Autobauer: Volkswagen will volle Kontrolle über MAN

VW macht ernst und nimmt den Lastwagenbauer MAN an die kurze Leine. Der Konzern strebt den Abschluss eines Beherrschungsvertrags an. Damit kann er für MAN nachteilige Entscheidungen im Interesses des Konzernvorteils durchsetzen.

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dapd

MAN-Lastwagen: Volkswagen strebt nach kompletter Kontrolle des Unternehmens

Wolfsburg - Wenige Monate nach dem Erreichen der Dreiviertelmehrheit bei MAN kündigte Volkswagen an, einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit dem Münchner Lastwagen- und Maschinenkonzern anzustreben. Darüber sollten nun Gespräche mit dem MAN Chart zeigen-Vorstand aufgenommen werden. Dies sei ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Schaffung eines integrierten Nutzfahrzeugkonzerns.

Mit dem Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag werde eine verstärkte und vereinfachte Zusammenarbeit zwischen Volkswagen Chart zeigen und MAN angesteuert und damit die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit beider Unternehmen. Einen solchen Vertrag hat VW auch mit Audi abgeschlossen. Damit kann der Autokonzern auch für das Unternehmen nachteilige Entscheidungen im Interesses des Konzernvorteils insgesamt durchsetzen. Dafür reichen 75 Prozent der anwesenden Stimmen auf der Hauptversammlung.

Als nächster Schritt soll nach Angaben einer Unternehmenssprecherin ein Abfindungsangebot an die übrigen Aktionäre folgen. Davor muss MAN noch bewertet werden, um die Höhe der Offerte festzulegen. Von deren Höhe hängt ab, wieviele Anteilseigner sich von ihren Aktien trennen. Gemessen am aktuellen Börsenkurs müsste VW knapp 3,2 Milliarden Euro hinblättern, um die restlichen MAN-Anteile zu übernehmen. Mit der Beherrschung bekommt VW Zugriff auf die MAN-Kasse. Allerdings hat der Konzern wiederholt betont, dass dies nicht das Motiv für die Übernahme sei. Der Konzern hatte seine Kapitaldecke vor kurzem mit einer Wandelanleihe um 2,5 Milliarden Euro aufgestockt. Ein Sprecher machte deutlich, dass dieses Geld nicht zur Abfindung der MAN-Aktionäre eingesetzt werde, sondern für langfristige Investitionen gedacht sei. Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB geht davon aus, dass VW langfristig zwischen 95 und 99 Prozent an MAN anstrebt. MAN solle vermutlich nicht von der Börse genommen werden, sondern wie die Tochter Audi Chart zeigen mit einem geringen Anteil gelistet bleiben.

VW selbst begründete den geplanten Abschluss eines Beherrschungsvertrags damit, dass die Zusammenarbeit mit MAN dadurch erleichtert werde. Seit September soll Ex-Scania-Chef Leif Östling als Nutzfahrzeug-Vorstand im VW-Konzern die beiden selbstbewussten Nutzfahrzeugkonzerne enger miteinander verzahnen. Der Zwölf-Marken-Konzern aus Wolfsburg hält 75,03 Prozent der MAN-Stimmrechte und ist mit knapp 72 Prozent an Scania Chart zeigen beteiligt. MAN hatte Scania vor einigen Jahren selbst übernehmen wollen, um zum größten europäischen Nutzfahrzeughersteller aufzusteigen. Die Münchner waren aber am Widerstand des mächtigen VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piech gescheitert und wurden in der Zwischenzeit von der Scania-Mutter selbst übernommen. Mit der Integration in das Wolfsburger Imperium verliert der Münchner Traditionskonzern nun nach 255 Jahren endgültig seine Unabhängigkeit. Die Marke verschwindet damit aber nicht.

mia/Reuters

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