Abgasskandal in den USA VW muss vermutlich viele Dieselautos zurückkaufen

Die Abgasaffäre wird immer teurer für VW: Der Konzern muss etliche Dieselautos in den USA zurückkaufen, vermutet die Umweltbehörde Carb. Inzwischen sollen wegen des Skandals auch Ermittlungen gegen den Zulieferer Bosch laufen.

VW-Modell bei der L.A. Autoshow in Los Angeles: Massenhafter Rückkauf?
DPA

VW-Modell bei der L.A. Autoshow in Los Angeles: Massenhafter Rückkauf?


Der VW-Konzern muss sich wohl darauf einstellen, einen Teil der von dem Abgasskandal betroffenen Dieselfahrzeuge in den USA zurückzukaufen. Das Nachrüsten älterer Fahrzeuge funktioniere oft nicht so gut wie geplant, sagte Mary Nichols, die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde Carb, dem "Handelsblatt". "Deshalb denke ich, es ist ziemlich wahrscheinlich, dass VW wenigsten einen Teil der Flotte von den Besitzern zurückkaufen muss."

Insgesamt seien drei Generationen von VW-Fahrzeugen mit der Schummelsoftware ausgestattet. "Es scheint, als ob die jüngste Generation mit einer neuen Software zurück zu den vorgeschriebenen Emissionsstandards gebracht werden kann", sagte Nichols. "Die mittlere Generation dürfte zusätzlich zur Software auch eine Hardware-Komponente erfordern. Und die ältesten Autos, die der ersten Generation, könnten nachgerüstet werden müssen."

Die Carb-Chefin fordert die Wolfsburger zudem auf, ein Umweltkonzept vorzulegen, das die zusätzlichen Emissionen der Fahrzeuge kompensiert. Ganzseitige Anzeigen in der Zeitung zu schalten und den Kunden 1000 Dollar anzubieten, ist ja nett. Aber das ist noch nicht einmal ansatzweise genug, um das Ausmaß des Schadens zu thematisieren."

Entsprechende Forderungen kommen inzwischen vermehrt auch aus der Politik: Zwei US-Senatoren der demokratischen Partei haben laut übereinstimmenden Medienberichten in einem Brief an VW-Amerikachef Michael Horn "robustere Entschädigung" für alle Kunden gefordert, die von dem Emissionsskandal betroffen sind. "Wir fordern ausdrücklich, dass Sie unverzüglich die Bereitschaft von VW ankündigen, die betroffenen Fahrzeuge zurückzukaufen", heißt es in dem Brief von Ed Markey und Richard Blumenthal.

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Volkswagen hatte im September zugegeben, dass in etwa elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Software eingesetzt wurde, die den Ausstoß von Stickoxiden im Testbetrieb als zu niedrig auswies. Anfang November gestand das Wolfsburger Unternehmen zudem, dass bei vermutlich rund 800.000 seiner Autos der tatsächliche Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 höher ist als angegeben.

Für VW wird die Abgasaffäre damit zunehmend zur milliardenschweren Belastung. Zuletzt hatte Volkswagen in den USA damit gestartet, betroffenen Kunden Gutscheine zu schenken - anders als in Deutschland. VW-Markenchef Herbert Diess kündigte an, es werde "für jeden Markt ein individuelles Maßnahmenpaket" sowie "speziell zugeschnittene Lösungen" geben. In den USA haben bereits rund 120.000 Amerikaner das Angebot genutzt, die Einkaufsgutscheine haben einen Wert von je 1000 Dollar.

Was wusste die Bosch-Konzernführung?

Die Abgasaffäre könnte auch einen weiteren deutschen Konzern in Bedrängnis bringen: Der VW-Zulieferer Bosch steht im Visier der US-Ermittler, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtet. Staatsanwälte im Justizministerium prüften, ob das Stuttgarter Unternehmen von den Manipulationen gewusst habe oder daran beteiligt gewesen sei. Allerdings gibt es bislang offenbar keine Anzeichen, dass sich ein Fehlverhalten von Bosch beweisen lasse. Bosch, das US-Justizministerium und VW lehnten Stellungnahmen ab.

