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05. Februar 2017, 12:45 Uhr

Dieselskandal

VW könnte Schadensersatz von Piëch fordern

Ferdinand Piëch hat Ex-Volkswagen-Chef Martin Winterkorn vor der Staatsanwaltschaft belastet - und damit womöglich auch sich selbst. Die IG Metall fordert, Haftungsansprüche gegen den Ex-Aufsichtsratschef zu prüfen.

Lange war es sehr still geworden um den alten Mann hinter Volkswagen: Ex-Aufsichtsratschef und Großaktionär Ferdinand Piëch. In diesen Tagen aber hört die Öffentlichkeit einiges über den 79-Jährigen und seine Rolle im Dieselskandal. Und wenn es ganz schlecht läuft, muss sich der einstmals unangefochtene VW-Patriarch auf Schadensersatzforderungen des VW-Konzerns einstellen.

Nach jüngsten SPIEGEL-Informationen hat Piëch im Skandal um manipulierte Diesel-Motoren gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig ausgesagt, dass er den damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn früher als bisher zugegeben über die Manipulationen unterrichtet habe. Das hieße aber auch: Auch Piëch war als Chefaufseher des Konzerns früh im Bilde, offenbar ohne etwas Nennenswertes unternommen zu haben.

Nach Ansicht der mächtigen Gewerkschaft IG Metall muss sich Piëch deshalb nun womöglich auf Schadensersatzforderungen des VW-Konzerns einstellen. Träfe die Aussage in puncto Staatsanwaltschaft zu, dann stelle sich die Frage, "ob Professor Piëch seine Pflichten als damaliger Aufsichtsratsvorsitzender erfüllt hat", sagte Jörg Hofmann, VW-Aufsichtsrat und IG-Metall-Chef, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er droht: "Dann sind mögliche Haftungsansprüche zu prüfen." Anders ausgedrückt: Piëch müsste von Volkswagen auf Schadensersatz verklagt werden.

Allerdings will Piëch nach SPIEGEL-Informationen vor der Staatsanwaltschaft nicht nur ausgesagt haben, dass er Winterkorn auf "ein großes Problem in den USA" angesprochen habe. Auch soll der damalige VW-Chef ihm versichert haben, dass "ein solches Papier aus den USA" nicht existiere.

Laut VW-Aufsichtsrat Hofmann gilt für Winterkorn ohnehin dasselbe wie womöglich für Piëch: War der ehemalige Vorstandsvorsitzende tatsächlich früher in die kriminellen Machenschaften seiner Ingenieure eingeweiht, wie von Piëch insinuiert, dann "werden wir das in die laufende Prüfung möglicher Haftungsansprüche gegen Organmitglieder einbeziehen", sagt Hofmann.

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