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Konzerneigene Flotte: VW-Manager dürfen kostenlos im Firmenjet fliegen

Da ist noch Sparpotenzial vorhanden: Laut einem Zeitungsbericht haben Top-Manager von Volkswagen Anspruch auf Heimflüge mit konzerneigenen Maschinen. Ein Aufsichtsrat kritisiert: "Freiflüge im Firmenjet gehen gar nicht."

Top-Manager des krisengeschüttelten VW-Konzerns dürfen am Wochenende im Firmenjet kostenlos nach Hause fliegen. Das bestätigt ein VW-Sprecher in der "Bild am Sonntag". Demnach haben alle Konzernvorstände, viele Vorstände der zwölf Marken sowie etliche Generalbevollmächtigte laut ihren Verträgen Anspruch auf die Heimflüge.

Die VW-Tochter Lion Air Service kümmert sich um sämtliche Firmenflüge. Deren Flotte besteht aus zehn Jets, darunter vier supermoderne Dassault Falcon 7X. Wie viele Millionen die Heimflüge der Top-Manager kosten, kann VW nicht beziffern.

Auf "BamS"-Anfrage sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh zu den Freiflügen: "Wir erwarten, dass der Vorstand jeden Einschnitt, den er bei der Belegschaft vornimmt, in gleicher Relation auch sich selbst abverlangt." Osterloh erklärte weiter: "Im Zweifel muss dann alles auf den Prüfstand, was Kosten verursacht. Und so wie ich unseren Vorstand kenne, wird er mit gutem Beispiel vorangehen und sich der Situation im Verhalten anpassen."

Ein VW-Aufsichtsrat kritisierte in der Zeitung: "Freiflüge im Firmenjet gehen gar nicht und gehören zügig abgeschafft."

Wie sehr der Konzern mittlerweile unter Druck steht, zeigt sich auch an anderer Stelle. So berichtet die "BamS" weiter, dass Volkswagen den Sponsoren-Vertrag für den DFB-Pokal vorerst nicht verlängern werde. Angesichts der Abgas-Affäre und dem damit verbundenen Risiko von Strafzahlungen in Milliardenhöhe wolle VW den bereits ausgehandelten neuen Kontrakt derzeit nicht unterschreiben.

Der Zeitung zufolge hatte sich der Autohersteller mit dem DFB-Vermarkter Infront bereits auf einen neuen Drei-Jahres-Vertrag ab 2016 geeinigt. Für den Werbeeffekt waren die Wolfsburger bereit, pro Jahr fünf Millionen Euro zu überweisen.

Der Deutsche Fußballbund wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Ein Sprecher des VW-Konzerns teilte lediglich mit, dass man mit Infront in Gesprächen bleiben werde.

Seit 2012 ist Volkswagen Sponsor des DFB-Pokals. Neben umfangreichen Werbe- und Marketingrechten ist das VW-Logo auf den Trikot-Ärmeln aller 64 teilnehmenden Mannschaften zu sehen.

Der frühere VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg hat unterdessen jegliche Verantwortung für den Abgasskandal bestritten. Das geht nach Informationen der "BamS" aus einem Bericht der VW-Konzernrevision hervor. Demnach hatte Hackenberg einen Tag vor der Aufsichtsratssitzung am 22. September in einem Schreiben an den damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn darauf verwiesen, dass die "Berichtswege" in der Angelegenheit an ihm vorbeigelaufen seien. Deshalb habe er keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt.

Laut dem Revisionsbericht hatte Winterkorn Hackenberg zuvor gebeten, die Verantwortung für den Abgasskandal zu übernehmen. Hackenberg lehnte mit dem Brief ab, er wurde inzwischen beurlaubt.

wal

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insgesamt 54 Beiträge
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1. Ungeheuerlich
bz-mof 11.10.2015
"Laut dem Revisionsbericht hatte Winterkorn Hackenberg zuvor gebeten, die Verantwortung für den Abgas-Skandal zu übernehmen." Das klingt nach "Mir ist egal, wer's war, aber kannst du bitte so tun als ob du es warst?"
2. Peanuts
roalina 11.10.2015
Na ja, ist zu zumindest fragwürdig. Dennoch sollte man diesen Kostenfaktor nicht überbewerten. Es sind Führungskräfte und haben halt bestimmte Priviligien. Im Handwerksbetrieb verdient der Meister auch, in der Regel, mehr als der Geselle. Im Grundsatz gilt, meiner Meinung nach, wenn der Job gut gemacht wird, gehen, auch solche "Vergünstigungen" vollkommen in Ordnung. Bei solch einem großen Unternehmen wie VW, gibt es halt auch Fehlentscheider. Ist völlig normal. Der sogenannte " Wasserkopf" darf nicht zu groß werden. Genau das ist jetzt bei dem Konzern aufgedeckt worden. Gut so.
3. Schade...
peter_silie_1 11.10.2015
Wenn unsere VW-Elite nicht mehr mit dem Learjet nach Jause pendeln kann, dann sind ja demnächst etliche defizitäre Provinzflughäfen gar nicht mehr zu betreiben... Nein, keine Neiddebatte. Nur der Hinweis, dass viele Flughäfen in der Pampas auf Druck der politikbestimmenden Industrie aus dem Boden gestampft wurden.
4. Nach das ist doch mal was
chjuma 11.10.2015
da werden Manager heim geflogen!!! Und das kostet was!!! Ich bin erschreckt und verzweifelt!!! Ok, mal im Ernst, das fällt Euch jetzt ein? Das machen Manager überall auf der Welt, außer Nordkorea. Noch Fragen?
5. Keine Kenntnis
catopa 11.10.2015
Als Chef eines Unternehmens von derartigen Praktiken schlicht nichts zu wissen zeigt, wie verschwiegen und korrupt ein Großunternehmen sein kann - wenn das stimmt. Wenn dieser Skandal - und nichts anderes ist dies - ohne Wissen oder Billigung der Führungsspitze passierte, dann sollte VW darüber nachdenken, ob nicht die gesamten Strukturen völlig falsch aufgebaut sind. Davon abgesehen, dass dann das gesamte Unternehmen moralisch in Frage gestellt werden muss, bleibt nicht nur ein bitterer Nachgeschmack sondern der Eindruck von absoluter Unaufrichtigkeit und einem Unternehmen, welches von Krebsgeschwüren kontaminiert ist. Heilung möglich? Schwer zu erkennen, derzeit.
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