der Öffentlichkeit präsentiert werden könne, sei unklar. Aufsichtsrat und Vorstand gingen gegenwärtig davon aus, dass zunächst ein umfassender Vergleich mit dem US-Justizministerium erfolgen müsse. Die US-Behörden haben bislang noch keine Angaben zu ihren Ermittlungen oder den zeitlichen Rahmenbedingungen gemacht.

2016 soll wieder schwarz werden

Für das laufende Jahr rechnet Europas größter Autobauer mit einem schrumpfenden Umsatz, traut sich aber nach dem Rekordverlust wieder schwarze Zahlen zu. "In Abhängigkeit von den konjunkturellen Rahmenbedingungen, insbesondere in Südamerika und Russland, der Wechselkursentwicklung und angesichts der Abgasthematik" erwarte VW ein Umsatzminus bis zu fünf Prozent.

Vom Umsatz sollen fünf bis sechs Prozent als operativer Gewinn (vor Zinsen und Steuern) übrig bleiben. Das heißt: VW erwartet wieder schwarze Zahlen. Die Fahrzeugverkäufe des Zwölf-Marken-Konzerns sollen auf Vorjahresniveau liegen - also bei knapp zehn Millionen Stück.

Dividende eingebrochen

VW kürzt wegen des Abgasskandals auch die Dividende erheblich. Der Konzern will für das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 für jede seiner stimmrechtslosen Vorzugsaktien nur noch 0,17 Euro ausschütten. Vor einem Jahr war für 2014 noch der Rekordwert von 4,86 Euro geflossen. Damit liegt der Rückgang bei mehr als 96 Prozent.

Für die stimmberechtigten VW-Stammaktien sollen entsprechend 0,11 Euro fließen, nach 4,80 Euro im Vorjahr.

Für das Land Niedersachsen heißt das beispielsweise, dass der zweitgrößte VW-Aktionär diesmal nur 6,5 Millionen Euro erhält. Vor einem Jahr hatte das Land noch rund 285 Millionen Euro Dividende kassiert. Die für Ende Juni anstehende Hauptversammlung muss dem Dividendenvorschlag noch zustimmen. Das gilt als sicher, weil die Familien Porsche und Piëch als Hauptaktionäre die Mehrheit halten.

Auch Porsche betroffen

Auch Porsche ist entsprechend seiner Kapitalbeteiligung vom Verlust bei VW im vergangenen Jahr betroffen. Vor Steuern falle ein Fehlbetrag von 456 Millionen Euro an, teilte die Holding mit. Der Jahresüberschuss werde dank der im Geschäftsjahr 2015 eingenommenen Dividende der Volkswagen AG für 2014 voraussichtlich aber 871 Millionen Euro betragen. Die Porsche SE schlägt ihrer Hauptversammlung daher eine Dividende von 20,4 Cent je Stammaktie und 21 Cent je Vorzugsaktie vor.

brt/Reuters/dpa

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