Immobilien-Übernahmepoker Deutsche Wohnen kapituliert vor Vonovia

Der Weg für den Milliarden-Deal scheint frei: Der Immobilienkonzern Vonovia steht kurz vor der feindlichen Übernahme der Firma Deutsche Wohnen. Diese wollte selbst einen kleineren Konkurrenten schlucken - hat dies aber nun abgesagt.

Logo der Deutschen Wohnen: Kampf gegen die feindliche Übernahme
DPA

Logo der Deutschen Wohnen: Kampf gegen die feindliche Übernahme


Was sich derzeit auf dem deutschen Immobilienmarkt abspielt, hat die Bezeichnung Übernahmeschlacht wohl verdient. Der deutsche Marktführer Vonovia will den zweitgrößten Wohnungskonzern Deutsche Wohnen (DW) schlucken. Dieser wehrt sich dagegen - doch es dürfte wohl auf eine feindliche Übernahme hinauslaufen.

Denn die Deutsche Wohnen hat ihrerseits den Kauf des Konkurrenten LEG abgeblasen - und damit quasi zunächst kapituliert. Hintergrund ist, dass sich die DW mit der LEG-Übernahme selbst vergrößern wollte. Vonovia hatte vor einer Woche überraschend erklärt, man wolle die Deutsche Wohnen kaufen - aber nur, wenn deren Aktionäre die LEG-Pläne zuvor fallen lassen.

Entscheidend für den Rückzieher der DW bei LEG war die Empfehlung zweier einflussreicher Aktionärsberater (ISS und Glass Lewis). Sie haben am Mittwoch die von der DW bevorzugte Fusion mit der kleineren Rivalin LEG abgelehnt und stattdessen ein Zusammengehen der DW mit der Vonovia für sinnvoller erklärt. Zur Begründung hieß es, bei der großen Lösung würde mehr Wert geschaffen, die Synergien seien höher.

Offiziell lehnt die Deutsche Wohnen die Vonovia-Offerte weiter ab. "Das Angebot ist für die Deutsche-Wohnen-Aktionäre nicht attraktiv", sagte Firmenchef Michael Zahn. Es spiegle den erhofften Wertzuwachs des Bestandes und die hohe Qualität der Wohnungen nicht wider.

Doch die für kommende Woche geplante Hauptversammlung sagte die Deutsche Wohnen ab. Auf dieser hätten die Aktionäre über die Ausgabe neuer Anteilscheine für die Finanzierung der LEG-Übernahme abstimmen sollen.

Vonovia-Chef ist noch nicht am Ziel

Eine Vonovia-Sprecherin wollte die Neuigkeiten auf Anfrage nicht kommentieren. Man habe die Mitteilung zur Kenntnis genommen, sagte sie lediglich.

Vonovia und Deutsche Wohnen kämen zusammen auf bundesweit eine halbe Million Wohnungen. Mit 14 Milliarden Euro inklusive Schulden wäre es der größte Deal, den es auf dem deutschen Immobilienmarkt je gegeben hat. Doch Vonovia-Chef Rolf Buch ist noch nicht am Ziel. Für den Deal bräuchte er eine Kapitalerhöhung. Dieser wiederum müsste die Mehrheit der Aktionäre auf einer Hauptversammlung zustimmen, die für den 30. November geplant ist.

Deutsche-Wohnen-Chef Zahn könnte auch immer noch nach Alternativen suchen. Vonovia hat den Anlegern lediglich eine Prämie von sieben Prozent in Aussicht gestellt. Zahn könnte auch zum Gegenschlag ausholen und ein neues Übernahmeobjekt ausloten, für das das Kapital erhöht werden müsste. Denn für diesen Fall hat Vonovia erklärt, die Finger von Deutsche Wohnen zu lassen.

mmq/Reuters/dpa



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insgesamt 33 Beiträge
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masp 22.10.2015
1. 28.000 Euro pro Wohnung
Wäre es für die Aktinäre nicht besser jede wohnung einzeln zu verkaufen?
1besserwisser1 22.10.2015
2.
Das Kartellamt sollte einschreiten. Es würde ein Marktmonopol entstehen, dass den Wettbewerb aushebelt.
felisconcolor 22.10.2015
3. Sowas
passiert halt wenn Wohnen kein Grundrecht ist. Oder kann mir jemand Fälle schildern, wo nach einer Übernahme für den Mieter etwas gutes heraus gekommen ist.
claterio 22.10.2015
4.
Zitat von felisconcolorpassiert halt wenn Wohnen kein Grundrecht ist. Oder kann mir jemand Fälle schildern, wo nach einer Übernahme für den Mieter etwas gutes heraus gekommen ist.
Grundrechte kann man nur gegenüber dem Staat haben. Wenn man will, dass der Staat jedem eine Wohnung am Wunschort zum Wunschpreis als Grundrecht bereistellt, dann muss man auch sagen, wie der Staat das bezahlen soll. Wie weit sollte der Staat beispielsweise Ihre Steuern erhöhen, damit er Ihre Wünsche finanzieren kann?
claterio 22.10.2015
5.
Grundrechte kann man nur gegenüber dem Staat haben. Wenn man will, dass der Staat jedem eine Wohnung am Wunschort zum Wunschpreis als Grundrecht bereistellt, dann muss man auch sagen, wie der Staat das bezahlen soll. Wie weit sollte der Staat beispielsweise Ihre Steuern erhöhen, damit er Ihre Wünsche finanzieren kann?
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