Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia kürzt nach Mieterprotesten die Modernisierungen

Wenn ältere Mietshäuser neue Dämmung oder Fenster bekommen, sind Mieter oft sauer - denn am Ende tragen sie meist die Kosten als Mieterhöhung. Deutschlands größter Wohnungskonzern senkt nun die Investitionen.

Vonovia-Chef Rolf Buch
DPA

Vonovia-Chef Rolf Buch


Der größte deutsche Wohnungskonzern Vonovia will seine Investitionen in Modernisierungen drastisch kürzen. Hintergrund sei eine "dramatisch zurückgegangene" gesellschaftliche Akzeptanz für die in der Regel mit Mietsteigerungen verbundenen energetischen Modernisierungen, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch.

Vonovia hatte bisher energetische Modernisierungskosten - etwa für die Dämmung von Fassaden oder den Austausch alter Fenster - auf die Miete umgelegt, was teilweise zu Mieterhöhungen von mehr als drei Euro pro Monat und Quadratmeter geführt hatte. Der Dax-Konzern Vonovia zählt mit einem Bestand von etwa 400.000 überwiegend in Deutschland gelegenen Wohnungen zu den größten deutschen Vermietern.

Der SPIEGEL hatte im November über zahlreiche zweifelhafte Vonovia-Modernisierungen in ganz Deutschland berichtet. Demnach wurden in einer Wohnanlage in Konstanz Fenster und Fassade ausgetauscht - obwohl dort bereits vor 15 Jahren energetisch saniert worden war. Der örtliche Oberbürgermeister bezeichnete das Vorgehen in einer Videobotschaft als "unanständig". In einem anderen Fall stand einer Mieterhöhung von 1,65 Euro pro Quadratmeter eine Ersparnis bei den Heizkosten von 18 Cent gegenüber.

"Es nutzt nichts, wenn die Leute das nicht wollen", sagte Buch. Von sofort an sei eine Kürzung der energetischen Investitionen um etwa 40 Prozent geplant. Vonovia hatte zuletzt angekündigt, im laufenden Geschäftsjahr etwa eine Milliarde Euro vorwiegend in energetische Modernisierungen, aber auch in Neubau und Dachaufstockungen investieren zu wollen. Während die Modernisierungsquote bei Vonovia bislang bei gut fünf Prozent des Wohnungsbestands gelegen habe, soll sich dieser Wert nun auf etwa drei Prozent reduzieren.

Keine Mietaufschläge von mehr als zwei Euro pro Quadratmeter

Interessant an der Kehrtwende: Vonovia-Vorstandsmitglied Klaus Freiberg hatte vor kurzem in einem Interview noch von wenigen Beschwerden gesprochen. "Bei 20.000 Modernisierungen", sagte Freiberg, "habe ich Klagen im niedrigen dreistelligen Bereich. So gesehen handeln wir in 99,99 Prozent der Fälle formal richtig."

Vorstandschef Buch kündigte nun an, künftig werde es durch Sanierungen keine Mietaufschläge von mehr als zwei Euro je Quadratmeter geben, auch wenn dies bei Quadratmetermieten von mehr als sieben Euro gesetzlich zulässig sei. Damit wolle der Konzern sicherstellen, dass Mieter ihre Wohnungen als Folge der modernisierungsbedingten Mietsteigerungen nicht verlassen müssten. Aktuelle Modernisierungsprojekte, die zu Mieterhöhungen von mehr als zwei Euro pro Quadratmeter führen, werde man sich "genau ansehen".

Vonovia werde die frei werdenden Mittel verstärkt in Neubauten und in Modernisierungen in Schweden investieren, wo die Akzeptanz dafür deutlich größer sei, kündigte Buch an. Auf die Geschäftsentwicklung werde das Umsteuern keine Auswirkungen haben. Der Vonovia-Chef bezifferte die geplanten Gesamtinvestitionen auf jährlich etwa 1,3 bis 1,6 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr soll das Ergebnis um gut 15 Prozent über dem Wert von 2017 liegen: bei gut einer Milliarde Euro.

Vor diesem Hintergrund werde sich der Anstieg der durchschnittlichen Mieten trotz der deutlich zurückgehenden Modernisierungen nicht verlangsamen. "Der Mietanstieg kommt dann nicht aus der Modernisierung, sondern aus dem Neubau", sagte Buch. Im zurückliegenden Jahr waren die Mieten im Schnitt um vier Prozent auf 6,45 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Gut 2,5 Prozent des Anstiegs waren dabei die Folge von Modernisierungen - lediglich 1,6 Prozent kamen durch normale Mieterhöhungen zustande.

