Frankreich VW-Tochter manipulierte Verkaufszahlen

Interne Kontrolleure des VW-Konzerns sind einer systematischen Fälschung bei der französischen Tochterfirma auf die Spur gekommen: Nach SPIEGEL-Informationen sind fast 800.000 Autos falsch verbucht worden.

VW-Zentrale in Wolfsburg
DPA

VW-Zentrale in Wolfsburg

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Eine unscheinbare Personalie in den Wirtschaftszeitungen war es, mehr nicht, als Mitte Mai Jacques Rivoal, Chef der französischen VW-Tochter, seinen Rücktritt erklärte. Ein Sprecher des Wolfsburger Autokonzerns gab sich auf Anfrage betont schmallippig. Es habe "Meinungsverschiedenheiten" gegeben zwischen dem Top-Manager und der Unternehmensleitung. Den genauen Grund wollte er nicht nennen.

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Der findet sich in dem Bericht von Konzernrevisoren wieder, interne Prüfnummer 2017-0054-K-GRM-4, vom 24. April dieses Jahres, der dem SPIEGEL vorliegt. Darin beschreiben die Kontrolleure, wie die Verkaufs- und Auslieferungszahlen in Frankreich systematisch manipuliert worden sind. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Demnach hat die Konzerntochter seit dem Jahr 2010 falsche Auslieferungszahlen gemeldet. Offensichtlich ging es darum, die Jahresstatistik besser aussehen zu lassen. Bei fast 800.000 Fahrzeugen der Marken VW, Audi, Seat, Skoda sowie der Nutzfahrzeugsparte verbuchten die Manager die Wagen als ausgeliefert, obwohl sie noch gar nicht zugelassen waren. Bei einem Teil stellten die Revisoren fest, dass sie "erst nach mehreren Monaten oder Jahren zugelassen" worden waren, bei manchen gab es nicht einmal Kaufverträge.

Der vertrauliche Bericht kritisiert auch das Management in Wolfsburg: "Die Governanceaufgaben wurden nicht wahrgenommen." Offensichtlich waren die Manipulationen der Konzernmutter bekannt. Seit dem Jahr 2012 habe man bei der Marke VW das Ausmaß der falschen Auslieferungsmeldungen "detailliert" verfolgt, bei der Marke Audi habe sich der Vertrieb wohl auf die gefälschten Statistiken eingestellt.

Konzernchef Matthias Müller erhielt am 24. April den Prüfbericht - mit bekannten Folgen. VW wollte sich zu den "internen Vorgängen" auf SPIEGEL-Anfrage nicht äußern.

Der VW-Konzern verkaufte in Frankreich im vergangenen Jahr 253.000 Fahrzeuge, so steht es im Konzernbericht. Mit einem Marktanteil von 13 Prozent ist der deutsche Autohersteller damit der größte ausländische Anbieter in Frankreich.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 41 Beiträge
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Badischer Revoluzzer 30.06.2017
1. Mir kann keiner
erzählenn, nur VW würde irgendwelche Tricksereine machen. Was hier zur Zeit passiert ist nichts anderes als den größten Autobauer und größten AG 'deutschlands zu demontieren. Wir befinden uns in einem Wirtschaftskrieg.
steinbock8 30.06.2017
2. Das ist halt das Problem
Wenn die Führung nicht ehrlich ist dann zieht sich diese Unehrlichkeit bis in die kleinsten Spalten und Ritzen der gesamten Firma es bleibt abzuwarten was da noch alles kommt
labuday 30.06.2017
3. jetzt spinnen sie doch das Thema auch zu ende ! Die Politik ist hier
Zitat von steinbock8Wenn die Führung nicht ehrlich ist dann zieht sich diese Unehrlichkeit bis in die kleinsten Spalten und Ritzen der gesamten Firma es bleibt abzuwarten was da noch alles kommt
der Kopf des stinkenenden Fisches - bei VW hat als größter Anteilseigner die SPD/Niedersachsen das Sagen. Wie Sie schon sagten: wenn die Führung nicht ehrlich ist, zieht sich die Unehrlichkeit bis in die kleinsten Spalten und Ritzen des geamten neidersächsischen Filzes.
aufreger1970 30.06.2017
4. Sorry, aber
Zitat von labudayder Kopf des stinkenenden Fisches - bei VW hat als größter Anteilseigner die SPD/Niedersachsen das Sagen. Wie Sie schon sagten: wenn die Führung nicht ehrlich ist, zieht sich die Unehrlichkeit bis in die kleinsten Spalten und Ritzen des geamten neidersächsischen Filzes.
was Sie schreiben ist total falsch! Das Land Niedersachsen hält nur 20% der Aktien, aber durch das "VW-Gesetz" trotzdem ein Veto-Recht.
espet3 30.06.2017
5.
Deswegen kommen mir MRD und PKW seit Jahren nur noch aus Asien. Da weiß ich, dass die Betrügereien in fernen Landen passieren - wenn überhaupt.
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