Nach Machtkampf mit VW Zulieferer-Rebell Prevent muss Arbeitern kündigen

Dieses Duell elektrisierte die Autobranche: Deutsche Fabriken einer bosnischen Unternehmerfamilie stoppten 2016 ihre Lieferungen nach Wolfsburg - und legten damit zwei VW-Werke still. Nun lässt der Konzern den Zulieferer fallen.

Prevent-Firmensitz (Archiv)
DPA

Prevent-Firmensitz (Archiv)

Von manager-magazin.de-Redakteur


An den August 2016 erinnern sich die Chefeinkäufer des Volkswagen-Konzerns noch genau - wenn auch nicht besonders gerne. Denn damals ließ ein kleiner Zulieferer den Wolfsburger Autoriesen ziemlich schlecht dastehen. Im Streit um einen geplatzten Großauftrag stellten zwei deutsche Töchter der bosnischen Prevent-Gruppe im August kurzfristig die Lieferungen an den Volkswagen-Konzern ein. Tagelang standen deshalb in den VW-Werken in Wolfsburg und Emden Bänder still.

Letztlich einigten sich VW und Prevent in wochenlangen Verhandlungen auf neue Lieferverträge. Vordergründig gewann die Prevent-Gruppe samt ihren Töchtern den Streit gegen den Goliath Volkswagen. Doch nun passiert das, was Branchenkenner bereits kurz nach der damaligen Einigung zwischen Prevent und Volkswagen voraussagten: Volkswagen lässt die Prevent-Gruppe komplett fallen. So werden aus den vermeintlichen Gewinnern Verlierer - und zwar im Schnellverfahren.

Der heftige Zulieferer-Zoff soll VW 2016 einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag gekostet haben - weil die Wolfsburger zuvor ein wichtiges Detail übersehen hatten. Die Prevent-Gruppe hatte sich taktisch geschickt den kleinen Metallguss-Spezialisten ES Automobilguss einverleibt und so eine mächtige Verhandlungsposition erkauft. Als VW eine andere Prevent-Tochter nach langer Zusammenarbeit aussortieren wollte, setzte Prevent zur Überraschung von Volkswagen diese Macht in vollem Umfang ein.

Volkswagen-Werk in Wolfsburg (Archiv)
AFP

Volkswagen-Werk in Wolfsburg (Archiv)

Nach gut zwei Jahren schlägt Volkswagen nun mit voller Macht zurück. Die Wolfsburger haben die Lieferverträge mit den Prevent-Töchtern ES Automobilguss, Car Trim und Prevent Foamtech fristlos gekündigt. Die beiden Ersteren waren jene Unternehmen, die vor zwei Jahren die Lieferungen an Volkswagen einstellten und so den Bänder-Stillstand auslösten.

700 Beschäftigte direkt von Liefervertragskündigung betroffen

Den Vorwurf einer späten Rache weist Volkswagen von sich, allerdings erklärte der Konzern dazu auch, dass er auf eine "jederzeit planbare und vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit seinen Lieferanten angewiesen sei. Die sieht der Volkswagen-Konzern bei Prevent offenbar nicht mehr gegeben.

Prevent wiederum kündigte an, dass es bei den betroffenen Töchtern zu Kurzarbeit und Kündigungen für die rund 700 Beschäftigten kommen werde. Gegen die außerordentliche Kündigung will Prevent "juristische Schutzmaßnahmen" in die Wege leiten.

Mit rechtlichen Scharmützeln hat die Prevent-Gruppe, die der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor gehört, reichlich Erfahrung. So zofft sich Prevent seit Jahren auch mit Daimler vor Gericht wegen der Lieferung von Sitzbezügen und fordert 40 Millionen Euro Schadensersatz. Ein Richter wurde dabei vor Kurzem auf Antrag von Prevent für befangen erklärt, was das Verfahren weiter verzögert.

Und auch die Taktik, sich durch Zukäufe eine bessere Verhandlungsposition zu verschaffen, hat die Prevent-Gruppe in den vergangenen Monaten weiter verfolgt. Erfolgreich war dabei jedoch nur ein einziger Deal. Im Januar übernahmen sie den saarländischen Gussteile-Spezialisten Halberg Guss mit rund 3000 Mitarbeitern. Halbergs Lieferverträge mit Volkswagen laufen dem Vernehmen nach weiter - vorerst.

Die Liste der spektakulären Fehlschläge von Prevent ist dagegen lang. Monatelang versuchten die Hastors etwa eine feindliche Übernahme des Autoinnenraum-Spezialisten Grammer. Dabei scheiterten sie am Widerstand des Grammer-Managements, das zur Abwehr einen chinesischen Investor ins Boot holte.

Lesen Sie dazu auch: Das Imperium der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor

Auch in der deutschen Möbelbranche kauften die Hastors zu. Den Polstermöbelhersteller Gepade lassen die Hastors wenige Monate nach der Übernahme pleitegehen. Beim ebenfalls übernommenen Esszimmer-Ausstatter Wössner verlagern die Hastors die Produktion im Handumdrehen nach Bosnien.

Größter Deal war zuletzt die Übernahme des Küchenspezialisten Alno. Auch diese Transaktion mündet nach wenigen Monaten in der Insolvenz, die Reste schnappte sich die Beraterlegende Roland Berger. Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwölf Alno-Manager wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.

Vertrauen in der deutschen Industrie erwirbt man sich so nicht gerade. In der Automobilbranche hat die Prevent-Gruppe sich so einen zweifelhaften Ruf erarbeitet: Nämlich den eines Krawall-Zulieferers, der auch bei anderen deutschen Autoherstellern längst auf der schwarzen Liste stehen dürfte.

Niedergang von Prevents Autozulieferer-Töchtern vorgezeichnet

Nach den Fehlschlägen bei Grammer und Alno, dem Ärger mit Daimler und nun der Kündigung durch VW bleibt den Hastors nicht mehr allzu viel Macht oder wirtschaftliche Stärke übrig, um sich in der Autobranche unersetzlich zu machen.

Im Autozulieferer-Geschäft dürfte die Kündigung von VW den Niedergang der Prevent-Töchter beschleunigen. Wie sehr etwa der Volkswagen-Konzern darauf erpicht ist, von Prevent loszukommen, zeigt ein Bericht der WirtschaftsWoche. Demnach kostet Volkswagen der Ausstieg bei Prevent rund 200 Millionen Euro. Davon würden 159 Millionen Euro benötigt, um andere Zulieferer in die Lage zu versetzen, die Aufträge zu übernehmen, schrieb das Magazin unter Berufung auf eine interne VW-Präsentation. Hinzu kämen Schadensersatzforderungen in noch unbekannter Höhe.

Einer aber konnte Prevents Brutalo-Taktik in einen persönlichen Aufstieg ummünzen: Car-Trim-Geschäftsführer Vahidin Feriz nämlich, den Prevent nach Übernahme von Car Trim im Mai 2016 installiert hatte. Ende Februar 2018 ist Feriz zum Geschäftsführer des wichtigsten deutschen Hastor-Vehikels Prevent DEV aufgestiegen. Gerade noch rechtzeitig, damit er den Car-Trim-Mitarbeitern nicht mehr erklären muss, welche Konsequenzen eine Feindschaft mit Volkswagen hat.



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