Abgasaffäre Techniker belastet VW-Top-Manager schwer

Schwere Vorwürfe gegen den früheren Chef der VW-Motorenentwicklung: Einem Zeitungsbericht zufolge hat ein Techniker ihn bereits 2011 vor fragwürdigen Praktiken gewarnt.

Manager Neußer: Informationen nicht ernst genommen?
Volkswagen

Manager Neußer: Informationen nicht ernst genommen?


In der Abgasaffäre bei Volkswagen hat ein Motorentechniker des Unternehmens offenbar einen hochrangigen Manager schwer belastet. Nach Informationen des Rechercheverbunds von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR soll der Mann bereits 2011 den damaligen Chef der VW-Motorenentwicklung, Heinz-Jakob Neußer, vor möglicherweise illegalen Praktiken gewarnt haben.

In einer Befragung durch die Konzernrevision habe der Techniker nun sinngemäß erklärt, seine Informationen seien von Neußer offenbar nicht ernst genommen worden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Für eine Stellungnahme sei der Manager nicht erreichbar gewesen. VW erklärte, man befinde sich in einem "intensiven Aufklärungsprozess". Erst wenn man ein "klares Bild" habe, könne man Details zum Handeln einzelner Personen nennen. Das Unternehmen verwies zudem auf die Unschuldsvermutung.

Neußer war zuletzt als VW-Markenvorstand tätig. Er soll - ebenso wie der Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg und Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz - bereits beurlaubt worden sein. VW bestätigte bereits in der vergangenen Woche Beurlaubungen, lehnte einen Kommentar zu einzelnen Personen jedoch ab.

Die ersten Ergebnisse der internen Ermittlung sollen am Mittwoch bei einer Sitzung des VW-Aufsichtsratspräsidiums vorgelegt werden. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet unter Berufung auf Konzernkreise, dass die Entscheidung zum Einbau der Manipulationssoftware in Dieselfahrzeugen bereits in den Jahren 2005 und 2006 gefallen sein soll - und zwar in der Motorenentwicklung in der VW-Zentrale in Wolfsburg.

Der damalige Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der frühere Markenchef Wolfgang Bernhard ließen am Dienstag mitteilen, keinerlei Kenntnis von der Verwendung solcher Software gehabt zu haben. Sie könnten dies eidesstattlich versichern, teilten sie über die Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann mit.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Heinz-Jakob Neußer sei zuletzt als VW-Markenchef tätig gewesen, Wolfang Hatz als Porsche-Vorstandschef. Beides ist nicht korrekt. Neußer war VW-Markenvorstand, Hatz Mitglied im Vorstand der Porsche AG.

brk/dpa

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insgesamt 120 Beiträge
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argonaut-10 29.09.2015
1. Die Frage ist doch
wer hat tatsächlich diese Software auf Anfrage und Beauftragung programmiert? Wer hat die Anweisung gegeben? Und am Ende... wer hat alles geschwiegen und wer war informiert? Erst dann kann man das Bild komplett machen. Dass da jemand ein Memo absetzt und es nicht weiter verfolgt, ist doch äußerst dünn.
crimesceneunit 29.09.2015
2. für eine Stellungnahme nicht erreichbar...
gewesen. Lächerlich - wenn's eng wird, sind immer alle nicht erreichbar und haben wahrscheinlich auch Erinnerungslücken. Aber man betont natürlich gleich, dass die Unschuldsvermutung gilt. Das kennt man ja schon zur Genüge in der Kuschelrepublik Deutschland, ja keinem wehtun...
forrest84 29.09.2015
3.
Bosch soll die Software geliefert haben, hat aber darauf hingewiesen, dass diese nur für Tests ist und nicht im regulären Betrieb verwendet werden darf, da illegal. Das ist der Stand der aktuellen Medienberichte.
shark 29.09.2015
4. Man
sollte auch den Zulieferer Bosch in die Zange nehmen. Wenn die Manager auch von sich behaupten, nichts dabon gewusst zu haben - warum hat diese Firma dann die hunderttausende dieser manupulierten Chips geliefert???
pritt 29.09.2015
5. Programmierer...?
Derjenige der das Pflichtenheft als Auftraggeber unterschrieben hat ist verantwortlich. Sonst niemand.
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