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Gutscheine und Service-Offensive: VW will US-Kunden "auf amerikanische Weise" überzeugen

Präsentation von Volkswagen in Detroit: "Unsere Glaubwürdigkeit reparieren" Zur Großansicht
AFP

Präsentation von Volkswagen in Detroit: "Unsere Glaubwürdigkeit reparieren"

Mehr Einkaufsgutscheine, mehr Bargeld, mehr Service - mit dieser Strategie will Volkswagen nach der Abgasaffäre Kunden in den USA an sich binden. Konzernchef Müller verspricht, "die Dinge in Ordnung zu bringen".

Es ist eine heikle Reise für Volkswagen-Chef Matthias Müller: Während seines Trips in die USA muss der Manager einerseits Reue zeigen, auf der anderen Seite aber auch Selbstbewusstsein demonstrieren, um Autoverkäufer von der Marke VW zu überzeugen. Zudem steht ein Treffen mit der Chefin der US-Umweltbehörde EPA bevor.

In Sachen Kunden zurückgewinnen setzt Volkswagen vor allem auf finanzielle Anreize. Der Konzern will das Gutschein-Programm ausweiten, das bereits den Besitzern der fast halben Million betroffenen Autos mit Zwei-Liter-Motoren angeboten wird. Auch für den Geländewagen VW Touareg soll es eine Prepaid-Kreditkarte mit 500 Dollar sowie einen Gutschein im selben Wert geben, den die Kunden bei einem VW-Händler einlösen können. Hinzu kommt das Versprechen auf Pannenhilfe für drei Jahre. Das stellte US-VW-Chef Michael Horn in Aussicht.

Horn sagte, dass sich insgesamt bislang 265.000 Kunden gemeldet hätten, von denen rund 135.000 ihre Gutscheine bereits erhalten hätten. Außerdem hob er hervor, dass der Konzern den renommierten Anwalt Kenneth Feinberg beauftragt habe, um eine Lösung für die rund 650 in den USA angestrengten Sammelklagen von VW-Kunden zu finden.

"Wir möchten es auf amerikanische Weise wieder in Ordnung bringen", sagte Horn. Ob auch Kunden in Deutschland und anderen Ländern eine finanzielle Entschädigung von VW erhalten werden, ist unklar.

Müller hält zudem den Rückkauf von mehr als 100.000 manipulierten Dieselfahrzeugen in den USA für eine wahrscheinliche Option. Hintergrund sei der große Nachbesserungsaufwand. Generation Zwei der Dieselwagen zu reparieren "wäre ein erheblicher Aufwand finanzieller Art, aber auch von der Zeitleiste her", sagte Müller dem NDR. "Und da muss man sich dann die Frage stellen, ob es nicht Alternativlösungen gibt."

Beim Treffen am Mittwoch mit der Chefin der US-Umweltbehörde EPA Gina McCarthy will VW-Konzernchef Müller ein Paket an Vorschlägen vorlegen, wie das Unternehmen den Abgasskandal bewältigen will. Dazu gehört ein neuer Katalysator, mit dem die Diesel-Autos die strengen Stickoxid-Grenzwerte in den USA einhalten sollen. Zudem kündigte Müller bereits 900 Millionen Dollar Investitionen und 2000 neue Jobs für das VW-Werk in Chattanooga in Tennessee an.

"Wir müssen nicht nur unsere Autos reparieren", sagte Müller auf der Automesse in Detroit. "Wir müssen unsere Glaubwürdigkeit reparieren." Er entschuldigte sich erneut für den Einsatz illegaler Software. Es habe aber nie die Absicht gegeben, Kunden oder Behörden hinters Licht zu führen. "Unser ganzer Einsatz zielt jetzt darauf ab, die Dinge in Ordnung zu bringen", sagte Müller.

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Premieren auf der Detroit Motor Show: Die Neujahrsknaller
Auch andere deutsche Hersteller spüren Gegenwind

Nicht nur VW sieht sich durch den Abgasskandal unter Druck. Der Chef des Automobilverbands VDA erklärte, die Affäre mache allen deutschen Herstellern zu schaffen. Die Diesel-Strategie, die die deutsche Automobilindustrie seit vielen Jahren insbesondere auf dem wichtigen US-Markt verfolgt, wurde durch die Vorgänge "in einem großen Unternehmen erheblich beschädigt", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Neben VW müssten auch die anderen deutschen Hersteller daran arbeiten, die Verbraucher von den Vorteilen des Diesels mit seinem geringen Verbrauch zu überzeugen. VW, Daimler und BMW sind zusammen mit einem Marktanteil von 95 Prozent Marktführer am Dieselmarkt in den USA, der allerdings nur sehr klein ist.

Die deutschen Autohersteller rechnen am US-Markt, der 2015 ein Rekordniveau erreichte, mit Stagnation. Der Absatz der deutschen Marken werde voraussichtlich wie im Vorjahr bei 1,4 Millionen Fahrzeugen liegen, hieß es vom VDA.

mmq/ssu/Reuters/AFP

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Mehr Service?
Sixpack, Joe 11.01.2016
wäre für die Europäische Kunden vielleicht auch mal angesagt. Aber mit dem Wort Service hat VW-Europa nun mal ein sehr schwieriges Verhältnis.
2. Ja, ja
Referendumm 11.01.2016
und die deutschen Kunden gehen mal wieder leer aus. Die USA sind ja der Kernmarkt und nicht Deutschland - so könnte man die heutige Aussage vom neuen VW-Chef Müller auch verstehen. Nun ja, der Deutsche Michel hatte immer schon ne lange Leitung ...
3. Wäre evtl. eine Möglichkeit,
alex2k 11.01.2016
um sich bei den Kunden zu entschuldigen. Aber vor der Strafe fürs Betrügen sollte es nicht schützen! Das sind 2 unabhängige Vorgänge!
4.
xvxxx 11.01.2016
Für die deutschen Kunden muss reichen, dass es ja um Arbeitsplätze geht. Dafür darf man doch schon mal beschissen werden?
5. Europa
NewYork76 11.01.2016
Zitat von Sixpack, Joewäre für die Europäische Kunden vielleicht auch mal angesagt. Aber mit dem Wort Service hat VW-Europa nun mal ein sehr schwieriges Verhältnis.
Na das ist wahrscheinlich der so Europaeische/Deutsche Verbraucherschutz, den man unbedingt vor TTIP und den laschen amerikanischen Standards schuetzen muss...? Sorry, aber das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen.
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