Satter Gewinn Volkswagen trotzt der Euro-Krise

Asien und Amerika sei Dank: Volkswagen hat im ersten Halbjahr seinen Gewinn um mehr als ein Drittel gesteigert. Die Anleger reagierten dennoch enttäuscht.

Volkswagen-Logo: "Entwicklung des Gesamtmarktes zu übertreffen"
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Volkswagen-Logo: "Entwicklung des Gesamtmarktes zu übertreffen"


Wolfsburg - Viel hilft viel: Dieses Motto scheint in Zeiten der Schuldenkrise für Volkswagen zu gelten. Während andere große Hersteller wegen des Abschwungs im Süden Europas hohe Verluste einfahren, gleicht der Multi-Marken-Konzern diese Rückgänge problemlos in anderen Weltregionen aus. Im ersten Halbjahr verdiente der Konzern unterm Strich 8,8 Milliarden Euro mehr, fast 36 Prozent mehr als bis zur Jahresmitte 2011. Bei den Verkäufen lag Volkswagen Chart zeigen ebenfalls im Plus. Von Januar bis Juni lieferten die einzelnen Marken rund 4,6 Millionen Fahrzeuge aus - 10,3 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Vor allem in Asien läuft es für Europas größten Hersteller nach wie vor gut. Mit 1,3 Millionen Modellen wurde seit Jahresbeginn fast jedes dritte Auto aus dem Konzern auf dem wichtigsten Einzelmarkt China ausgeliefert - ein Plus von 17,5 Prozent. Auch für Amerika stand nach den ersten sechs Monaten ein dickes Plus in der Vertriebsstatistik: In den USA betrug die Steigerung mehr als 30 Prozent. Der Pkw-Absatz in Europa ist dagegen seit Monaten auf Talfahrt. Im ersten Halbjahr wurden hier so wenig Autos verkauft wie zuletzt 1994.

Vorstandschef Martin Winterkorn sagte mit Blick auf die massiven Absatzprobleme vieler Autobauer in den west- und südeuropäischen Krisenländern, Volkswagen komme vor allem seine globale Präsenz zugute. "Unsere Stellung auf den Weltmärkten wird uns trotz des fordernden Umfelds helfen, die Entwicklung des Gesamtmarktes zu übertreffen."

Sein Betriebsergebnis von 11,3 Milliarden Euro will VW in diesem Jahr zumindest halten. "Wir gehen davon aus, unsere gesteckten Ziele zu erreichen", sagte Winterkorn. Weil das Management seine bisherigen Prognosen aber vorsichtshalber nicht erhöhte, reagierten Börsianer zunächst etwas enttäuscht. An der Börse drehten VW-Aktien ins Minus und verloren mehr als zwei Prozent.

Neben der Kernmarke VW bleibt vor allem die Ingolstädter Oberklasse-Tochter Audi Chart zeigen ein wichtiger Umsatzbringer. Ganz abkoppeln von den Auswirkungen der Schuldenkrise kann sich Volkswagen aber nicht: Die spanische Tochter Seat verbuchte einen Umsatzrückgang und schrieb als einzige Marke rote Zahlen, wenngleich sich der Halbjahresverlust etwas reduzierte. Seat verkaufte in der ersten Geschäftsjahreshälfte 12,4 Prozent weniger Autos.

Volkswagen will bis spätestens 2018 größter Autohersteller der Welt werden und zehn Millionen Fahrzeuge absetzen. Im vorigen Jahr war der größte deutsche Industriekonzern mit rund 8,3 Millionen Wagen zur Nummer zwei hinter dem US-Rivalen General Motors Chart zeigen aufgestiegen.

dab/dpa/Reuters



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stubborn 26.07.2012
1. Da kann man mal sehen....
.... wie dieser Unsinn, den man Wirtschaft nennt, funktioniert. Die sog. Anleger (aka Computerprogramme) sind nicht zufrieden, weil der Vorstand die Prognosen nicht erhöht. Um an sowas unglaublich banalem (aka Gier) herumzuforschen, gibts sogar einen Nobelpreis - wenn auch nicht vom Komitee, sondern nur, 2. Klasse, von der Reichsbank. Und wir alle machen uns zu Sklaven diese Konstruktion. Toll, wie fortschrittlich wir sind im Vergleich z.B. zur spanischen Conquista und anderen wirtschaftlichen Unternehmungen der Vergangenheit...
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