Umstrittene Tierversuche VW will prüfen, wie es den Affen geht

Dieselaffäre, Kartellvorwürfe, jetzt umstrittene Tests an Affen: VW hat seinen nächsten Skandal. Nun werden weitere Tierversuche "absolut ausgeschlossen", Konzernchef Müller will Konsequenzen ziehen.

Schornsteine des Volkswagen-Werkes in Wolfsburg
DPA

Schornsteine des Volkswagen-Werkes in Wolfsburg


Mit einer in den USA in Auftrag gegebenen Studie wollte VW beweisen lassen, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. Dabei wurden Affen bei Tests gezielt Schadstoffen ausgesetzt. Künftig will Volkswagen auf solche umstrittenen Tierversuche verzichten, sagte der VW-Generalbevollmächtigte und frühere Regierungssprecher unter Gerhard Schröder, Thomas Steg, der "Bild"-Zeitung: "Wir wollen Tierversuche für die Zukunft absolut ausschließen. Damit so etwas nicht noch einmal passiert." Der Konzern lasse prüfen, was nach den Versuchen mit den Affen geschehen sei, in welchem Zustand sie übergeben wurden und wie es ihnen heute gehe.

Zuvor hatte sich bereits der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller zu den Experimenten geäußert. Als inakzeptabel bezeichnete der VW-Chef die Abgastests: "Die damals von der EUGT in den USA praktizierten Methoden waren falsch, sie waren unethisch und abstoßend. Mit Interessenvertretung oder wissenschaftlicher Aufklärung hatte das nichts, gar nichts zu tun." Es müssten nun "alle nötigen Konsequenzen" gezogen werden.

Die umstrittenen Tests sollen auch Thema im Bundestag werden. Die Grünen beantragten für diese Woche eine Aktuelle Stunde im Parlament. "Wir fordern die Bundesregierung auf, klar zu sagen, ob sie bereits von den zwielichtigen Methoden der Autoindustrie wusste und inwieweit diese sogar aus öffentlichen Geldern finanziert wurden", sagte Fraktionsgeschäftsführerin Britta Haßelmann. Sie warf den Autobauern vor, mit angeblich wissenschaftlichen Tierexperimenten und Tests an Menschen die Gefahr von Stickoxiden zu verharmlosen. Der Grünen-Politiker Harald Ebner forderte striktere Richtlinien für Tierversuche. Der Bundestagsabgeordnete sagte der "Heilbronner Stimme": "Die deutschen Behörden haben nach aktueller Regelung zu wenig Handhabe, Tierversuche wirksam zu begrenzen. Alternative Methoden werden viel zu wenig gefördert."

Heftige Kritik von allen Seiten

Der niedersächsische Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Bernd Althusmann hatte die Tierversuche beim Test von Dieselabgasen als "absurd und unentschuldbar" bezeichnet. Er erwarte neben einer vollständigen Aufklärung und einem umfassenden Bericht an den Aufsichtsrat "harte personelle Konsequenzen" für diejenigen, die für diese Tierversuche verantwortlich seien, sagte der CDU-Politiker. Die Verantwortlichen sollten umgehend ermittelt werden.

Der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt sagte, er sei nicht bereit, solche Verhaltensweisen hinzunehmen. Die Hersteller seien zu einer Sondersitzung der Untersuchungskommission des Ministeriums zum Abgasskandal gebeten worden.

Die EUGT ("Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor") - eine von VW, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative - hatte die Studie, in deren Rahmen es zu den Tierversuchen mit Affen kam, zu diesem Zweck beim US-amerikanischen Lovelace Respiratory Research Institute in Auftrag gegeben. Dem Studienleiter zufolge war VW dabei federführend. (Lesen Sie hier mehr zu den Machenschaften der EUGT.)

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) verurteilte die Tests: "Hier zeigt sich einmal mehr: Technik und Wissenschaft müssen sich grundsätzlich im Rahmen des gesellschaftlich und ethisch Verantwortbaren bewegen", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Auch Daimler distanzierte sich von den Studien und der EUGT. "Wir sind über das Ausmaß der Studien und deren Durchführung erschüttert", hieß es. BMW teilte mit, an den genannten Studien nicht mitgewirkt zu haben: "Wir haben umgehend mit einer internen Untersuchung begonnen, um die Arbeit und Hintergründe der EUGT sorgfältig aufzuklären."

max/dpa



insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
luganorenz 30.01.2018
1. Jetzt will es mal wieder keiner gewesen sein
Alle tun erbost. Das ich nicht lache. Erinnert an die Tabakindustrie. Nur noch Lügen, als hätte der Verbrenner irgendeine Zukunft.
reader001 30.01.2018
2.
Der Fisch stinkt immer vom Kopf! Wie wäre es denn mal damit, Werte nicht nur vermiiteln zu wollen, sondern diese auch selbst zu leben. Das fängt wohl im Vorstand an und auch damit, die einheimischen Kunden endlich angemessen zu entschädigen.
ulrics 30.01.2018
3.
Weitere werden ausgeschlossen? Wie viele gab es wohl bisher? Mir kommt jedenfalls kein "Volkswagen" auf den Parkplatz! Erst Käufer betrügen und Menschen in Städten vergiften und auch noch Tier- und Menschenversuche. Dieser Konzern hat erhebliche ethisch Probleme und es dürfte sicher sein, dass ein VW nicht Vegan ist.
spon_2367785 30.01.2018
4.
Man sollte auch prüfen lassen, ob den Familien der Affen Schadenersatzforderungen zu stehen.
R2-D3 30.01.2018
5. Scheinheilig
Ja, wunderbar, schaut mal wie es den begasten Affen geht! Und dann schaut auch bitte mal, wie es den Menschen an den dreckigsten Standorten Deutschlands (z.B. Neckartor, Stuttgart) geht. Ist es nicht schon bewiesen, dass 40000 Menachen jährlich früher sterben durch zu viel Stickoxide.
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