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Sparmaßnahme nach Abgasaffäre: Volkswagen will Beförderungen stoppen

Bei VW werden die Sparmaßnahmen konkreter. Nach Informationen des manager magazin will der Autohersteller im kommenden Jahr keine Mitarbeiter befördern. Doch der Betriebsrat sperrt sich.

Produktion des VW-Modells Phaeton: Mitarbeiter bekommen Affäre zu spüren Zur Großansicht
DPA

Produktion des VW-Modells Phaeton: Mitarbeiter bekommen Affäre zu spüren

Viele Angestellte der Marke Volkswagen sollen infolge des Abgasskandals offenbar karrieretechnisch erst einmal auf der Stelle treten. Wie das manager magazin berichtet, haben sich der Markenvorstand und der Betriebsrat unter anderem darauf geeinigt, für 2016 auf Beförderungen zu verzichten.

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh erklärte jedoch, die Arbeitnehmervertreter hätten diesem Plan noch nicht zugestimmt. "Hier handelt es sich um einseitige Vorstellungen des Vorstands, die wir so nicht akzeptieren werden. Das haben wir Freitag mit dem Personalwesen besprochen", sagte Osterloh der Nachrichtenagentur dpa.

Der Betriebsrat werde sich gegen "bloße Symbolpolitik auf dem Rücken von Beschäftigten" nach Kräften wehren. "Wir erwarten andere Symbole zuerst: zum Beispiel eine klare Aussage, wie sich der Konzernvorstand zu seinen Boni-Zahlungen stellt. Hier muss die Devise lauten: mit gutem Beispiel voran", sagte Osterloh.

VW reagiert mit einem Sparkurs auf die drohenden Milliardenkosten durch den Abgasskandal. Zum Beispiel sei auch geplant, für die nächste Generation des Konzernbestsellers Golf möglichst viele aktuelle Bauteile erneut zu verwenden, zitierte das manager magazin aus VW-Kreisen. Die Golf-Plattform sei technisch gut genug, und man werde so Hunderte Millionen Euro sparen.

Die Kosten der Abgasaffäre werden demnach in VW-internen Analysen auf mehr als 30 Milliarden Euro taxiert. Der neue Konzernchef Matthias Müller plane, diese Ausgaben möglichst weitgehend bei der für die betroffenen Dieselmotoren verantwortlichen Marke VW zu verbuchen. Töchter wie Audi und Porsche sollten stabil gehalten werden, hieß es.

Bereits Mitte Oktober hatte der Konzern angekündigt, die Investitionen für die Marke Volkswagen um jährlich eine Milliarde Euro zusammenzustreichen. Zudem werde man ein "Effizienzprogramm", das bereits der zurückgetretene VW-Chef Martin Winterkorn aufgelegt hatte, forcieren.

Auch Stellenabbau nicht ausgeschlossen

Laut manager magazin will VW-Markenchef Herbert Diess diesen Sparkurs in den kommenden Monaten noch einmal verschärfen. Der Manager wolle auch die Produktivität und Effizienz der VW-Werke verbessern - und dort gegebenenfalls Stellen abbauen, hieß es. Darüber gebe es jedoch Insidern zufolge noch keine Einigung mit dem Betriebsrat. Die Arbeitnehmer lehnten einen Stellenabbau ab und stimmten bislang lediglich der Reduzierung der beschäftigten Leiharbeiter zu.

Zuletzt hatte der neue Volkswagen Chart zeigen-Konzernchef Matthias Müller den VW-Mitarbeitern zugesagt, sie müssten keine Kurzarbeit fürchten. Laut Betriebsrat hat der Abgasskandal noch nicht auf die Verkäufe durchgeschlagen.

VW hatte vor gut einem Monat eingeräumt, die Abgaswerte von Millionen Dieselwagen manipuliert zu haben. Ans Licht gebracht hatte den Fall die US-Umweltbehörde EPA.

Der Konzern muss wegen des Abgasskandals allein in Deutschland bisher 2,4 Millionen Diesel in die Werkstatt rufen - darunter auch Tausende Polizeifahrzeuge. Die Aktion soll im Januar beginnen. EU-weit sind rund 8,5 Millionen Fahrzeuge betroffen, weltweit elf Millionen Fahrzeuge.

mmq/dpa

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insgesamt 30 Beiträge
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1.
moneysac123 24.10.2015
Wenn sich VW da mal nicht ins eigene Fleisch schneidet, ausgerechnet bei den Leistungsträgern zu sparen, die befördert werden sollten. Gute Leute sind gefragt und Frust führt schnell zum Wechsel zur Konkurrenz.
2. Logisch
rmuekno 24.10.2015
die Chefs verbocken es, die Mitarbeiter baden es aus. Wo bleiben de masiven Gehaltskürzungen in der Chefetage und die Regressforderungen der an die Verantwortlichen.
3. Tarifgehalt
Pinon_Fijo 24.10.2015
Vielleicht sollte man erstmal Tarifgehälter für alle Beschäftigten einführen. Meines Wissens verdient man bei VW das Tarifgehalt nach IG Metall plus 20% ! Lohnkosten sind in Deutschland eh schon so hoch, daß wir international kaum konkurrenzfähig sind. Wenn ein Unternehmen dann noch übertariflich zahlt, bleibt außer Mogeleien kaum noch eine andere Möglichkeit, um am Markt zu bestehen...
4.
marthaimschnee 24.10.2015
Jawoll, Stellenabbau! Am besten die gesamte Produktion abbauen, etwas herzustellen ist in der heutigen Zeit sowieso völlig überflüssig, wo man alles im Internet bestellen kann. Oder die Entwicklung einsparen. Wenn TTIP durchkommt wird es keine schärferen Standards mehr geben, also muß auch nichts effizienter und sauberer werden.
5. Verkaufsverbote
Andreas-Schindler 24.10.2015
"Laut Betriebsrat hat der Abgasskandal noch nicht auf die Verkäufe durchgeschlagen." Lol, Wenn Verkaufsverbote in einigen Ländern sich nicht in den Verkaufszahlen durchschlagen, dann stimmt was nicht. Auch sollte man nicht verkennen das es VW nur so gut ging, weil man etliche Jahre Betrogen hat.
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