Abgasaffäre VW ruft Autos in China zurück

Im Zuge des Skandals um geschönte Abgaswerte zieht Volkswagen nun in China Konsequenzen. Das Unternehmen ruft rund 2000 Fahrzeuge zurück. Das Umweltministerium in Peking kündigte eine Untersuchung an.

Volkswagen-Modelle bei Händler in Peking: Chinesische Behörden reagieren
REUTERS

Volkswagen-Modelle bei Händler in Peking: Chinesische Behörden reagieren


Die chinesischen Behörden gelten nicht als besonders zimperlich im Umgang mit ausländischen Konzernen. Entsprechend nervös dürfte die Volkswagen-Führung beobachten, wie die Regierung in Peking auf den Abgasskandal reagiert. Der Konzern zieht bereits erste Konsequenzen: Volkswagen ruft 1950 importierte Fahrzeuge in der Volksrepublik zurück.

Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Wagen vom Typ Tiguan. Bei ihnen soll offenbar bei der Software nachgebessert werden. Man habe den Behörden bereits Vorschläge für technische Lösungen übermittelt, teilte VW in China mit. Nun warte man auf die Genehmigung dafür. Im Land selbst produzierte Fahrzeuge seien nicht betroffen, erklärte das Unternehmen.

Die chinesische Qualitätsaufsicht AQSIQ teilte mit, man sei "höchst besorgt" über die Software in VW-Dieselautos, mit der Abgaswerte bei Tests manipuliert wurden. Sie kündigte zugleich geeignete Maßnahmen an, ohne dies näher zu erläutern. Auch das chinesische Umweltministerium teilte mit, es werde eine Untersuchung von VW-Fahrzeugen starten. Weitere Details wurden nicht genannt.

China ist der weltweit größte Automarkt. Aber es werden dort nur wenige Diesel-Pkw verkauft. Bislang sei nicht zu erkennen, dass das Vertrauen in die Marke VW in der Volksrepublik Schaden genommen habe, sagte Yale Zhang, Chef der Beratungsfirma Automotive Foresight. Aber man müsse die weitere Entwicklung genau im Auge behalten.

VW entschuldigt sich bei Kunden in China

Chinesische Behörden sind berüchtigt dafür, ausländischen Firmen genau auf die Finger zu schauen. Auch staatliche Medien berichten ausführlich über mögliche Fehltritte von Firmen aus dem Ausland.

Gleichzeitig mit der Rückrufaktion veröffentlichte VW auch eine Entschuldigung in China. Man bedaure die Unannehmlichkeiten, die für Kunden entstehen, hieß es. "Wir versichern Ihnen, dass wir alles Menschenmögliche tun, um Vertrauen zurückzugewinnen und allen Sorgen Rechnung zu tragen."

VW gehört neben dem US-Konzern General Motors zu den gefragtesten ausländischen Autoherstellern in China. Volkswagen hat im vergangenen Jahr 3,67 Millionen Autos in China verkauft. Allerdings musste VW zuletzt sinkende Verkäufe hinnehmen. Der China-Chef von VW hatte selbst eingeräumt, dass es das Unternehmen versäumt habe, entsprechende Fahrzeuge im SUV-Segment anzubieten. Hier war die Nachfrage der chinesischen Käufer besonders groß.

Unterdessen zieht der Abgasskandal auch in Deutschland weitere Konsequenzen nach sich. Laut einem Bericht wird der zurückgetretene VW-Vorstandschef Martin Winterkorn dazu gedrängt, nun sämtliche Posten im Konzern abzugeben. Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR sei mit diesem Schritt in den kommenden Tagen zu rechnen. Es handle sich um folgende Ämter: Chef der Porsche SE Holding, Aufsichtsratschef bei Audi, Aufsichtsratschef bei der Lkw-Tochter von VW sowie Aufsichtsrat bei Porsche.

mmq/Reuters/AP

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insgesamt 9 Beiträge
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wll 12.10.2015
1. Kein Titel
Ausgerechnet chinesische Behörden gerieren sich als sittenstrenge Wächter der Geschäftsethik, das entbehrt nicht einer gewissen Komik. Bei bleiverseuchtem Kinderspielzeug oder gefälschten Markenartikeln westlicher Firmen verfährt man bekanntermaßen wesentlich großzügiger. Aber der Schrott stammt ja aus einheimischer Produktion und wird exportiert, da passt das dann schon. Einmal ganz davon abgesehen, dass die paar Diesel-PKW von VW, um die es hier geht, bei dem, was Kohlekraftwerke und Industrie dort so an Schadstoffen emittieren im Grundrauschen untergehen...
Butenkieler 12.10.2015
2. VW ist Schuld am Smog in China
und ist daher dementsprechend zu bezahlen. Kann VW das nicht aufbringen ist ersatzweise das Bundesland Niedersachsen, als Anteilseigner von VW dafür zuständig. Oder im Endeffekt Deutschland, da Niedersachsen ein Teil von Deutschland ist.
hatshepsut 12.10.2015
3. VW entschuldigt sich bei den Amerikanern und den Chinesen
Nur auf die dummen Deutschen wird ge... ;-) In China eh egal, da gibts kaum VW Diesel und wenn dann schaffen die die chinesischen Normen locker auch ohne Software, denn die entspricht unserem Euro3 Standard. Auch wenn ich der Meinung bin, dass der Umweltaspekt hier total übertrieben wird, das nehme ich weder den Chinesen noch den Amerikanern ab, so ist die Vortäuschung falscher Tatsachen durch die Software das eigentliche Problem. Hab aber auch noch nie verstanden wieso jemand das überteuerte bieder aussehende VW Zeugs kauft.
laracrofti 12.10.2015
4. Ämter Ämter
Jede Menge Ämter, kein Wunder dass Wiko keine Zeit hatte um seiner primären Aufgabe, Lenkung und Kontrolle von VW, richtig nachzukommen.
spontanistin 12.10.2015
5. Kriminelle Energie
Wer meint, mit kriminellen Methoden arbeiten zu müssen, sollte seine Gegner schon genau kennen. Sonst läßt man es einfach sein. Hoffentlich wird bei allen Diesel-PKWs die eingebaute Software, die prinzipiell auch jede Veränderung am Abgasstrang durch angebrachtes Messequipment beim Fahrtest erkennen kann (Druckverhältnisse, typische Geräusche) gründlichst überprüft!
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