Mögliche Schadensersatzansprüche Niedersachsen unterstützt Vorgehen gegen Winterkorn

"Das geschieht mit ausdrücklicher Unterstützung Niedersachsens": VW prüft eine Schadensersatzklage gegen Ex-Chef Winterkorn - und bekommt Rückendeckung vom zweitgrößten Aktionär. Es geht um bis zu eine Milliarde Euro.

Martin Winterkorn
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Martin Winterkorn


Das Land Niedersachsen unterstützt die Prüfung von Schadensersatzansprüchen gegen den ehemaligen VW-Konzernchef Martin Winterkorn. Der VW-Aufsichtsrat habe in diesem Zusammenhang eine Anwaltskanzlei beauftragt, sagte Ministerpräsident Stephan Weil.

"Das geschieht mit ausdrücklicher Unterstützung der Vertreter Niedersachsens im Aufsichtsrat von VW", meinte der SPD-Politiker. Das Land ist zweitgrößter Anteilseigner von Volkswagen.

Medienberichten zufolge kursieren bereits Zahlen im Umfeld des Aufsichtsrats, auf welche Summen Winterkorn verklagt werden könnte: Sie reichen bis zu einer Milliarde Euro.

Haftbefehl gegen Winterkorn in den USA

Bei der Aufarbeitung des Diesel-Abgasskandals geht es auch um die Frage, ob der VW-Aufsichtsrat Schadensersatzansprüche gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden stellt. Dabei handele es sich um einen selbstverständlichen Teil der Arbeit des Kontrollgremiums, den die niedersächsische Landesregierung mit angeschoben habe, hieß es.

Winterkorn war im September 2015 als VW-Konzernchef zurückgetreten, nachdem US-Behörden Manipulationen bei Dieselautos aufgedeckt hatten. Seitdem sind mögliche Schadensersatzansprüche gegen hochrangige Manager ein Thema für den Aufsichtsrat.

Zuletzt hatte die US-Justiz Haftbefehl gegen den ehemaligen VW-Chef erlassen, nachdem die US-Staatsanwaltschaft in Detroit den Spitzenmanager wegen seiner Rolle bei den Abgasmanipulationen angeklagt hatte. Insidern zufolge will sich Winterkorn bald umfassend zu der Anklage äußern.

Endlich verständlich: Die wichtigsten Daten und Fakten zur VW-Abgasaffäre.

ans/dpa

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flytogether 07.05.2018
1. War schon längst überfällig
Niemand glaubt ernsthaft dass diese Persönlichkeit von den Vorgängen nichts gewusst hat. Dass hier noch niemand ausgepackt hat lügt daran dass die Mitwisser in Deutschland Angst um ihren Job haben. In den USA sitzt mindestens ein Mitwisser in Haft, er hatte nichts mehr zu verlieren und hat ausgepackt. Deshalb auch die Anklage der amerikanischen Justiz. Maßlose Selbstüberschätzung brechen ihm nun das Genick. Schade denn von Autos hat er was verstanden.
bluescreen70 07.05.2018
2. Gut so
Die zweistelligen Millionengehälter werden ja oft auch mit der großen Verantwortung gerechtfertigt. Jetzt soll daraus ruhig einmal Verantwortlichkeit werden. Ansonsten wäre das Gehaltsgefüge in den Vorstandsetagen dringend zu überarbeiten.
mens 07.05.2018
3. Nach Drehbuch
Man möchte meinen den Betrogenen würde jetzt Recht widerfahren. Falsch. Keinen Pfennig werden die Kunden sehen! Dass sich nach Jahren jetzt auch das Land zu Wort meldet und auf Winterkorn rumhackt, nachdem man über Jahre von den Einnahmen und diversen Empfängen etc. profitiert hat, in Kameras gegrinst hat etc., und selber Teil des Systems war, passt in diese erbärmliche Posse. Ich kann jedem nur das Buch -Fegefeuer der Eitelkeiten- ans Herz legen. Nicht ganz neu, aber die menschlichen Abgründe, von Opportunismus und Versagen geprägt, die sich in der Causa VW abzeichnen und bei jedem anderen Skandal, wurden dort schon mal vorweggenommen. Jetzt kommt die Phase der öffentlichen Hinrichtung mit Knalleffekt. Aber die Kohle ist weg.
sailor_84 07.05.2018
4. das Land NDS ist an Heuchelei nicht mehr zu überbieten
wer sitzt denn jetzt auf dem Stuhl von "Winterkorn"? Zitat hier vom [http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/martin-winterkorn-die-lange-vorgeschichte-des-vw-abgasskandals-a-1206261.html] 2015: 27. Juli: VW zufolge beraten sich einzelne Mitarbeiter am Rande einer Routinebesprechung über die Diesel-Thematik, in Anwesenheit von Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess. Laut US-Staatsanwaltschaft wird das leitende VW-Management inklusive Winterkorn an diesem Tag über das "defeat device" informiert und auch über den Umstand, dass die US-Behörden darüber noch nicht Bescheid wissen. Mitarbeiter schlagen vor, die Betrugssoftware den US-Behörden nicht offenzulegen. "Winterkorn stimmte diesem Plan zu", heißt es in der Klageschrift Wer von den "Strolchen" sitzt denn bereits in U-Haft ?
herr_jaspers 07.05.2018
5. Was für ein Unsinn...
So sehr man sich auch wünscht, dem Mann das arrogante Lächeln mittels einer Strafe aus dem Gesicht zu wischen, ist dies doch nichts anderes als ein Bauernopfer auf hohem Niveau. Die Klage muss gegen VW geführt werden, und VW muss bezahlen. Profitiert haben beide vom Betrug. Aber das bleibt ein feuchter Traum. Und bevor jetzt die Schlaumeier aus der Leitung kriechen und rufen "man kann in D keine Konzerne verklagen...alles rechtens im Rahmen der Auslegungsfähigkeit (d.h. Schwammigkeit) der Bestimmungen...Vernichtung der Arbeitsplätze...Betrug ist aber per definitionem blablabla" - ihr seid mehr als langweilig. mfg herr_jaspers
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