Mieterbund gegen Modernisierungen

Der zunehmende Verzicht auf energetische Modernisierungen bedeute aber auch gleichzeitig einen Rückschlag für den Klimaschutz, beklagte Buch. Die CO2-Bilanz vor allem aus den 1950er, 1960er und 1970er Jahren stammender Gebäude werde sich dadurch nicht wie geplant weiter verbessern, obwohl vielfach ein grundlegender Modernisierungsbedarf vorliege. Angesichts der steigenden Kosten am Bau seien Kostensenkungen bei der Durchführung von Modernisierungen nicht realistisch.

Mehr zu Vonovia

Aus Sicht des deutschen Mieterbunds führen Modernisierungen oft gar nicht zu deutlichen Energieeinsparungen. "Wenn Häuser immer dicker gedämmt werden, heißt das noch lange nicht, dass sie unbedingt viel Energie einsparen", sagte Mieterbund-Sprecherin Silke Gottschalk in Düsseldorf. Vonovia zähle zu den Unternehmen, die in den vergangenen Jahren besonders intensiv auf Modernisierungen gesetzt hätten.

Statt die Modernisierungskosten einfach nur anteilig auf die Kaltmiete umzulegen, sei es sinnvoller, sich bei der Umlage an den tatsächlich eingesparten Betriebskosten zu orientieren, sagte Gottschalk. Der Mieterbund fordert vor dem Hintergrund niedriger Zinsen eine Deckelung der Umlage auf vier Prozent der Kosten. Dies sei für den Vermieter immer noch ein "gutes Geschäft", hieß es.

Vom kommenden Jahr an dürfen Hausbesitzer nach Modernisierungen nur noch maximal acht Prozent der Renovierungskosten im Jahr statt bisher elf Prozent auf die Miete umlegen. Pro Quadratmeter sind dann Erhöhungen bis zu drei Euro erlaubt. Wo die Miete weniger als sieben Euro pro Quadratmeter beträgt, dürfen Vermieter nur zwei Euro pro Quadratmeter aufschlagen.

mik/dpa-AFX



insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
outsider-realist 06.12.2018
1. Noch teurer
Das hört sich nicht nach Einsicht an, sondern als ob es am Ende noch teurer für die Mieter wird. Ich nehme an, das jetzt erst mal die Mieten maximiert werden und dann anschließend modernisiert wird. Eine Win Win Situation jedoch ausschließlich für Vonovia.
FocusTurnier 06.12.2018
2. Wer keine Modernisierung bezahlen will, bekommt auch keine
Finde ich völlig korrekt. Das bigotte Verhalten von vielen Mietern kann ich eh nicht verstehen. Erst wählen sie Parteien, die Bauherren und Eigentümer dazu verpflichten, energetisch zu sanieren, und dann wollen viele das nicht bezahlen. Verstehe ich nicht......
stefanbodensee 06.12.2018
3. Zuerst abkassieren ...
...und dann bei massivem Protest so tun, als ob der Mieter das 'nicht wolle', als ob man ja eigentlich allen Mietern nur Gutes tun will. Die Vonovia ( Ex Deutsche Annington ) macht genau da weiter, wo sie bereits vor der Umbenennung ( wegen schlechter Presse ) aufgehört hat. Den größtmöglichen Gewinn aus den massenweise aufgekauften Wohnungen / Häusern rausquetschen, die Mieten nach der oft nicht wirklich notwendigen Sanierung massiv nach oben jagen, die alten Mieter oft vergraulen - und bei neuen Mieter kräftiger zulangen. Tut mir leid, wenn ich den altbekannten Ausdruck dafür gebrauche - Miet-Haie. Diese Firma lebt den Raubtier-Kapitalismus - und zwar auf dem Rücken derer, die sich nicht oder nur kaum dagegen wehren können. Leider ist unsere Politik dagegen bis jetzt relativ machtlos - die Immobranche hat bisher immer ein Schlupfloch gefunden, wie man weiter absahnen kann. Hoffentlich kracht es irgendwann mal im Gebälk ...aber kräftigst!
Minster 06.12.2018
4.
Vonovia sieht ihr Geschäftsmodell gefährdet, also zieht man wieder die Bremse an bis man eine andere Möglichkeit der Gewinnschöpfung gefunden hat. Um das Wohle der Mieter durch Modernisierung geht es doch gar nicht.
so-long 06.12.2018
5. Umlage
der Modernisierungskosten auf die tatsächlich eingesparten Betriebskosten: sehr gute Idee des Dtsch.Mieterbundes. Würde aber den ganzen Unfug offen zu Tage bringen, was von Berlin nicht erwünscht ist. Dass eine Mieterhöhung von 7 auf 9€ für viele Leute ein echter Hammer ist, kann sich der hochdotierte Vonovia-Chef nicht vorstellen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.