Mögliche Fiat-Übernahme Volkswagens Hochzeit im Himmel - oder in der Hölle

Durch eine Übernahme von Fiat Chrysler wäre Volkswagen auf einen Schlag der größte Autobauer der Welt. Die US-Tochter Chrysler könnte VWs Schwäche jenseits des Atlantik ausbügeln. Bleibt nur ein Problem: Fiat.

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Wolfsburg - Die Nachricht weckt düstere Erinnerungen: Als der amerikanische Autobauer Chrysler zum letzten Mal von einem deutschen Konkurrenten übernommen wurde, sprach der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp von einer "Hochzeit im Himmel". Glücklich wurde Daimler Chart zeigen mit seiner Braut aber nie so recht - 2007 entschied man sich für die Scheidung.

Nun schickt sich mit Volkswagen Chart zeigen der nächste deutsche Autokonzern an, den Amerikanern seine Aufwartung zu machen - und nicht nur ihnen: Das manager magazin meldet, Volkswagen-Übervater Ferdinand Piëch habe mit der Fiat-Eignerfamilien Agnelli und Elkann über eine Übernahme von Chrysler mitsamt des Fiat-Mutterkonzerns verhandelt. Die Eigentümerfamilien wollten sich demnach aus dem Autogeschäft weitgehend zurückziehen und nur noch Ferrari selbst weiterführen.

Zwar beeilten sich sowohl Fiat als auch Volkswagen, Kaufverhandlungen zu dementieren. "Derzeit stehen keine Übernahmen auf der Agenda", sagte ein VW-Sprecher. Fragt sich, wie lange das gilt. Denn verlockend scheint der Deal durchaus für die Wolfsburger: Ihr Ziel, Toyota Chart zeigen als größten Autobauer der Welt zu überholen, wäre auf einen Schlag erreicht. Zusammengerechnet verkauften der Volkswagen-Konzern und Fiat Chrysler Chart zeigen 2013 als 14 Millionen Autos.

Chrysler könnte VW in den USA aufhelfen

Strategisch interessant ist für Europas größten Autokonzern aber vor allem Chrysler: Der Milliardengewinn der amerikanischen Tochter rettete dem Fiat-Konzern 2013 die Bilanz. Zudem ergänzen die Marken Chrysler, Jeep und Dodge bislang perfekt das Sortiment der Italiener: Ihre technisch simplen, aber optisch mächtigen Karossen verkaufen sich prächtig, mehr als 900.000 Autos setzte Chrysler 2013 in den USA ab. Mit einem Fiat Panda braucht man sich auf amerikanischen Highways dagegen nicht blicken zu lassen.

Mit dem eigens für den US-Markt angepassten VW-Passat allerdings auch nicht, dessen Verkauf läuft bislang enttäuschend. Und bei den in den USA beliebten Geländewagen und SUV ist die Modell-Palette des Wolfsburger Weltkonzerns eher schwachbrüstig.

Zwar will man im US-Werk in Chattanooga bald den eigenen Geländewagen "Cross-Blue" bauen. Doch hat VW jenseits des Atlantik ein miserables Image: Laut den Marktforschern von J.D. Power gelten VW-Modelle als unzuverlässig und rangieren regelmäßig auf den letzten Plätzen unter allen Autobauern. Volkswagens Kernmarke verkaufte in den USA im ersten Halbjahr 2014 nicht einmal 180.000 Autos, 13 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Mit einer Chrysler-Übernahme würde sich der Konzern einige der in den USA beliebtesten Marken und Modelle in den Konzern holen. VW schafft es derzeit mit keinem seiner Modelle in die Top 20 der meist verkauften Autos. Chryslers Ram Pick-up mit seinem geradezu obszön nach vorne ragenden Grill landet bei amerikanischen Käufern dagegen auf Platz fünf.

Eine Übernahme von Fiat könnte 20 Milliarden Euro kosten

Um die Poleposition vor Toyota zu erobern, braucht Volkswagen aber dringend den Erfolg auf dem US-Markt. Mit ihrer jungen, wachsenden Bevölkerung sind die USA einer letzten großen Märkte, auf dem die Wolfsburger noch viel Luft nach oben haben.

