Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Abgas-Skandal: Die Welt gegen Volkswagen

Volkswagen hat die Abgaswerte von Millionen Fahrzeugen geschönt. Jetzt kommt die Quittung: Weltweit ermitteln Behörden, die Schweiz stoppt den Verkauf von VW-Dieselautos. Die Bundesregierung fürchtet um das Image von "Made in Germany".

Polo-Werbung in Indien: Auch hier werden nun Tests eingeleitet Zur Großansicht
DPA

Polo-Werbung in Indien: Auch hier werden nun Tests eingeleitet

In den USA fing es an, inzwischen ist der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen ein internationales Problem. Viele Länder fordern vom Wolfsburger Konzern Aufklärung: Blasen VW-Dieselautos auch auf ihren Straßen mehr Schadstoffe in die Luft als vom Hersteller angegeben? Teilweise könnte die Affäre auch strafrechtliche Folgen für Volkswagen haben.

In den USA, wo die Affäre nach Ermittlungen der Umweltbehörde EPA ihren Anfang nahm, droht VW eine Strafzahlung von bis zu 18 Milliarden Dollar. Die Behörde verweigerte dem Konzern zuletzt, seine Dieselmodelle im kommenden Jahr zu verkaufen. Die Behörde will auch die Dieselmodelle anderer Hersteller auf Manipulationen prüfen. Es laufen außerdem strafrechtliche Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen Volkswagen, auch die Umweltbehörde des Bundesstaats Kalifornien leitete eine Untersuchung ein. Darüber hinaus drohen VW eine Reihe Sammelklagen von Kunden.

In Deutschland leitete die Staatsanwaltschaft Braunschweig eine Voruntersuchung ein, bei der mehrere Anzeigen gegen Volkswagen geprüft werden. Die Bundesregierung ordnete ihrerseits eine Untersuchung aller Dieselmodelle von VW an und will später auch die Fahrzeuge anderer Hersteller überprüfen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks kritisierte Volkswagen scharf: Es werfe einen Schatten auf die Versprechen deutscher Unternehmen, wenn sich ein Weltkonzern wie VW derart eklatant über Umweltregeln hinwegsetze, sagte sie dem "Handelsblatt". "Die Glaubwürdigkeit der deutschen Industrie ist ein hohes Gut. Die Marke 'Made in Germany' darf deshalb nicht in Mitleidenschaft gezogen werden." Laut Verkehrsministerium sind auf deutschen Straßen 2,8 Millionen Fahrzeuge mit der Manipulationssoftware unterwegs.

In Frankreich kündigte Umweltministerin Ségolène Royal eine eingehende Untersuchung an. Gegen Volkswagen laufen nun Ermittlungen wegen Betrugs. Zudem wollen die Behörden von kommender Woche an nach dem Zufallsprinzip hundert Autos aller Marken auf die Einhaltung der Abgaswerte überprüfen.

Die Schweiz verbietet den Verkauf von womöglich betroffenen Dieselfahrzeugen der Marken VW, Audi, Seat und Skoda bis auf Weiteres. Laut dem Bundesamt Astra könnten 180.000 Fahrzeuge mit potenziell manipulierter Software auf den eidgenössischen Straßen unterwegs sein.

Die EU-Kommission rief die Mitgliedstaaten auf, "auf nationaler Ebene die nötigen Untersuchungen" einzuleiten und anschließend die Ergebnisse mitzuteilen.

Großbritannien forderte von der EU die Einleitung einer europaweiten Untersuchung und rief zugleich die Automobilhersteller zur Überprüfung der Abgaswerte auf.

In Italien ordnete das Verkehrsministerium eine Untersuchung bei Volkswagen sowie bei dem für die Zulassung von Autos zuständigen Amt an.

Auch Norwegen geht dem Verdacht auf Betrug nach und prüft, ob die importierten VW-Fahrzeuge mit der fraglichen Software ausgerüstet waren.

Südkorea will Mitte Oktober das Abgasniveau von drei VW-Modellen kontrollieren. Laut Umweltministerium sind rund 59.000 Fahrzeuge mit der Manipulationssoftware im Land unterwegs.

Auch Indien ordnete die Einleitung einer Untersuchung an und beauftragte die Vereinigung für Automobil-Forschung mit entsprechenden Tests.

In Mexiko prüft die Regierung, ob Motoren mit der entsprechenden Software in der Fabrik von Puebla hergestellt werden, wo VW Tausende Fahrzeuge für den US-Markt produziert.

Die Umweltbehörde in Singapur hat laut "Straits Times" eine Überprüfung der importierten VW-Fahrzeuge eingeleitet.

Erklärvideo: Wie das Auto merkt, dass es geprüft wird

SPIEGEL ONLINE

yes/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 378 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die Bundesregierung fürchtet um das Image von
Fehlerfortpflanzung 26.09.2015
Selber schuld. Wenn man sich immer nur als Steigbügelhalter für die Wirtschaft versteht, sieht man am End irgendwie blöd aus.
2. zwei Dinge fallen mir
pratter 26.09.2015
zu diesem inzwischen zur Medien-Hysterie mutierten Skandal ein: 1. Da dreht die Konkurrenz am Rad um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen 2. Es war hohe Zeit für einen VW-Dämpfer.
3. Mein nächstes Auto
heinerkarin 26.09.2015
wird trotz allem wieder ein VW sein, wie schon seit über 40 Jahren. Andere haben auch Dreck am Stecken, wetten?
4. Nicht nur das Image von VW
dunnhaupt 26.09.2015
Einer Bundesregierung, die diese Manipulationen nicht nur duldete, sondern sie auch jetzt noch kleinredet, die auch jetzt noch NICHTS gegen die Betrüger unternimmt, kann niemand trauen. Offensichtlich stecken sie unter einer Decke. Die Kleinen werden verfolgt, aber die großen Betrüger feiern ihre Geburtstage im Kanzleramt. Das ist es, was man von Deutschland denkt.
5. Einigen Ländern
Pfaffenwinkel 26.09.2015
dürfte dieser Abgas-Skandal von VW sehr gelegen kommen, um die eigene Autoinudstrie zu stärken. Ein Schelm, wer dabei schlechtes denkt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Von Chrysler bis Toyota: Große Rückrufaktionen

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: