Zulieferstreit Prevent kauft wichtige Gießerei - und erhöht Preise für VW offenbar um das Zehnfache

Der Autozulieferer Prevent kämpft mit dem VW-Konzern - nun haben die bosnischen Besitzer offenbar ein neues Druckmittel gefunden. Die Mitarbeiter einer Saarbrücker Fabrik geraten zwischen die Fronten.

Firmensitz von Prevent
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Firmensitz von Prevent


Die Auseinandersetzung zwischen dem Automobilzulieferer Prevent und dem Autoriesen Volkswagen schwelt seit Langem. 2016 machte der Konflikt bundesweit Schlagzeilen: Die bosnischen Eigentümer von Prevent ordneten einen Lieferstopp aus ihren deutschen Fabriken an VW an - und legten damit zeitweise die Fertigung beim Autobauer lahm.

Grund waren Streitigkeiten über die Verteilung von Kosten eines Investments in Brasilien. Lange Zeit sah es so aus, als würde VW schlussendlich die Oberhand gewinnen: Der Konzern - weltweit Autobauer Nummer eins - kündigte im Frühjahr die Zusammenarbeit mit Prevent.

Doch die Eigner hinter dem Zulieferkonglomerat - die Familie Hastor aus Bosnien - hat ein neues Druckmittel in die Hand bekommen: Die Gießerei Neue Halberg Guss in Saarbrücken. Prevent hatte diese erst vor wenigen Monaten übernommen, und zwar über die zu Prevent gehörende Firma Castanea Rubra Assets GmbH.

Prevent will bis zu 180 Millionen Euro mehr

Halberg Guss stellt Kurbelgehäuse, Zylinderköpfe und Kurbelwellen her - Teile, die Volkswagen offenbar nicht schnell anderswo herbekommen kann. Das nutzt Prevent wie schon zuvor für extrem hohe Preisforderungen. Im Gespräch sind Aufschläge bis zum Faktor 10 auf das vereinbarte Niveau als "Auflaufpreise". Das geht aus einem Brief von Volkswagen an Barbaros Arslan, Geschäftsführer der Neuen Halberg Guss, hervor. Das Schreiben liegt der Nachrichtenagentur dpa vor.

Demnach fordert das Unternehmen allein im zweiten Quartal des Jahres 150 bis 180 Millionen Euro mehr. VW kommentiert den Brief nicht: "Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu internen Unterlagen."

Die Vorgeschichte des Konflikts ist kompliziert: 2016 ließ Prevent den Wolfsburger Autoriesen ziemlich schlecht dastehen. Im Streit um einen geplatzten Großauftrag stellten zwei deutsche Töchter der bosnischen Prevent-Gruppe im August kurzfristig die Lieferungen an den Volkswagen-Konzern ein. Tagelang standen deshalb in den VW-Werken in Wolfsburg und Emden Bänder still.

Letztlich einigten sich VW und Prevent in wochenlangen Verhandlungen auf neue Lieferverträge. Vordergründig gewann die Prevent-Gruppe samt ihren Töchtern damals den Streit. Im Frühjahr 2018 dann ließ VW die Muskeln spielen und kündigte die Zusammenarbeit vollständig auf.

Die Gewerkschaft schlägt Alarm

Der heftige Zulieferer-Zoff soll VW 2016 einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag gekostet haben - weil die Wolfsburger zuvor ein wichtiges Detail übersehen hatten. Die Prevent-Gruppe hatte sich taktisch geschickt den kleinen Metallguss-Spezialisten ES Automobilguss einverleibt und so eine mächtige Verhandlungsposition erkauft. Als VW eine andere Prevent-Tochter nach langer Zusammenarbeit aussortieren wollte, setzte Prevent zur Überraschung von Volkswagen diese Macht in vollem Umfang ein.

Ein ähnliches Manöver scheint die Eignerfamilie Hastor nun erneut zu versuchen. Dabei droht allerdings die Belegschaft der Saarbrücker Gießerei zwischen die Fronten zu geraten. Das Unternehmen beschäftigt etwa 1500 Mitarbeiter in Saarbrücken und 600 in Leipzig. Patrick Selzer von der IG Metall warnt, die Beunruhigung unter den Mitarbeitern sei groß.

Prevent liegt nämlich auch mit Daimler im Clinch, einem weiteren wichtigen Kunden der Neuen Halberg Guss. Sollten VW und Daimler als Kunden wegbrechen, fehlten Produktionsmengen von 140.000 bis 150.000 Tonnen.

Wozu das führen kann, zeigt das Schicksal der anderen deutschen Prevent-Tochterunternehmen: Sie haben vor einigen Wochen Kündigungen und Kurzarbeit angekündigt.

beb/dpa

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