Abgasaffäre VW verliert Marktanteile in wichtigen Autoländern

Die Abgasaffäre scheint für VW Folgen für das laufende Geschäft zu haben. Analysten und Branchenbeobachter haben erste Hinweise entdeckt, dass die Absätze deutlich zurückgehen.

Autos von Audi und Volkswagen in Emden: Marktanteile verloren
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Autos von Audi und Volkswagen in Emden: Marktanteile verloren

Von manager-magazin.de-Redakteur  


Bei allem Ärger, den Volkswagen derzeit mit dem Abgasskandal hat: Die Folgen im operativen Geschäft seien äußerst überschaubar, hieß es immer wieder aus Wolfsburg. Anders ausgedrückt: Die Leute kaufen trotz der Schummeleien einfach weiter Autos von VW. Sagt VW. Doch auch das könnte so nicht ganz richtig sein.

Die Zulassungszahlen für den Oktober liefern erste Hinweise, dass durchaus noch ein Tal der Tränen für den VW-Vertrieb bevorstehen könnte: Auf den fünf wichtigsten europäischen Automärkten habe die Marke Volkswagen im ersten vollen Monat nach Beginn des Skandals Marktanteile verloren, berichtet die Fachzeitschrift "Automobilwoche".

So erteilten die Behörden in Italien sieben Prozent weniger VW-Fahrzeugen die Zulassung als ein Jahr zuvor, obwohl der Markt um 8,6 Prozent wuchs. In Großbritannien lagen die Verkäufe gar 9,8 Prozent unter denen des Vorjahres. Der Gesamtmarkt schrumpfte dort nur um 1,1 Prozent. Auch in Frankreich und Deutschland schnitt Volkswagen insgesamt schlechter ab. In Spanien legte VW zwar leicht zu, aber deutlich weniger als der Gesamtmarkt.

"Dies könnte der Beginn einer Schwächeperiode sein"

Gegenüber den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres verlor Volkswagen im Oktober auf den wichtigsten Märkten Anteile in Höhe von bis zu einem Prozentpunkt. Die Ausnahme bei diesem Vergleich war Deutschland. Dort lag der VW-Marktanteil im Oktober laut Kraftfahrt-Bundesamt um 0,6 Prozentpunkte höher als im Gesamtjahr.

Die Oktober-Zahlen liefern einen ersten Hinweis, dass die Abgasaffäre für VW doch Folgen für das laufende Geschäft haben könnte. Den endgültigen Beweis liefern sie indes noch nicht. Denn der Skandal war erst Mitte September bekannt geworden. Wer ein Auto bestellt, muss jedoch in vielen Fällen monatelang auf den Wagen warten. Ein Großteil der im Oktober zugelassenen Wagen haben Kunden vermutlich schon im Sommer bestellt - als von "Dieselgate" noch keine Rede war.

"Volkswagen hat zuletzt unterdurchschnittlich abgeschnitten"

Doch das gelte nicht für alle Fahrzeuge, sagt Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Gerade im Flottengeschäft würden Autos durchaus zügig ausgeliefert. Deutliche Verzögerungen gebe es eher bei Privatkunden. Diese seien auf vielen Märkten aber in der Minderheit.

"Volkswagen hat zuletzt unterdurchschnittlich abgeschnitten", kommentiert Bratzel die jüngsten Zulassungszahlen. Er verweist auch auf die USA, wo die Marke VW im Oktober nur hauchdünn im Plus lag, während der Markt um 14 Prozent zulegte.

Eine "leichte Schwäche" von Volkswagen sieht auch Metzler-Analyst Jürgen Pieper angesichts der jüngsten Zulassungszahlen. Auffällig ist zudem, dass das Unternehmen Kunden gerade massiv Rabatte gewährt - was dazu dienen könnte, den lahmenden Absatz anzukurbeln. Im Vergleich zu anderen Herstellern hatte der VW-Konzern in den USA nach Berechnungen des Dienstleisters Autodata pro Fahrzeug zuletzt 1000 Euro mehr Rabatte gewährt. Spitzenreiter ist die besonders vom Skandal betroffene Marke VW mit einem Rabatt von insgesamt 4192 Euro je Wagen.

