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Neuer Skandal

VW hat Tausende Risikofahrzeuge ungeprüft verkauft

Versuchswagen für ahnungslose Kunden: VW hat nach SPIEGEL-Informationen Fahrzeuge zu Geld gemacht, die eigentlich zu Testzwecken gebaut wurden. Nun will der Konzern die Problemkarren wieder einsammeln.

DPA

VW-Fahrzeuge

Freitag, 07.12.2018   12:01 Uhr

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Der vom Dieselskandal geschüttelte Automobilhersteller VW schlingert in eine neue Affäre. Der Konzern hat Tausende sogenannter Vorserienfahrzeuge in "unklarem Bauzustand" ungeprüft an ahnungslose Kunden in aller Welt verkauft. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte mit allen Hintergründen bei SPIEGEL +.)

Darunter sind einige, die gefährlich sein könnten, weil keiner sagen kann, welche Teile in ihnen verbaut wurden. Die Käufer ließ der Konzern jahrelang in dem Glauben herumfahren, ihr Wagen komme aus der normalen Serie, geprüft auf alle Funktionen, fehlerfrei.

Dem SPIEGEL liegen interne Papiere aus dem VW-Konzern vor, die belegen, wie falsch diese Annahme war. Der jetzige Konzernchef Herbert Diess war durch mehrere Revisionsberichte seit Juli 2016 über das Problem und die damit zusammenhängenden Risiken informiert. Dennoch dauerte es mehr als zwei Jahre, bis VW Anfang Dezember Tausende Kunden anschrieb, sich bei ihnen entschuldigte und sie aufforderte, dem Konzern ihre Autos zurückzuverkaufen.

Fast 17.000 solcher Versuchsmodelle, die "Problematiken unterliegen" hat VW von 2006 bis 2015, "ohne Prüfung und Korrektur vermarktet", wie es in einem Bericht der VW-Revision heißt. Deren Prüfer hatten im Juli 2016 Alarm geschlagen und in einer als "vertraulich" eingestuften Mitteilung "dringenden bereichsübergreifenden Handlungsbedarf" festgestellt.

"Erhebliche Schwächen"

In einem im Oktober 2016 vorgelegten Bericht monierten sie "erhebliche Schwächen"; die "Governanceaufgaben", also die Verantwortung für saubere Geschäfte, seien "im Wesentlichen nicht wahrgenommen worden" - eine deutliche Kritik am Topmanagement des Konzerns.

Allein für die Baujahre 2010 bis 2015 stuften die Prüfer 9063 Autos als Risikofahrzeuge ein, Fahrzeuge von denen niemand im Konzern wusste, was alles ein- oder ausgebaut wurde, welche Macken sie hatten, welche Aussetzer drohten. In einigen Fällen fanden die Revisionsexperten sogar Hinweise auf Manipulationen. Werke hätten "manuell" Karosserie-Nummern von Vorserienfahrzeuge auf den Starttermin der regulären Serie verschoben und so das echte Herstellungsdatum verschleiert. VW sagt heute, es seien keine Fahrzeugnummern manipuliert worden.

Erst im Mai dieses Jahres, zwei Jahre nach der ersten Meldung, beschloss VW ein Rückkaufprogramm. Mindestens 5555 Autos, die "nicht vermarktungsfähig" waren, will der Konzern nun von seinen Kunden zurückkaufen. Im September informierte Volkswagen schließlich das Kraftfahrt-Bundesamt. Dessen Beamte ordneten einen verpflichtenden Rückruf an und informierten die EU. "Diese Fahrzeuge sind unzulässig in den Verkehr gekommen", heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium. Ein VW-Sprecher teilte mit, der Konzern habe mit Hochdruck aufgeklärt. Der Rückruf sei eine "vorsorgliche, proaktive Vorgehensweise", um mögliche Risiken auszuschließen.

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