Mitten im Handelsstreit VW steckt 340 Millionen Dollar in US-Werk

Donald Trump droht europäischen Autoherstellern mit Strafzöllen - genau in dieser Situation verkündet Volkswagen eine umfangreiche Investition in Tennessee.

VW-Werk in Chattanooga, Tennessee
DPA

VW-Werk in Chattanooga, Tennessee


Volkswagen steckt noch einmal kräftig Geld in seine SUV-Offensive in den USA. Für die Fertigung eines neuen fünfsitzigen Stadt-Geländewagens "Made in America" sollen weitere rund 340 Millionen Dollar (276 Millionen Euro) ins Werk in Chattanooga im Bundesstaat Tennessee investiert werden, teilte VW mit.

Die Ankündigung erfolgt mitten im handelspolitischen Säbelrasseln zwischen der EU und den USA, deren Präsident Donald Trump mit Strafzöllen auf Autos europäischer Hersteller droht.

Bei dem neuen VW-Modell handelt es sich um eine kleinere Variante des 2017 auf dem US-Markt lancierten SUV Atlas, für dessen Produktion das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits etwa 900 Millionen Dollar in Chattanooga investiert hatte. Eine erste Konzeptversion des neuen Geländewagens soll auf der New Yorker Automesse vorgestellt werden, die am 30. März beginnt.

In der Fabrik in Chattanooga wird außerdem seit 2011 die US-Version des Passats hergestellt.

Altmaier zeigt sich optimistisch

VW will seinen bislang geringen US-Marktanteil mit neuen Modellen ausbauen. Zuletzt war der Absatztrend zwar positiv, zuvor allerdings hatte der Abgasskandal die Verkäufe einbrechen lassen. Insgesamt hat die Nachfrage nach Geländewagen in den USA deutlich angezogen. Davon profitiert auch VW.

Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen sind derzeit belastet vom Streit über drohende Zölle. Optimistisch äußerte sich am Montagabend allerdings Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Er halte nach einem Gespräch mit US-Handelsminister Wilbur Ross eine einvernehmliche Lösung für machbar.

"Wir haben beide den Eindruck gewonnen, dass es in dieser Woche entscheidende Gespräche geben wird und dass es möglich ist, zu einer Lösung zu kommen, die ein Abgleiten in einen schweren Handelskonflikt noch verhindern kann", sagte Altmaier in Washington. "Das ist nicht sicher, aber ich sehe eine Chance."

US-Präsident Trump hatte neue Schutzzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe verhängt, die allerdings noch nicht in Kraft getreten sind. Dadurch wächst die Sorge vor einem Handelskrieg, der Export-Europameister Deutschland besonders hart treffen würde.

wal/dpa/Reuters



insgesamt 27 Beiträge
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herumnöler 19.03.2018
1. Da sieht man ...
... wie sich Donald Trumps Politik langsam auszuzahlen beginnt: Alle kommen sie gelaufen und schaffen Arbeitsplätze!
henne.k 19.03.2018
2. Von langer Hand geplant?
Das war ja wohl von langer Hand geplant. Solche Entscheidungen trifft man doch nicht von gestern auf heute?! Nur, weil der Pavian alias US-amerikanischer Präsident mal wieder verrückt spielt, werden doch nicht ad hoc alle in den Vormonaten geplanten und vorbereiteten Strategien eines Wirtschaftsunternehmens überhauf geworfen. Wer das glaubt, ist ziemlich grün hinter den Ohren. Zudem ist der Absatzmarkt der USA für VW ein äußerst wichtiger. Den umkämpft man solange wie es geht.
Schöneberg 19.03.2018
3. Saubere Arbeit
Während betrogene Kunden in den USA entschädigt wurden, hoffen bei uns im Herstellerland die Autofahrer, dass sie hoffentlich nicht bald von einem Fahrverbot betroffen sind und weiterhin ihr teuer (und in gutem Glauben) bezahltes Auto fahren dürfen. Derweil trägt der VW Konzern, an dem unser Staat nicht unwesentlich beteiligt ist, noch mehr Geld in die USA. Dort kann dann schöne dicke SUV bauen, die dann auch sicher super für die Umwelt und für Leute mit Peniskomplex sind. Man kann schließlich nicht genug Geländewagen in der Stadt haben. Läuft alles so, wie Trump sich das gedacht hat.
joG 19.03.2018
4. Wenn die Autos in den...
...USA gebaut werden aus dort hergestellten Teilen? Dann braucht es nur Zölle von 10 Prozent, wenn sie nach Deutschland bzw in die EU exportiert werden. Letzteres ist genau, was Trump Deutschland unter anderem vorwirft.
kuac 19.03.2018
5.
Und in DE hat VW kein Geld für eine Hardware-Lösung für die betrogenen Dieselfahrer.
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