Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Abgasaffäre: Erste US-Sammelklagen gegen VW-Chef Müller eingereicht

Sein Vorgänger Martin Winterkorn und weitere Topmanager wurden bereits verklagt. Nun soll sich auch VW-Chef Matthias Müller wegen der Abgasaffäre in den USA verantworten.

VW-Chef Müller: Nun auch Beklagter in den USA Zur Großansicht
DPA

VW-Chef Müller: Nun auch Beklagter in den USA

Volkswagen-Chef Matthias Müller soll nach dem Willen von US-Anwälten wegen der Abgasaffäre persönlich zur Rechenschaft gezogen werden. Müller ist Beklagter in drei Sammelklagen, die am Montag beim zuständigen Bezirksgericht in San Francisco eingereicht wurden und die der Nachrichtenagentur dpa und der "Bild"-Zeitung vorliegen.

In den Klagen geht es zumeist um Vorwürfe wegen Betrugs, Vertragsbruchs, irreführender Werbung und Wettbewerbsverzerrung. Außer zahlreichen US-Autobesitzern klagen auch Vertragshändler von VW Chart zeigen und andere Autohäuser, die sich als Opfer des Skandals sehen.

Die Vorwürfe gegen den Autokonzern sind heftig: "Volkswagens illegaler Komplott entstand aus Gier und der Ambition, den weltweiten Automarkt um jeden Preis zu dominieren", heißt es in den 74 bis 719 Seiten langen Klageschriften. Die Rede ist von einem der "unverschämtesten Unternehmensverbrechen der Geschichte".

Gegen Müllers Vorgänger als VW-Chef, Martin Winterkorn, sind bereits vor Längerem entsprechende Klagen eingereicht worden, ebenso gegen den Amerikachef des Konzerns, Michael Horn. Beide sind auch in den neuen Klagen erneut Beklagte. Insgesamt liegen bereits Hunderte Sammelklagen in den USA vor, die gebündelt in San Francisco verhandelt werden sollen.

Müller selbst wird nun vorgeworfen, in großem Stil vom Abgas-Betrug profitiert zu haben, durch den der VW-Marktanteil widerrechtlich erhöht worden sei. Der jetzige Konzernchef sei als Porsche-Chef ein langjähriger "Leutnant" von Winterkorn gewesen, so die Klage. Unter Müller sei der vom Skandal betroffene Porsche Cayenne Diesel herausgebracht worden. Er sei entweder Mitwisser gewesen oder habe die Vergehen rücksichtslos missachtet, heißt es in der Klage.

Keine Stellungnahme von VW

Die neuen Sammelklagen richten sich auch gegen andere Spitzenmanager von Unternehmen, die in die Affäre um manipulierte Abgaswerte Hunderttausender Dieselautos verwickelt sein sollen. Dabei handelt es sich unter anderen um Audi-Chef Rupert Stadler und Volkmar Denner, den Chef des Zulieferers Bosch. Zudem zielen die Klagen auf die US-Chefs von Audi Chart zeigen und Porsche Chart zeigen sowie die ehemaligen VW-Ingenieure Ulrich Hackenberg und Wolfgang Hatz.

Ein VW-Sprecher sagte, der Konzern habe die neuen Klagen zur Kenntnis genommen. Ihr Inhalt werde nun intern bewertet, eine Stellungnahme dazu könne es aber nicht geben, sagte der Sprecher unter Verweis auf die laufenden Verfahren.

Das US-Justizministerium hat bereits im Januar eine Zivilklage im Auftrag der US-Umweltbehörde EPA gegen VW eingereicht. Allein hier droht theoretisch eine Strafe von bis zu 46 Milliarden Dollar. Der Konzern hat den US-Staranwalt Kenneth Feinberg beauftragt, eine außergerichtliche Lösung zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten zu entwickeln.

mmq/fdi/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: