Absatzkrise Europa: VW will Jobs schaffen - vor allem in China

"Wir stehen zu Deutschland und Europa", sagt VW-Konzernchef Winterkorn. Neue Jobs wird der Autobauer aber primär in China schaffen. Dort wächst der Konzern am stärksten und baut auch die meisten neuen Fabriken. Markt, Produktion und Beschäftigung verschieben sich zusehends.

Volkswagen in China: Ging 2008 nicht einmal jedes fünfte Fahrzeug an Kunden in der Region Asien/Pazifik, so war es 2012 mehr als jedes dritte. Zur Großansicht
Corbis

Volkswagen in China: Ging 2008 nicht einmal jedes fünfte Fahrzeug an Kunden in der Region Asien/Pazifik, so war es 2012 mehr als jedes dritte.

Frankfurt am Main - Volkswagen will neue Stellen vor allem außerhalb Europas schaffen. "Volkswagen wächst und stellt deshalb weiter in der Produktion ein, aber weniger in Europa, sondern stärker in China", sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). "Angesichts der Absatzkrise in Europa müssen wir bei den Einstellungen genau darauf achten, wo wir uns personell verstärken", sagte er.

Volkswagen will seine Beschäftigtenzahl bis 2018 von derzeit rund 550.000 auf gut 600.000 erhöhen. Bis zu diesem Zeitpunkt wollen die Wolfsburger Toyota als Weltmarktführer ablösen.

Mit aktuell rund 410.000 Mitarbeitern von den weltweit 550.000 stellt Europa zwar noch immer den Löwenanteil der Belegschaft. Doch der Anteil an der Fahrzeugproduktion des VW-Konzerns verliert an Gewicht: Er sackte binnen der vier zurückliegenden Jahre von 62 auf 51 Prozent.

Das Heimatland Deutschland halbierte seine Bedeutung beim Fahrzeugausstoß sogar: Nach gut einem Drittel (34 Prozent) waren es Ende 2012 nur 17 Prozent Anteil an der Konzerngesamtproduktion. In Asien schoss der Anteil an der Produktion von 16 auf 29 Prozent.

Dasselbe Bild zeigt sich in der Bilanz der Auslieferungen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen: Ging 2008 noch nicht einmal jedes fünfte Fahrzeug (19 Prozent) an Kunden in der Region Asien/Pazifik, so war es 2012 schon mehr als jedes dritte (35 Prozent).

Zahl der Auslieferungen und Fabriken in China wächst rasant

In China allein, dem mit Abstand wichtigsten VW-Einzelmarkt, gab es 2012 mehr als 2,8 Millionen Auslieferungen. Weltweit kamen 9,1 Millionen zusammen. Der steigenden Bedeutung Asiens will Volkswagen auch mit neuen Fahrzeugproduktionsstandorten direkt vor Ort Rechnung tragen: Sieben seiner derzeit zehn weltweit geplanten Werke wird VW in China aus dem Boden stampfen.

Konzernchef Martin Winterkorn versprach, trotz des massiven Ausbaus in China seine Mitarbeiter zu halten. "Wir stehen zu Deutschland und Europa", sagte er vor wenigen Tagen der dpa in München. "Es ist unsere Managementaufgabe, die Beschäftigung dort zu halten."

Dass das aber eine Herausforderung ist für die gesamte Branche im von Absatzkrisen geschüttelten Europa, davon ist Auto-Experte Stefan Bratzel überzeugt. "Wir haben schon eine relative Verschiebung der Gewichte - nicht nur markt- und produktionsmäßig, sondern eben auch bei der Beschäftigung. Das ist Fakt", sagte Bratzel.

"Die Frage ist, ob die Automobilbeschäftigung in Deutschland auf diesem Level gehalten werden kann", gibt Bratzel zu bedenken. Schließlich sei für den Heimatkontinent absehbar kein Wachstum in Sicht. Die absolute Zahl der Beschäftigten in der Automobilindustrie werde in Europa längerfristig zurückgehen, ist der Experte überzeugt. Dies werde in den kommenden zehn bis 15 Jahren vor allem weniger qualifizierte Kräfte in der Produktion treffen. Es sei schon viel gewonnen, wenn die Zahl der Fachkräfte konstant gehalten werde.

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