Übernahmekampf um Deutsche Wohnen Vonovia verlängert Frist für Aktionäre

Der Wohnungskonzern Vonovia scheint bei seinen Übernahmeplänen für den Konkurrenten Deutsche Wohnen nicht wie geplant voranzukommen. Das Unternehmen gibt den Aktionären mehr Zeit und gibt sich mit weniger Papieren zufrieden.

Montage von Vonovia-Firmenschild: Kampf um Deutsche Wohnen
DPA

Montage von Vonovia-Firmenschild: Kampf um Deutsche Wohnen


Vonovia muss bei der geplanten Milliardenübernahme des Rivalen Deutsche Wohnen offenbar mehr kämpfen als gedacht. Wenige Stunden bevor die Frist für die Aktionäre der Deutschen Wohnen auslaufen sollte, verlängerte Vonovia die Gültigkeitsdauer des Angebots um zwei Wochen. Die Frist soll nun am 9. Februar enden. Ursprünglich sollten die Anteilseigner ihre Papiere bis zum 26. Januar andienen. Die Annahmequote lag zuletzt deutlich unter dem Zielwert.

Das Unternehmen teilte zudem mit, die formale Mindestannahmeschwelle werde auf 50 Prozent abgesenkt. Bisher lag diese Schwelle auf unverwässerter Basis bei 57 Prozent.

Der Sicherheitspuffer für Vonovia sei damit abgesenkt worden, erklärte Finanzchef Stefan Kirsten. So solle sichergestellt werden, dass die Gesellschaft am Ende die erforderliche Kontrolle über die Deutsche Wohnen erhalte. Notwendig für den Vollzug der Übernahme sei auf vollverwässerter Basis weiter eine Mehrheit von mindestens 50 Prozent plus eine Aktie. Nur mit einer Mehrheit können das volle Synergiepotential realisiert werden.

Vonovia möchte die Deutsche Wohnen gegen deren Willen übernehmen. Gelingt Vonovia die Übernahme, entsteht ein Konzern mit rund einer halben Million Wohnungen. Vonovia will für den Konkurrenten inklusive Schulden rund 14 Milliarden Euro zahlen. Über die Offerte entscheiden die Deutsche-Wohnen-Eigner.

Der Deutsche Mieterbund lehnt das milliardenschwere Angebot an die Aktionäre ebenso ab wie der Übernahmekandidat Deutsche Wohnen selbst. Während der Mieterbund Einsparungen zulasten der Mieter fürchtet, warnt Deutsche Wohnen vor finanziellen Nachteilen und erhöhten Risiken durch den Zusammenschluss. Vonovia verweist dagegen auf mögliche Einsparungen in Millionenhöhe.

Kartellwächter haben den Deal schon genehmigt

Beide Unternehmen liefern sich seit dem Herbst einen erbitterten Kampf um die Gunst der Aktionäre. Das Bundeskartellamt hat die angestrebte Übernahme von Deutsche Wohnen durch den Marktführer Vonovia bereits genehmigt. Die Behörde gab Vonovia grünes Licht und billigte die Pläne ohne Auflagen. Eine marktbeherrschende Stellung oder eine Beeinträchtigung des Wettbewerbs sei nicht zu befürchten, hieß es.

Der Konzern werde mit einem Bestand von rund 500.000 Mietwohnungen zwar seine Stellung als Marktführer ausbauen. Eine Untersuchung habe aber ergeben, dass in allen betroffenen Regionen wegen der Konkurrenz durch private Vermieter, kommunale Wohnungsunternehmen und Wohnungsbaugenossenschaften der Wettbewerb nicht in Gefahr sei.

Auch die Vonovia-Aktionäre haben bereits eine Kapitalerhöhung abgesegnet, mit der Vonovia einen Großteil des Kaufpreises für den Rivalen bezahlen will. Vonovia war erst im Dezember 2014 aus der Fusion von Deutsche Annington und Gagfah hervorgegangen. Die Immobiliengesellschaft verfügt derzeit über rund 367.000 Wohnungen und stieg im September in den Deutschen Aktienindex (Dax) der 30 größten börsennotierten Unternehmen auf. Deutsche Wohnen hat etwa 147.000 Wohnungen in ihrem Besitz.

mmq/dpa/Reuters

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