Auch technisch könnte ein Deal mit Chrysler Sinn ergeben, sagt ein Brancheninsider. Zwar haben sich die Amerikaner ihre Profitabilität durch ausbleibende Investitionen in Produktionstechnik erkauft. Doch in dieser Hinsicht gibt es bei Volkswagen reichlich Know-how. Werden Chrysler oder auch Alfa Romeo künftig mit dem Baukasten des Volkswagen-Konzerns gebaut, könnte man so Kosten sparen. Piëchs Interesse an Alfa Romeo ist schon länger bekannt, bislang wehrte Fiat-Chef Sergio Marchionne die Avancen aus Deutschland aber ab.

Um die hübschen Töchter Chrysler und Alfa Romeo zu heiraten, muss sich VW wohl auch Fiat ins Haus holen - in dieser Konstellation eher die nervige Schwiegermutter. Die Italiener schreiben schon jetzt Verluste und produzieren vor allem im schrumpfenden Kleinwagensegment. Dort ist der Volkswagen-Konzern schon jetzt mit seiner Dachmarke, mit Skoda und Seat üppig aufgestellt.

Aus Sicht eines Brancheninsiders wäre eine Fiat-Übernahme deswegen Wahnsinn. Schon die Chrysler-Übernahme wäre schwer zu stemmen, wurde die Tochter doch Ende 2013 schon mit rund 7,5 Milliarden Euro bewertet.

Inklusive der Fiat-Schulden, die Volkswagen mit übernehmen müsste, könnte Fiat Chrysler sogar bis zu 20 Milliarden Euro kosten - dafür müsste VW seine mit 18 Milliarden Euro üppig gefüllte Kriegskasse plündern. Auch die Konzern-Rendite, die Konzernchef Martin Winterkorn mit einem Fünf-Milliarden-Euro-Sparprogramm aufbessern will, würden die Italiener auch kräftig nach unten ziehen.

Doch Piëch ist berüchtigt dafür, betriebswirtschaftlich fragwürdige Zukäufe selbst gegen den Widerstand seines Managements durchzusetzen. Der Riesenkonzern ist sein Lebenswerk. Eine Mega-Hochzeit, die Volkswagen den Absatzrekord bringt, wäre ihm durchaus zuzutrauen. Ob diese Hochzeit aber im Himmel oder in der Hölle endet, müsste sich danach erweisen.

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Seite 1
hansvonderwelt 17.07.2014
1. Wahnsinn !
Die Besitzer von Fiat-Chrysler sind kluge Leute.Nur weg mit der Schrottfirma Fiat,aufgehübscht mit Chrysler.Daimler hat sich mit ihrem Amerikabenteuer beinahe ruiniert.Fragt nach bei Daimler !Der Abstieg der VW Konzerns beginnt.Alles hat seine Zeit !
gucky2009 17.07.2014
2.
Zitat von sysopDPADurch eine Übernahme von Fiat Chrysler wäre Volkswagen auf einen Schlag der größte Autobauer der Welt. Die US-Tochter Chrysler könnte VWs Schwäche jenseits des Atlantik ausbügeln. Bleibt nur ein Problem: Fiat. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/volkswagen-piech-will-fiat-chrysler-uebernahme-a-981513.html
Sollte einfach zu lösen sein. Die restlichen Fiat-Werke werden geschlossen und die Modelle von Seat oder Skoda bekommen ein Fiat-Logo und werden als FIAT verkauft. Einzig der 500 lässt sich noch als Auto verkaufen. Der Rest der PKW-Modellpalette ist doch eh Hoffnungslos veraltet.
chaps 17.07.2014
3. Was bringt es
der größte Autobauer der Welt zu sein, wenn nachher die Kasse nicht stimmt. Bin kein BWLer, vielleicht kann mir das mal jemand erklären. Ansonsten würden VW und Fiat bezüglich der Qualität gut zusammen passen.
morkvamork 17.07.2014
4. kann ich mir so nicht vorstellen
das mit dem US-Passat war Schwachsinn (wie der Phaeton), alle Japaner haben mindestens einen "Truck" im Programm. Muss halt so sein. Aber speziell VW gehört hier (im Süden) zum Strassenbild, mehr wie jeder andere deutsche Hersteller.
rathat 17.07.2014
5.
1. Was würde denn das Kartellamt zu solch einer Fusion sagen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so einfach abgenickt wird. 2. "[...] auf einen Schlag zum größten Autobauer der Welt werden." - an welchen Daten machen Sie das fest? Verkaufte Einheiten oder Umsatz? VW selbst ist jetzt schon nur im wenig renditeträchtigen Klein- und Mittelklassesegment unterwegs. Hier wird durch den Zukauf nichts verbessert.
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