Forderung aus NRW Volkswagen soll deutsche Kunden entschädigen

Vom Abgas-Skandal bei Volkswagen sind auch europäische Autos betroffen. NRW-Justizminister Kutschaty fordert deshalb bereits Entschädigung für Betroffene in Deutschland. Kalifornien kündigt umfassende Schritte gegen VW an.

Golf-Produktion in Wolfsburg: "Die deutschen Kunden sollen in die Röhre gucken"
DPA

Golf-Produktion in Wolfsburg: "Die deutschen Kunden sollen in die Röhre gucken"


Der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) hat Entschädigungen für Autofahrer in Deutschland gefordert, die vom VW-Skandal betroffen sind. "Verkehrsminister Alexander Dobrindt muss einen verbindlichen Rahmen mit VW vereinbaren, wie die Betroffenen entschädigt werden müssen", sagte Kutschaty der "Rheinischen Post".

Erst am Donnerstag hatte Dobrindt mitgeteilt, dass Abgaswerte auch bei Autos in Europa manipuliert wurden. "Jetzt sollen aber nur die Kunden aus den USA Schadensersatz bekommen", so Kutschaty. "Die deutschen Kunden sollen in die Röhre gucken. Und warum? Weil Deutschland den Kampf gegen die Wirtschaftskriminalität komplett verschlafen hat." Deutschland brauche ein "richtiges Unternehmensstrafrecht", um gegen schwere Wirtschaftskriminalität vorgehen zu können.

In den USA sind die Ermittlungen gegen VW bereits weiter gediehen. Die Emissionsschutzbehörde von Kalifornien kündigte am Donnerstag umfassende Schritte gegen den Konzern an. Es sei allerdings noch zu früh zu sagen, welche Strafen verhängt werden, sagte Behördenchefin Mary Nichols.

Vor einer Woche hatte die US-Umweltbehörde EPA enthüllt, dass VW in Diesel-Modellen der Jahre 2009 bis 2015 eine Software zur Umgehung von Emissionskontrollsystemen verbaut habe. Das Programm erkennt, ob das Auto auf einem Teststand läuft und reguliert den Motor so, dass Grenzwerte eingehalten werden. Im Normalbetrieb liegen die Werte jedoch bis zu 40 Mal höher als vorgegeben. VW hat die Abgas-Manipulationen in den USA zugegeben.

Verdeckter Rückruf in den USA

Mittlerweile wurde bekannt, dass der Konzern bereits im April in den USA versucht hatte, die Manipulationen durch einen verdeckten Rückruf von Dieselautos zu beheben. Das Unternehmen forderte Halter von VW- und Audi-Fahrzeugen auf, ihre Autos in die Werkstätten zu bringen, um eine neue Software aufzuspielen. Nichols sagte, Kalifornien wolle auch die Rückrufaktion unter die Lupe nehmen.

Auch australische Wettbewerbshüter treten nun auf den Plan. Die zuständige Behörde ACCC kündigte am Freitag eine Untersuchung an. Dabei soll ermittelt werden, ob der Autobauer mit seinen Angaben zu Schadstoffemissionen Verbraucher irregeführt hat.

Wegen der Affäre hatte der bisherige VW-Chef Martin Winterkorn am Mittwoch seinen Rücktritt erklärt. Nachfolger soll der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller werden, das dürfte der Aufsichtsrat schon am Freitag beschließen.

Winterkorn bleibt jedoch laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung vorerst auf zentralen Führungspositionen des VW-Konzerns. Winterkorn sei weiterhin Vorsitzender der Porsche Automobil Holding SE, der Muttergesellschaft der Volkswagen AG, die rund 51 Prozent der VW-Stammaktien hält. Außerdem sei er weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender der Audi AG. "Das ist im Präsidium bisher offenbar niemandem aufgefallen", zitiert die Zeitung einen VW-Insider.

dab/dpa/AFP

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insgesamt 371 Beiträge
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Seite 1
Spiegelleserin57 25.09.2015
1. Ueberprüfungen sollten neutral sein!
Überpruefungen sind gut und richtig aber sie sollten neutral sein, d.h. auch andere Fahrzeuge sollten getestet werden, auch ausländische da es nicht publiziert ist dass diese die Normen einhalten. Maqn leist immer nur von VW , was mit General Motors und all die anderen- stand da auch kein Fahrzeug zur Verfügung?
megainfo 25.09.2015
2.
Kann man den nicht mal auf hören mit dieser Hysterie? Entschädigen, was? Das die Emissionen etwas zu hoch liegen? Das ist bestimmt eine der Sachen auf die ein Verbraucher am meisten achtet wenn er ein Auto kauft. Hört doch bitte auf hieraus einen Skandal zu machen, das ist lächerlich! Wenigstens sterben VW Kunden nicht an ihrem Produkt.
c.PAF 25.09.2015
3.
Wo ist denn konkret der Schaden, den die deutschen Autofahrer haben? Müssen die jetzt mehr KFZ-Steuer zahlen? So ein Schmarrn, außer der Umwelt ist niemanden in Deutschland ein Schaden entstanden. Oder ist tatsächlich geplant, die Fahrzeuge steuerlich schlechter einzustufen? Das wird aber die Politik nicht wagen... Also, wo ist bitte der konkrete Schaden für den einzelnen Autofahrer?
Immanuel_Goldstein 25.09.2015
4.
Eine Entschädigung setzt voraus, dass man einen Schaden erlitten hat. Welchen Schaden haben die Kunden bitte erlitten, wenn ihr Auto mehr Abgas ausstößt, als angegeben? Den Schaden hat allein die Umwelt, also die Gemeinschaft und dafür gibt es Gesetze, die dafür Strafen per Gerichtsentscheid durchsetzen. Ich sehe hier keinerlei zivilrechtlichen Anspruch. Genauso gut könnte man Argumentieren, durch den erhöhten Schadstoffausstoss sind Selbstmörder in der Garage schneller zu Tode gekommen, als sie es geplant hatten.
ptb29 25.09.2015
5. Ist immer noch Sommerloch? Sind schon wieder Wahlen in NRW?
Die Kunden haben sich bewusst für einen VW entschieden. Wenn sie sich auf die Herstellerangaben verlassen haben, sind sie blauäugig. Ausgerechnet die Politik, die seit Jahren verhindert, dass realere Testzyklen eingeführt werden, kommen jetzt aus ihren Gräben.
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