Chronik der VW-Affäre Men im Dreck

Die Abgasaffäre bei VW wird zum Schwarzer-Peter-Spiel. Ex-Patriarch Piëch belastet die Aufsichtsräte, die weisen alle Schuld von sich. Doch wer konnte wann was wissen? Die Chronik zeigt, wie der Skandal entstand.

Ex-VW-Bosse Winterkorn (l.) und Piëch
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Ex-VW-Bosse Winterkorn (l.) und Piëch

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Der Abgasskandal bei Volkswagen ist längst außer Kontrolle. Je weiter sich die Staatsanwälte durch das Dickicht der Unterlagen wühlen und Zeugenaussagen abgleichen, desto deutlicher zeichnet sich ab: Die Manipulationen waren offenbar keineswegs das Werk subalterner Schummler, die nur zu bequem waren, um ihre eigentliche Aufgabe zu erledigen - wie es der Konzern nach Bekanntwerden darzustellen versuchte.

Noch ist nicht bewiesen, wie viel die VW-Bosse im Einzelnen wussten und was sie zu welchem Zeitpunkt möglicherweise erfahren haben. Zuletzt belastete der frühere Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch bei seiner Aussage vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig vier Aufsichtsräte des Konzerns, weil diese frühzeitig über Hinweise auf den Dieselbetrug informiert worden seien. Die Aufsichtsräte bestreiten das jedoch.

Wer immer die Täter oder Mitwisser waren: Sie dürften jedes Mal nervös geworden sein, wenn sie die VW-Chefs in den Medien vom Umwelt- und Verantwortungsbewusstsein des VW-Konzerns schwadronieren hörten:

  • "Der VW-Konzern war in Sachen Umweltschutz immer Vorreiter, und er wird es bleiben", sagte etwa der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn 2007 im SPIEGEL-Interview.
  • Ferdinand Piëch verwies 2008 in der "Bild"-Zeitung auf die riesige Flotte von VW-Modellen mit einem CO2-Ausstoß von weniger als 140 Gramm pro Kilometer. "Wir haben heute schon eine umweltfreundliche Technik. Wir werden weiter besser."
  • Ein Satz, den der Konzernpatriarch 2013 bei der ADAC-"Motorwelt" fallen ließ, entbehrt nicht einer bitteren Ironie: "In der Entwicklung der Abgasreinigung beim Diesel steckt noch viel Spielraum."

Währenddessen nahm im Hintergrund der wohl größte Betrugsskandal in der Geschichte der Autobranche seinen Lauf. Klicken Sie auf die einzelnen Punkte des Zeitstrahls, um die Entwicklung der Affäre zu verfolgen.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
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IntelliGenz 10.02.2017
1. wen wundert es?
es ist doch nichts neues, dass sich alle Manager von großen Unternehmen persönlich bereichern. Soll das jetzt etwas Neues sein? Sogar Politker sollen sich bereichern, gar nicht zu reden von Bischöfen und Prälaten! Ist das jetzt ein Skandal? Es ist seit tausenden von Jahren bekannt. Die Mächtigen bereichern sich solange sie können. Altes Spiel, nur neue Akteure. Willkommen in der Realität!
Rafaelblond 10.02.2017
2.
Schön ist die sinngemäße Passage im Artikel die da sinngemäß lautet "Winterkorn ist ein Schriftstück bezüglich der brisanten Situation zugeleitet worden, es gibt jedoch keinen Beleg dafür, dass er es auch las". Und so etwas läßt ein Richter durchgehen ? Dies widerspricht doch jeder üblichen Vorgehensweise in einem Unternehmen. Wenn das nicht genügt könnte man auch sagen: Winterkorn ist die Situation mündlich unter Zeugen zugetragen worden, es gibt jedoch keinen Beleg dafür, dass er auch zugehört hat. Lachhaft.
at.engel 10.02.2017
3.
Wer was wann wusste, ist natürlich interessant. Aber entscheidend sollte sein, wer wann wieviel Verantwortung dafûr trug. Und die sollte man erst einmal an der höhe ihrer Gehâlter messen. Denn angeblich rechfertigt ja die unglaubliche Verantwortung die höhe dieser Gehâlter - und das behaupte ja nicht ich oder sonst wer... sondern sie selber.
niemalsnicht 10.02.2017
4. Schlechtes Beispiel
Piech's Aussage von 2008 ist doch nicht verkehrt. Man brauch nur mal auf eine Automesse gehen. Fahrzeuge werden ja immer anhand ihres CO2 Ausstoßes "gemessen" und auch die Politik hat immer nur über CO2-Werte lamentiert. Der CO2 Ausstoß muss ja schließlich bis 2030 um XX% gesenkt werden. Die Ziele kann man wunderbar mit verbrauchsärmeren Fahrzeugen erreichen und die Fahrzeuge sind da ja teilweise auch deutlich besser geworden. Nur leider hat man sich mit diesen Verbesserungen höhere NOx-Werte erkauft. NOx stand aber auch nie wirklich zur Diskussion.
max-mustermann 10.02.2017
5.
Tja da ist sie wieder unsere selbsternannte "Wirtschaftselite". Sich jedes Jahr die Bezüge um Prozentsätze erhöhen von denen Normalsterbliche nur träumen können (wegen der hohen Verantwortung und so, ja ne is klar) und jetzt will mann mal wieder von allem nichts gewusst haben. Ekelhaft !
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