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Vorstandsumbau: Jain baut seine Führungsposition aus

Führungstrio Jain (links), Fitschen (rechts), Achleitner: Neue Führung angebracht Zur Großansicht
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Führungstrio Jain (links), Fitschen (rechts), Achleitner: Neue Führung angebracht

Investmentbanking statt Privatkundengeschäft - die strategische Neuausrichtung der Deutschen Bank schlägt sich jetzt auch im Vorstand nieder: Klarer Sieger ist Co-Vorstandschef Anshu Jain. Sein Kollege Jürgen Fitschen verliert dagegen Rückhalt.

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Die Deutsche Bank krempelt zur Umsetzung ihrer neuen Strategie die Führungsetage um: Am Vorabend der Hauptversammlung beschloss der Aufsichtsrat die wichtigen Personalentscheidungen. Die beiden Bankchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen bleiben an Bord. Aber Jain wird gestärkt und übernimmt vom bisherigen Finanzchef Stefan Krause die Verantwortung für die Umsetzung der Ende April beschlossenen "Strategie 2020". Krause ist dafür künftig unter anderem für die interne "Bad Bank" zuständig, die bislang bei Fitschen lag. Außerdem soll er maßgeblich die Trennung von der Postbank leiten und dort den Chefposten im Aufsichtsrat übernehmen.

Privatkunden-Chef Rainer Neske verlässt den Konzern zum 30. Juni und wird durch Christian Sewing ersetzt, der erst im Januar für Rechts- und Compliance-Themen neu in den Vorstand geholt worden war. In Kürze soll auch Jain-Intimus Alan Cloete den Konzern verlassen, der dem erweiterten Vorstand angehört und im Zuge des Zinsskandals ins Visier der Ermittler gerückt war. Die Deutsche Bank gab die Änderungen am späten Mittwochabend bekannt, nachdem der Aufsichtsrat gut drei Stunden in Frankfurt beraten hatte.

Der Druck auf die Bankführung ist groß, viele einflussreiche Investoren sind mit den bisherigen Ergebnissen unzufrieden und auch noch nicht von den Weichenstellungen für die Zukunft überzeugt. Zu den wichtigsten Punkten dieses Programms gehört der Verkauf der Postbank - vorzugsweise über die Börse - und die Schrumpfung des verbleibenden "blauen" Filialnetzes. Neske galt als Verlierer dieser Entscheidung, büßt er damit doch einen Großteil seines Bereichs ein, während die Investmentbanker, die Jain jahrelang selbst führte, wieder an Gewicht gewinnen.

Achleitner als mächtiger Strippenzieher

Aufsichtsratschef Paul Achleitner dankte Neske für dessen 25 Jahre bei der Deutschen Bank, betonte nach der Sitzung aber: "Angesichts der neuen strategischen Ausrichtung des Geschäftsbereichs für Privat- und Geschäftskunden haben wir uns darauf verständigt, dass eine neue Führung angebracht ist."

Der "Bruch" zwischen Neske und den Co-Chefs Jain und Fitschen hatte sich abgezeichnet. Bei einer Abstimmung des Bankvorstands über das neue strategische Konzept hatte Neske als einziger dagegen gestimmt. Jain und Fitschen wollen die Postbank bis Ende 2016 verkaufen und im restlichen Privatkundengeschäft der Deutschen Bank rund 200 ihrer insgesamt etwa 700 Filialen schließen.

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Wie krank ist die Deutsche Bank?

Die Rufe nach einem Rücktritt der Deutsche-Bank-Chefs Jain und Fitschen werden lauter, den beiden steht am Donnerstag eine turbulente Hauptversammlung bevor. Ist die Doppelspitze gescheitert?

In einer Erklärung von Jain und Fitschen nach der Aufsichtsratssitzung heißt es: "Jede der heutigen Ernennungen verknüpft eine Führungskraft mit einer unserer sechs wesentlichen Entscheidungen, die wir im Rahmen der Strategie 2020 angekündigt haben". Beide seien "zuversichtlich, dass diese Änderungen im Management eine erfolgreiche Umsetzung der Strategie 2020 ermöglichen werden".

Den Neuanfang macht Christian Sewing. Er soll den Privatkundenbereich ohne Scheuklappen wieder auf Vordermann bringen, wie ein Insider berichtete. Die Erwartungen an Sewing sind hoch, er wird auch den sich abzeichnenden Jobabbau in der Sparte vertreten müssen.

Kirch-Prozess als Malus

Achleitner gilt als mächtiger Wächter über die "neue" Deutsche Bank, der sich hinter den Kulissen auch stark operativ einmischt. Er trat vor drei Jahren zusammen mit Jain und Fitschen an, um den von zahllosen Rechtsstreitigkeiten gebeutelten Konzern wieder in ruhiges Fahrwasser zu lenken. "Inzwischen ist klar: Achleitner steht hinter Jain", sagte eine Person, die mit den Beratungen im Aufsichtsrat vertraut ist.