Von Bosch kommen wichtige Bauteile des Diesel-Motors, der in sechs betroffenen VW-Modellen und in einem Audi-Modell genutzt wird. Rechtsexperten zufolge ist eine entscheidende Frage, ob der Zulieferer gewusst hat, dass seine Technologie für Manipulationen eingesetzt wird. "Wenn man weiß, dass ein Vergehen begangen wird, und man aktiv dazu beiträgt, dass es zu dem Vergehen kommt, sitzt man in der Patsche", sagte der auf Umweltrecht spezialisierte Anwalt Daniel Riesel.

mxw/AFP/Reuters

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markus.pfeiffer@gmx.com 20.11.2015
1. Sieht nicht gut aus für deutsche Kunden
---Zitat--- Insgesamt seien drei Generationen von VW-Fahrzeugen mit der Schummelsoftware ausgestattet. "Es scheint, als ob die jüngste Generation mit einer neuen Software zurück zu den vorgeschriebenen Emissionsstandards gebracht werden kann", sagte Nichols. "Die mittlere Generation dürfte zusätzlich zur Software auch eine Hardware-Komponente erfordern. Und die ältesten Autos, die der ersten Generation, könnten nachgerüstet werden müssen." ---Zitatende--- Tja, liebe VW-Kunden, was heißt das für die Modelle der jüngsten Generation? Imho dass die Software dazu gebracht wird, den Motor immer annähernd so sparsam zu steuern wie bisher nur im Testbetrieb; und dto. bei den älteren beiden Generationen, wobei hier zusätzlich der Motor ansich verändert werden muss. kann mir als Laie nicht vorstellen, dass das alles ohne Leistungsverlust der Motoren durchführbar ist... Aber erwartet in Deutschland lieber keine Entschädigung oder gar einen Rückkauf eurer Fahrzeuge - das gibt's nur in Amerika, hier bekommt ihr von VW die goldene A-Karte! (Mal ganz abgesehen davon, dass nach der "Abwicklung" des Skandals in den USA VW gar nicht mehr die Mittel haben dürfte, das ganze im Rest der Welt ähnlich kulant abzuwickeln... und das alles, weil man in einem Markt Fuß fassen wollte, in dem man gegen Ford & Co. (und Toyota!) realistischerweise nie eine große Rolle spielen wird.)
bergerangel 20.11.2015
2. Scheinheiliges Amiland
Trotz Affäre und erhörter Abgaswerte pusten die großen Amischlitten das vielfache eines durchschnittlichen Mittelklassewagens des VW Konzerns hinaus. Darüber redet kein Mensch. Sicher, Betrug ist Betrug und das muss bestraft werden. Aber das die Amis sich nicht mal an die eigene Nase packen und Umdenken ist traurig.
Spiegelleserin57 20.11.2015
3. warum immer nur VW?
es stellt sich immer noch die Frage ob auch die Autos anderer Hersteller getestet werden, auch japanische und all die anderen ausländischen Autos. Davon wurde bis heute kein Wort öffentlich gemacht. Es betraf immer nur wenige und vor allem auch Töchter von VW. Da besonders die amerikanische CAD sich so lautstark äußert stellt sich doch die Frage wie es mit den amerikanischen Autos ausschaut. Da sollte doch besonders unsere Wirtschaft mal genau nachschauen. Man sollte doch immer die Schmutz vor der eigenen Haustüre zuerst kehren. Erscheint nicht die amerikanische Aktion als verschleiernd für deren eigene Probleme? Wer genmanipuliert Lebensmittel nicht kennzeichnen will wird es doch mit diesen Dingen dann auch nicht so genau nehmen oder?
redbayer 20.11.2015
4. Den US-Amerikanern kann man
nur raten die Schadensersatzforderungen an VW so hoch wie möglich anzusetzen und auf die ganze deutsche Autoindustrie auszuweiten. Der "Betrügerkonzern" VW ist schließlich halbstaatlich (Länder+Gewerkschaften führen) und ganz gleich wie viele Milliarden gefordert werden, Merkel zahlt auf jeden Fall - alternativlos - da hier das Volk in der GROKO-Demokratur nichts mehr zu sagen hat.
WwdW 20.11.2015
5. Bin auf der Suche nach aufrechten dt. Politikern
Ich bin auf der Suche nach dt. Politikern, die sich den US-Konzernen bei ihrern illegalen Machenschaften (z.B. Intnernet und NSA Zulieferer) genauso Durchsetzungsstark zeigen, wenn sie hier in dt. die Gesetze brechen. Beispiele im Zusammenhang mit der Spionage gibt es ja mal genug. Aber irgendwie bekommen das nur US Politiker gegen deutsche Firmen hin, aber nicht dt. Politiker gegen US-Firmen. Dabei gäbe es so viel zu tun.
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