Auch in Europa sollen hohe Nachlässe offenbar einen Absturz verhindern. So bietet Volkswagen in Spanien einen voll ausgestatteten Polo für 9900 Euro an. In Deutschland bekommt man ihn ähnlich ausgestattet ab 13.565 Euro.

Doch auch hierzulande lockt Volkswagen Kunden mit Nachlässen. Unterm Strich seien Rabatte von 28 Prozent für den Polo, 29 Prozent für den Golf und 30 Prozent für den VW Up drin, hat Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ermittelt. Die hohen Nachlässe hält er für zumindest "ungewöhnlich".

Zudem habe das Unternehmen laut Dudenhöffer noch im September besonders viele Fahrzeuge auf eigene Händler zugelassen. Auch so lassen sich die Zulassungszahlen in die Höhe treiben.

Unterm Strich rechnen Fachleute damit, dass der Skandal das Geschäft von Volkswagen spürbar beeinträchtigen wird. "Rabatte und geringerer Absatz werden den Konzern etwa fünf Milliarden Euro kosten", schätzt Metzler-Chefanalyst Jürgen Pieper. Allerdings nur, wenn sich der Absatz nach spätestens anderthalb Jahren wieder normalisiere. Sollten aus dem Skandal langfristige Imageschäden erwachsen, dürfte die Rechnung für Volkswagen deutlich höher ausfallen.



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Vanagas 11.11.2015
1. Und schon gibt die Super- Autofirma . . . .
. . . . 5 Jahre Garantie. So langsam kommen sie vom hohen Roß. Für mich zu spät. Bin weg und glücklicher Renault- Gebrauchtwagenfahrer. 10tkm in 4 Monaten ohne einmal auf dem Abschleppwagen gelandet zu sein. Und das mit einem knapp 9 Jahre alten Megane, " dem Pannen- Auto". Jaja! Ich wußte nicht mehr wie sich das anfühlt!
agathon68 11.11.2015
2. Die Deutschland AG zerbröckelt ...
...Jahrzehntelang waren VW, die Deutsche Bank, der deutsche Fußball Symbole dafür. Es ist bezeichnend, dass diese nun durch Korruptionsvorwürfe, bei den ersten beiden aus den USA, ins Zwielicht geraten sind. "Scheitert VW, scheitert die deutsche Industrie," sollte Frau M. sagen, damit hier alle wissen, was die Stunde geschlagen hat. Die geschätzte Million Migranten, die schon hier sind, und die Millionen, die noch kommen werden, werden mit ihrer bereichernden Kreativität dafür sorgen, dass Deutschland endlich auf europäisches Normalmaß zurückgestutzt wird und die hier grassierende Überheblichkeit aufhört.
jgwmuc 11.11.2015
3.
Ich will gerade für meine Frau einen Wagen kaufen und hatte einen Polo oder Golf favorisiert . Aber nach den ganzen Betrügereien wird es wohl was Asiatisches, ein Kia oder Toyota. Wergarnatiert das nicht weiter von VW und Tochterfirmen beschissen wird
H-Vollmilch 11.11.2015
4. Schon wieder diese Verharmlosungen.
Bitte nennen sie es nicht immer "Schummeleien". Schummeln tut man bei Mensch-ärgere-dich-nicht oder Mau Mau. Es war und ist handfester Betrug was sich VW da geleistet hat.
jochenx 11.11.2015
5. Es ist schön zu sehen, dass
den Menschen der Umweltschutz und fairer Umgang wichtig sind. Danke an alle! Schade um die Mitarbeiter von VW, die nichts von der Sache wussten, denn die leiden darunter, wenn VW Stellen abbauen muss, was wohl angesichts der rückläufigen Verkaufszahlen bald passieren wird. Aber die Verantwortung dafür liegt beim Vorstand und den Managern. Greenpeace hatte schon vor längrer Zeit eine Kampagne gegen die Umweltpolitik von VW gestartet. Doch das hatte VW, wie man sieht, nicht interessiert - nun müssen sie die Konzequezen tragen!
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