Fitschen dagegen werde intern zunehmend kritisch gesehen, denn er muss sich seit einigen Wochen wegen versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren vor dem Landgericht München verantworten. Fitschen hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Doch der einflussreiche US-Aktionärsberater ISS kritisierte unlängst scharf, der Prozess sei eine zusätzliche Belastung für die Bank. Fitschens Vertrag läuft bis 2017.

Vom Rivalen Goldman Sachs warb Achleitner Marcus Schenck als neuen Finanzchef ab, wie schon länger bekannt ist. Er übernimmt das Ruder mit der Hauptversammlung an diesem Donnerstag.

Auch außerhalb des Vorstands, eine Ebene darunter, gibt es einige Veränderungen, nicht nur in Sachen Cloete, der zuletzt für die Geschäfte in der Region Asien/Pazifik zuständig war: Nadine Faruque wird Generalbevollmächtigte der Bank und soll damit Sewing bei Compliance-Themen unterstützen. Der ebenfalls als Neske-Nachfolger gehandelte Christian Ricken scheidet aus dem erweiterten Vorstand aus.

Zusammengefasst:
Kurz vor ihrer Hauptversammlung hat die Deutsche Bank eine Reihe von personellen Veränderungen im Vorstand bekannt gegeben. Als Sieger der Umstrukturierung kann Co-Vorstandschef Anshu Jain werde gelten, der spürbar an Macht gewinnt. Der wird künftig im Vorstand die Verantwortung für Strategie und Organisationsentwicklung übernehmen.

mik/Reuters

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Deutsche Bank heißt ja nicht Deutschlands Bank
ptb29 21.05.2015
Es ist makaber, dass diese Bank jetzt nur noch zocken will. Womit? Wetten, Lebensmittel, Staatsfinanzen. Es wird Zeit, dass hier eine angemessene Steuer erhoben wird, dass diese Zockerei sich nicht mehr lohnt. Alles zum Wohl der Aktionäre und die sind satt, glücklich würde ich nicht sagen, denn sie brauchen ja ständig mehr und mehr.
2. Quo Vadis 'Deutsche Bank' ?
nickleby 21.05.2015
Missvergnügt und überrascht nimmt der Bürger die Metamorphose dieser Bank zur Kenntnis und könnte kopfschüttelnd seines Weges gehen. Aber diese Bank ist ein elementarer Bestandteil unserer Wirtschaft und unseres Finanzwesens. Herr Jain ist ein Mann, der intelligent und eiskalt ist, nur seine Interessen und die seines Clans kennt. Die Bedürfnisse und Notwendigkeiten der Deutschen Bank als gewachsenes Institut lassen ihn kalt, da er einen Hintergrund hat, der mit der Philosophie der Deutschen Bank nicht in Einklang zu bringen ist. Er ist ein Fremdkörper, der die Bank in die Pleite oder feindliche Übernahme jagt. Der Börsenwert der Bank ist ja im stetigen fall, so dass Banken wie Fargo z.B. sie schnell preiswert schlucken können. Es ist alles nur eine Frage der Zeit.
3. Deutsche Bank...?
giovanniconte 21.05.2015
Das war einmal! Denn die Zocker, die die Welt verderben, werden stärker und mächtiger. Es ist ein Trauerspiel wenn man mitansehen muß wie ein Institut, eine nationale Einrichtung wie die Deutsche Bank, durch geldgeile und Provisionen getriebene Machos kaputt gemacht, der Ruf und das Geld verspielt wird. Hier wird exemplarisch auf Kosten der deutschen Bürger, gespielt, gewettet, gezockt, der Gewinn eingesackt, Strafen und Verluste dem Aktionär, bzw. Steuerzahler aufgebunden. Eine Schande für Deutschland!
4. Die Berufung von Herrn Jain ...
birdie 21.05.2015
an die Vorstandsspitze der DB war die teuerste Fehlentscheidung des AR in der Geschichte der Bank. Der langfristige Schaden, den das Weihnachtsmänner- gremium zu verantworten hat, ist nicht mehr berechenbar. Langsam wird deutlich, dass die DB nur dann eine Zukunft hat, wenn AR und Vorstand ausgewechselt werden.
5. Alles halb so dramatisch
Vorzeichen 21.05.2015
Man kann die Deutsche Bank natürlich als Zockerbude verstehen (was sie ist), aber dann ist doch die Psychologie oder das Weltbild der Götter aus dem Vorstand interessanter als die triviale Feststellung, dass man heute eben mit Scheisse Geld macht - ob nun Facebook oder Deutsche Bank. Wenn ich Vorstände sehe oder, schlimmer, höre, dann assoziiere ich keine Firma, die etwas herstellt oder forscht, sondern eher verfallende Adels- bzw. Königshäuser. Alles Gerede ist voller Phrasen, jede Präsentation reine Eitelkeit, verpackt als seriöse Erscheinung. Kurz: Die globale Weltwirtschaft ist schlicht eine Seifenoper mit Plastikmodellen als Protagonisten.
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